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Mulmiges Gefühl und Wehmut beim Aufslippen

Strande Mulmiges Gefühl und Wehmut beim Aufslippen

Das regnerische Schietwetter spiegelt den Gemütszustand mancher Skipper wider. Wehmütig lassen Freizeitkapitäne ihre Segelschiffe zum Saisonende ins Winterlager transportierten. Im Yacht Club Strande (YCS) gibt es im Oktober sechs Termine zum Aufslippen. Am Wochenende war einer davon.

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Eine Segeljacht am Haken: Ein Kran hievt die "Wilson" aus dem Strander Hafenbecken an Land, wo das 48 Jahre alte Schiff auf dem Clubgelände ins Winterlager kommt.

Quelle: Jan Torben Budde

Strande. „Es sind insgesamt etwa 80 Schiffe“, berichtete der stellvertretende Hafenmeister Georg Schittkowski am Sonnabend. Die Millimeterarbeit erfordert große Konzentration. Erst kommen die Boote an den Haken vom blauen Kran, um dann auf einem Trailer ihren Stellplatz auf dem Clubgelände anzusteuern.

„Ein bisschen mulmig ist einem schon“, gesteht Nadine Schäfer. Obwohl die erfahrene Seglerin die Prozedur seit Jahren kennt, bleibt immer die Angst, dass die Yacht vom Haken kracht. Knapp acht Meter misst ihre „Wilson“ (Sagitta 26), die stolze 48 Jahre alt ist. In diesem Jahr beschränkten sich die Törns der Hamburgerin auf Kurztrips im Mai („Das war eisig“) und September nach Dänemark und auf der Schlei. Warum? „Wir waren in den Flitterwochen in den USA“, verrät Nadine Schäfer, deren Ehemann Marc beim Aufslippen mit anpackt. Für das kommende Jahr schweben ihr aber wieder Fahrten bis nach Schweden vor. Allerdings möchte sie die 48 Jahre alte „Wilson“ verkaufen, um ein größeres Schiff anzuschaffen – damit Familie und Gäste künftig mehr Platz haben.

"Der beste Mann steht am Kran"

Unterdessen klappt das Aufslippen reibungslos. „Der Regen ist zwar unangenehm“, sagt Schittkowski, der eine Regenjacke mit Kapuze trägt, „ist aber ansonsten kein Problem.“ Der 70-Jährige ist selbst Segler und strahlt große Gelassenheit aus. Beruhigend für die Skipper. Der blaue Kran, der bis zu zehn Tonnen stemmen kann, hievt das Schiff mit Hebegurten aus dem Hafenbecken an Land. Zwar helfen Schiffseigner, Angehörige oder Freunde mit. Aber Schittkowski hält die Fernsteuerung für den Kran in der Hand. Er kontrolliert, justiert und gibt Anweisungen – bis das Segelboot aufgebockt und mit Stützen fixiert auf einem Trailer zum Winterlager fährt, wo es zum Schutz mit einer Plane abgedeckt wird. Unterdessen hält der Regen an. Trotzdem beobachten einige Zaungäste mit Schirm das Spektakel.

Axel Mai weiß die Arbeit des stellvertretenden Hafenmeisters zu schätzen. „Der beste Mann steht am Kran“, ruft der Freizeitskipper von Bord der „Pavane“ (Drabant 33). Jetzt ist sein Segelboot an der Reihe. Während ihr Mann mit dem Aufslippen beschäftigt ist, blickt Elfriede Mai wehmütig auf die zurückliegende Segelsaison zurück. „Es war schön und ist viel zu schnell vorübergegangen“, bedauert die Kaltenhoferin, „ich hätte gern noch eine Nacht an Bord geschlafen.“ Die Segler schipperten bis zum Limfjord in Dänemark. Gleichwohl bedeute ein Boot viel Arbeit. Reinigungsarbeiten und Reparaturen stünden im Winterlager auf dem Programm. Es zahle sich jetzt aus, dass ihr Mann die Yacht bereits während der Saison regelmäßig von Muscheln befreie. „Aber die Arbeit lohnt sich“, betont Elfriede Schäfer, „es ist ein schönes Hobby.“ Deshalb fiebert die Seglerin schon jetzt der neuen Saison entgegen: „Im März geht es wieder los.“ Nach dem Abslippen.

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