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Exot, der Pionierarbeit leistete

Eckernförde Exot, der Pionierarbeit leistete

Schlanker ist er geworden, deutlich schlanker. Dafür wuchert der Schnäuzer auf der Oberlippe noch so ungestüm und wild wie eh und je. Sven Wlassack ist zurück – allerdings nur vorübergehend.

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Von Wien zurück an die Ostsee: Sven Wlassack und Ehefrau Gisela Sarnow-Wlassack verbringen derzeit einen mehrwöchigen Urlaub in Eckernförde

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Für fünf Wochen hat er zusammen mit Ehefrau Gisela Sarnow-Wlassack das Quartier im 16. Bezirk von Wien mit einer Ferienwohnung in der Eckernförder Altstadt getauscht.

Dass gerade am Wochenende das Piratenspektakel mit Kanonendonner seinen Auftakt nimmt, ist purer Zufall. Bewusst hat der langjährige Kulturbeauftragte der Stadt seinen Urlaubstermin nicht auf dieses Wochenende gelegt. Denkbar wäre es gewesen. Schließlich hat Wlassack das bunte Spektakel vor 18 Jahren ins Leben gerufen und sich in den Anfangsjahren selbst noch mit Augenklappe und Degen ins Getümmel gestürzt. Seine Idee, Einheimische wie Urlauber mit einer Großveranstaltung zu unterhalten, hat bis heute Bestand.

Das gilt aber auch für die Wilhelm-Lehmann-Tage, die „Musik auf dem Rathausmarkt“ und die Klangwelten, aber ebenso für die Lesart-Reihe, die plattdeutschen Kulturtage oder die Neue Musik. Wlassack, der 1988 seine Tätigkeit bei der Stadt aufnahm und von Beginn an Mut für Visionen hatte, fand immer wieder Mitstreiter, die Neues gemeinsam mit ihm in die Tat umsetzten. „Damals war das aber auch leichter als heute“, sagt der 67-Jährige und nennt Gründe. Einerseits stand ihm ein deutlicher größerer Etat zur Verfügung als aktuell seiner Nachfolgerin Andrea Stephan. Zum anderen gab es Ende der 80er Jahre längst nicht so viele kulturelle Angebote wie heute. Hinzu kam, dass Klaus Buß als damaliger Bürgermeister ein offenes Ohr für kreative und mitunter auch verrückte Ideen hatte. „Man konnte sich vieles vorstellen. Aber auch vieles nicht“, erinnert sich Wlassack an die Anfänge. Als hauptamtlicher Kulturbeauftragter war er damals ein Exot, der Pionierarbeit leistete. Mittlerweile gibt es diese Position in nahezu allen Städten des Landes.

Ende 2011 endete Wlassacks berufliche Ära. Wenige Wochen später kehrte er als Ruheständler nach Wien zurück. In die Stadt, in der er aufgewachsen und der er auch in der Ferne stets verbunden geblieben ist. „Früher haben wir zweimal im Jahr Urlaub in Wien gemacht, heute machen wir einmal im Jahr Urlaub in Eckernförde“, sagte seine Frau Gisela, eine gebürtige Schleswig-Holsteinerin. War der Wechsel in die Donau-Metropole für sie ein Problem? Kopfschütteln. Die Wiener seien zwar ein wenig monarchistisch und sehr katholisch, sagt sie, aber auch sehr höflich und zuvorkommend. Außerdem gebe es in ihrer neuen Heimat so unglaublich viel zu entdecken. „Wien ist multikulti“, lobt sie die unerschöpfliche Vielfalt an Musik, Theater und Kabarett. Außerdem sei sie dort sofort akzeptiert worden.

Die Kontakte nach Eckernförde sind in den vergangenen Jahren aber auch nie abgerissen. Ebenso wenig wie die hier entstandenen Freundschaften. Das hat dazu geführt, dass sich einmal im Jahr eine kleine Reisegruppe auf den Weg nach Wien macht, um sich von den Wlassacks die Besonderheiten und Schönheiten der Stadt zeigen und erklären zu lassen.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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