23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ein kultureller Ort von Format

Strande Ein kultureller Ort von Format

Aufklärerische Lebemänner, ein empfindsamer Dichter, dazu eine große Schar unterschiedlicher Besitzer: Nicolaus Graf zu Reventlow nahm am Sonnabendnachmittag rund 50 Zuhörer mit auf eine Reise durch die bewegte Geschichte von Gut Eckhof.

Voriger Artikel
Karsten Meier triumphiert
Nächster Artikel
Als Steckrüben die Hauptnahrung waren

Nicht nur der Dichter Friedrich Gottlob Klopstock (kleine Büste) gehört zur bewegten Historie von Gut Eckhof. Nicolaus Graf zu Reventlow (vorne) erzählte auf Einladung von Gerd Schneider, Werner Helten, Ursula Bleyer und Thomas Behrenbruch (von links) vom Strander Kulturforum auf Gut Eckhof aus den vergangenen Jahrhunderten.

Quelle: Lutz Timm

Strande. Eingeladen zu dem Gang durch sieben Jahrhunderte Gutshistorie hatte das Kulturforum Strande – und hat mit der Initiative zu mehr Regionalkultur einen vollen Erfolg gelandet.

 Von der Gründung der Bülker Burg 1320 durch Ivan Reventlow über die Errichtung des heutigen Guts Alt-Bülk bis hin zur Anlegung von Eckhof als Meierhof im Jahr 1708 – Besitzer Graf zu Reventlow skizzierte die Entstehungsgeschichte des Guts vor der imposanten Kulisse des Herrenhauses und erwies sich dabei als Kenner. „Die Anfänge der Geschichte bestehen zum Teil aus Vermutungen“, erklärte er. „Doch auch wenn eine mittelalterliche Siedlung nicht belegt ist, weisen Schriften darauf hin.“ Zudem gebe es viele Fundstücke, die für eine Besiedlung sprechen, wie etwa Grabplätze, die jedoch im Laufe der Jahrhunderte geschleift wurden.

 Nach mehreren Besitzerwechseln hat Friedrich Wilhelm Conrad Holck im Jahr 1770 Eckhof gekauft und das Herrenhaus bauen lassen. „Graf Holck ist zusammen mit Christian VII. am dänischen Hof aufgewachsen und war später sein Hofmarschall. Damit war er auch für das Amüsement zuständig, das von üppigen Ausschweifungen begleitet wurde“, berichtete zu Reventlow. Doch als der als geisteskrank geltende König mit seiner Cousine verheiratet wurde und trotzdem nicht von der Prostituierten „Stiefel-Cathrine“ lassen konnte, wurde er auf Reisen geschickt. Holck hingegen wurde entlassen und verjagt – und ließ sich daraufhin auf Gut Eckhof nieder.

 „Unter Graf Holck wurde hier die Kultur gepflegt, er war ein Anhänger der Aufklärung“, wusste zu Reventlow zu berichten. Nach Holks Überzeugung sollten sich Mensch und Natur frei entwickeln können. „Er schaffte das Lehnsrecht für seinen Hof ab und gab den Bauern Eigentum. Daher kommt der Name Freidorf – das Dorf der freien Bauern.“ Mit den Gedanken der Aufklärung kamen auch viele Gäste nach Eckhof, unter ihnen Friedrich Gottlieb Klopstock, einer der wichtigsten deutschen Dichter der Epoche der Empfindsamkeit. „Klopstock ging hier über viele Jahre ein und aus“, erzählte zu Reventlow. „Es entstand eine tiefe Freundschaft zu Holck und seiner Frau Juliane.“ Als Zeichen dieser Freundschaft hätten die Beiden ihm ein mit Eichen bepflanztes Wäldchen gewidmet. Klopstock setzte dem Hain mit seiner Ode Mein Wäldchen ein literarisches Denkmal.

 Über verschiedene Erben kam Gut Eckhof 1972 schließlich an den Vater von Graf zu Reventlow, der es seinem Sohn vermachte.

 Absolut zufrieden zeigte sich Gerd Schneider, Vorsitzender des Strander Kulturforums. Die große Resonanz zeige, dass es auch in der unmittelbaren Umgebung interessante kulturelle Orte von Format gebe.

 

 An den Grafen und die Gräfin Holck.

 

 Eure Beschattung kühlt schon lang, des lieben

 

 Wäldchens Eichen, ich habe nicht die Wurzel

 

 Dieser hohen Wipfel gesenkt, ihr wuchset

 

 Früher als ich, seid

 

 

 Jünglinge gleichwohl noch, erhebet höher

 

 Einst die Häupter und streckt wenn sich der Tag

 

 neigt,

 

 Längre Schatten. Grünet denn, überlebt; ich

 

 Neid, euch nicht, Eichen!

 

 

 Will mit Gespielen euch, mit Tränenweiden,

 

 Rings umpflanzen, daß einst, wenn nun die Sonne

 

 Sinkt, in eurer Kühle, durchhaucht von Abend-

 

 Lüften, ihr Laub sich

 

 

 Leise bewege, dann der Liebling sage

 

 Zu dem Mädchen: »Sie weint ja nicht, sie säuselt,

 

 Lallt Musik; wie fabelte von der schönen Weide der Vorfahr!«

 

 Wenn von dem Sturm nicht mehr die Eich' hier

 

 rauschet,

 

 Keine Lispel mehr wehn von dieser Weide:

 

 Dann sind Lieder noch, die vom Herzen kamen,

 

 Gingen zu Herzen.

 Friedrich Gottlieb Klopstock

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3