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Der Schweinskopfmörder

Theater in Neuwittenbek Der Schweinskopfmörder

Im Gasthof Levensau treibt Der Schweinskopfmörder sein Unwesen. Okay, einen echten Killer müssen die Gäste in dem Neuwittenbeker Wirtshaus, das passenderweise im Volksmund liebevoll „Schweinsgeige“ heißt, zwar nicht fürchten.

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Dicke Luft in der Familie Röllinger: Fleischfabrikant Hermann (Uwe Lücke) zofft sich mit Tochter Beate (Bettina Uhlich, Mitte) und Ehefrau Gerlinde (Gerhild Bruhn).

Quelle: Jan Torben Budde

Neuwittenbek. Glücklicherweise handelt es sich bloß um den Titel einer Krimi-Komödie nach Werner Gerl, die die Theatergruppe Pampelmuse im Lokal auf die Bühne bringt. Allerdings muss das Publikum mit derben Sprüchen, zotigen Witzen und alten Hits rechnen.

Rund 60 Zuschauer verfolgten die Premiere am vergangenen Sonnabend. Die Kulisse ist übersichtlich: Auf der Bühne stehen Tisch, Stuhl und Kleiderständer. Die Wand zieren Bilder von Hermann Röllinger (Uwe Lücke), der Probleme mit einem Erpresser hat. Er fordert 50000 Euro von dem Fleischfabrikanten („Nur ein totes Tier ist ein gutes Tier“), der es mit Qualität, Alter und Kühlung seiner Ware nicht so genau nimmt. Der Chef weist daher Mitarbeiter und Ex-Knacki („Er ist mir in die Faust gelaufen“) Wolfgang Kastner (Holger Wiedfeldt) an, einen Killer anzuheuern. So kommt der Schweinskopfmörder ins Spiel, der seine Opfer angeblich erst enthauptet und ihnen dann einen Schweinskopf aufsetzt. Zwar eine unschöne Vorstellung, trotzdem willigt Röllinger ein.

Wie in Lustspielen so üblich, ergeben sich haarsträubende Verwicklungen, worin auch Röllingers 42-jährige, langzeitstudierende Tochter Beate (Bettina Uhlich) und seine kaufsüchtige Ehefrau Gerlinde (Gerhild Bruhn) verwickelt sind. Das zerstrittene Ehepaar liefert sich ulkig-böse Wortwechsel, die vereinzelt für Lacher im Saal sorgen. Kostprobe: Sie: „Früher hast du mich auf Händen getragen.“ Er: „Deshalb habe ich jetzt einen Hüftschaden.“ An manchem Witz scheiden sich eben die Humor-Geister. Übergewichtige Vegetarierinnen veralbert der Fleischfabrikant als „Bio-Tonne“. Zu diesen Feindbildern gehört Tante Anna (Barbara Berard-Siegmüller), eine militante Tierschützerin, die auf der Bühne bündelweise Karotten verzehrt. Dass die Vegetarierin durch ein Versehen ins Visier des Schweinskopfmörders gerät, kann selbst Röllinger nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.

Trotz vieler derber Sprüche („Leck mich doch“, „alte Sau“) und mit Unterstützung der Souffleuse und ist Der Schweinskopfmörder solides Laientheater. Musikalisch reicht das Programm von Peter Kraus’ Sugar Baby über Da wird die Sau geschlacht, bis hin zu Ganz Paris träumt von der Liebe. Bei letztgenanntem Stück stach die Stimme von Gerhild Bruhn bemerkenswert gut heraus.

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