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Süffisanter, spitzbübischer Satire-Blick

Lesung Strande Süffisanter, spitzbübischer Satire-Blick

Ist die Minsterialbeamtenkaste allmächtig und schlau? Ja! Jedenfalls ist es in der jahrelang erfolgreichen britischen Polit-Sitcom Yes Minister so. Für Wolfgang Kubicki aus Strande, scharfzüngiger FDP-Landespolitiker und Bundesvizechef seiner Partei, ist diese nicht mehr ausgestrahlte Serie ein gefundenes Fressen. So hatte er sich das Buch dazu für „Strande liest“ ausgesucht.

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Bei seiner Lesung aus „Yes Minister“ amüsiert sich nicht nur das Publikum in Strande. Vorleser Wolfgang Kubicki muss herzlich über die Protagonisten der Politsatire lachen.

Quelle: Cornelia Müller

Strande. Das Kulturforum unter Leitung des früheren NDR-Funkhauschefs Gerd Schneider mobilisiert damit seit Wochen ein breites Publikum. Das freute sich an diesem Freitag diebisch auf spitzbübische Blicke Kubickis über die Lesebrille und das süffisante Grinsen über eine Satire, „die Insiderwissen beweist“, wie er später resümieren wird.

Erst einmal beginnt der Abend aber mit Warten. Es ist Sitzung im Landtag, der Veranstaltungsbeginn verstreicht zunächst ohne den Hauptakteur. Dass sein Sekretariat „sofort durchruft, wenn Herr Kubicki losfährt“, erklärt Schneider noch. Und plötzlich, ohne Anruf, stürmt der Vorleser herein, nimmt geschäftig Platz, muss sich eben sortieren. Ja, dies ist eine heitere Veranstaltung, in der politische Statements nicht erwartet werden.

Kubicki ist auch darin Profi. Prägnant führt er ein in den illustren Stoff – bedauernd, dass dieses Buch aus den 1980er Jahren in deutscher Übersetzung nicht mehr auf dem Markt ist. Beim Blick auf sein zerlesenes Exemplar erschließt sich, wie sehr er diesen Lesestoff liebt. Genüsslich zelebriert er die Dialoge zwischen Ministerneuling James Hacker und seinem Staatssekretär Sir Humphrey Appleby und weiteren hohen Beamten, die ihm der Apparat verordnet. Ausgerechnet das Ministerium für Verwaltungsangelegenheiten hat man ihm zugedacht. Diesen Wasserkopf zu geißeln im Namen bürgerfreundlicher Politik, die sich Hacker auf die Fahne schreibt, ist schwer. Aber möglich? Der Apparat lässt munter die Politpuppen tanzen, weiß ihn zu belehren und zu steuern. Korrekt sieht das Endergebnis, das die Zahl der Verwaltungsstrategen stets weiter erhöht, üblicherweise aus – wenn nicht gerade die aufmüpfige Tolpatschigkeit Hackers zu Katastrophen führt.

„Herrlicher Abend“, schwärmt ein Gast am Ende der brillanten Lesung. Auch Kubicki hat Spaß gehabt und beim Lesen laut gelacht. „Und ich ahne jetzt, warum Sie sich nie nach einem Ministerposten gedrängt haben“, schließt Schneider den Abend. Der Vorleser lächelt dazu verschmitzt.

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