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Maritime Schätze versteckt in den Hallen

Strande Maritime Schätze versteckt in den Hallen

Wer vermutet hinter einer schlichten Fassade Traumschiffe, die die Welt bewegten? Die Werfthalle des Kieler Yacht Clubs (KYC) in Strande beherbergt solche maritimen Schätze. Chef und Bootsbaumeister Uwe Baykowski bringt hier mit seiner Crew auch historische Jachten auf Vordermann.

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Selbst moderne Edelstahl-Winschen können sich einfügen, wie man am Beispiel von "Gerd IV" sieht.

Quelle: Cornelia Müller

Strande. Baykowskis Augen leuchten, als er das Tor öffnet. „Keine heiligen Hallen, sondern viel Staub und Lärm“, schickt er voraus. Neben einem hoch aufgebockten ungleichen Jachtenpaar macht gerade der Industriestaubsauger Ohren betäubenden Krach. Sekunden später wird der Mitarbeiter, der damit hantiert, draußen am Mastenkran gebraucht. Nun ist Zeit für Andacht. Baykowskis Blick schweift langsam über einen eleganten schwarzen Rumpf hinauf zum lackierten offenen Holzaufbau, wo in hochglänzendem Edelstahl der Name „Örn“ prangt. Beim Anblick der majestätischen Luxus-Motorjacht von 1955 schlägt auch ein Seglerherz höher. „Sie war über zehn Jahre nicht im Wasser. Wir haben sie fit gemacht für diese Saison“, sagt er. „Ein Schmuckstück, in Schweden gebaut. Es wird ein bewegender Moment, wenn sie wieder schwimmt.“

Neben der 15 Meter langen „Örn“ nimmt sich die „Gerd IV“, nur drei Meter kürzer, wie ein Zahnstocher aus. „Der Schärenkreuzer wurde 1927 von dem Schweden Harry Becker gebaut“, erläutert der Chef. „Eine abenteuerliche Konstruktion und auf kuriose Weise berühmt. Passte in keine Vermessungsformel der Regattaszene und wurde prompt verboten.“ Warum ist ersichtlich: Der Kiel ist geradezu winzig, die Überhänge des nur 2,60 Meter breiten Rumpfs sind gigantisch. So ist der Renner pfeilschnell, aber der Rumpf verwindet sich schnell. Der Bootsbaumeister: „Was nicht heißt, dass man nicht sicher segelt. Wir haben die Stabilität erhöht. Jetzt ist „Gerd IV“ ein Traum.“

Einer, den sich der Naturfilmproduzent und Filmpreisträger Thomas Behrend aus Hamburg erfüllt hat. Das darf Baykowski verraten. Er hat ein inniges Verhältnis zu der Ausnahmejacht, die sich so extrem wendig durch schwedische Schärengärten schlängeln kann. Er hat sie für den Eigner, der sie schwer beschädigt erwarbt, behutsam von Grund auf restauriert und mit Augenmaß um moderne Technik ergänzt. Die modernen Edelstahlwinschen passen sich ein. In der Mache hat die Werft auch die 10mR-Segeljacht „Indigo“ von 1936. Der 16,6 Meter lange Klassiker stammt aus der Feder des norwegischen Jachtdesigners Johan Anker.

„Wir können auch anders“, betont der Chef. Ob GFK-Jacht oder Kohlefaser-Rennziege, jedes Material ist ihm und seinen Bootsbauern vertraut. Während der Kieler Woche wird schon mal über Nacht eine X-35, die auf der Regatta-Bahn kollidiert ist, wieder flott gemacht. Und die KYC-Werft hat auch international einen Ruf. Kein Wunder: Früher baute und restaurierte Baykowski in aller Welt Jachten. Er gilt heute als absoluter Fachmann für Klassiker und ist zudem selbstständiger vereidigter Jacht-Gutachter.

Wenn nach dem Zwölf-Stunden-Arbeitstag noch Zeit ist, „dann baue ich an meinem Baby“, verrät er. Das ist die „Sünnschien“, eine 5.5er-Rennjacht, 1967 in Kanada gebaut und von Buddy Melges gleich zum WM-Sieg gesegelt. 1968 holte der Hamburger Rudolf Harmstorf mit „Sünnschien“, Segelnummer G-13, bei den Olympischen Segelwettkämpfen in Akkapulco Platz vier in dieser Meter-Klasse. „Und ich will damit im September zu den Regates Royales in Cannes. Dann erfüllt sich mein ganz persönlicher Traum in Holz...“, fügt Baykowski hinzu.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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