19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Würgeschlange und Co. zum Anfassen

Tierpark Gettorf Würgeschlange und Co. zum Anfassen

Von Angst oder Ekel keine Spur: Ganz vorsichtig lassen Lisa (6) und ihr kleiner Bruder Julius (3) die Würgeschlange durch ihre Hände gleiten. Die Geschwister gehörten am Freitagvormittag zu den ersten Besuchern der Reptilienausstellung im Tierpark Gettorf.

Voriger Artikel
Zwei Verletzte bei Motoradunfall
Nächster Artikel
Autofahrer nutzten schönes Wetter

Die Echsen lassen sich ohne Probleme auf den Arm nehmen: Philipp Kirchhoff (rechts), erster Vorstand im Terrarienkreis Kiel, mit einer Bartagame und Kai Weber, zweiter Vorstand, mit einem Blauzungenskink.

Quelle: Rainer I. Krüger

Gettorf. Schon seit Jahren gibt der Terrarienkreis Kiel mit seinen Schlangen, Vogelspinnen, Skorpionen, Schildkröten, Geckos und Waranen in den Tropenhallen regelmäßige Gastspiele. 40 bis 50 dieser Tiere (ohne so genannte Futtertiere) haben sie diesmal dabei.

Das hautnahe Erlebnis mit Königsnatter Don Ashtray, die ursprünglich in Texas oder Mexiko vorkommt, hat den beiden Kindern gefallen. „Zuhause haben wir zwei Katzen und Fische“, erzählt Lisa. Während die Lütte und ihr Bruder von einer Schlange in den eigenen vier Wänden nicht abgeneigt wären, finden Dirk Ehlke und Sandra Schindler das Aquarium für den Nachwuchs vollkommen ausreichend.

Philipp Kirchhoff gibt sich mit lediglich einem Terrarium nicht zufrieden. „Meine erste Vogelspinne habe ich mit 15 Jahren durch Zufall bekommen“, denkt der erste Vorstand des Vereins (35 Mitglieder) zurück. Die Mutter eines Freundes war von dem Tier gar nicht begeistert, also zog es zu ihm. Inzwischen leben Kirchhoff und seine Lebenspartnerin Julia Winkler, ebenfalls im Terrarienkreis, auf 104 Quadratmetern mit Vogelspinnen, Schlangen, Geckos und Waranen. „Außerdem haben wir zwei Katzen und einen Hund“, ergänzt der 36-jährige Kieler schmunzelnd.

Es ist ein kostspieliges Hobby. Allein für Strom fallen monatlich rund 200 Euro an. „Der Waran mag Temperaturen um die 30 Grad“, erklärt Kirchhoff. Ein Terrarium einzurichten, beanspruche viel Zeit. Er bastelte mit Styropor und Fliesenkleber eine Steinlandschaft, verwendete Regenwaldpflanzen und Farne als Dekoration. Beregnungsanlage und Zeitschaltruhr vervollständigen das kleine „Ökosystem“. Die Bauzeit für ein Terrarium kann ein halbes Jahr dauern. Das Hobby verschlingt Zeit und Geld. Boa-Constrictor-Halter Kai Weber, zweiter Vereinsvorstand, zahlte rund 1500 Euro für ein Terrarium inklusive Technik. Immerhin werden die Schlangen bis zu 3,80 Meter lang.

„In dieser Ausstellung handelt es sich allerdings um kleinere Schauterrarien, weil hier gar nicht der Platz zum Hinstellen vorhanden ist“, erklärt Kirchhoff. Das Gastspiel im Tierpark nutzt der Terrarienkreis gern zur Beratung und Aufklärung. „Wer solche Tiere halten möchte, muss sich vorher ein ordentliches Wissen aneignen“, betont der Reptilien-Fan. So erfahren die Besucher, dass Schlangen weder glitschig noch nass sind, sondern sich eher glatt oder schuppig anfühlen. Anfassen ist in der Ausstellung unter Aufsicht erlaubt, mitunter holen die Hobbyhalter ein Tier aus dem Terrarium. „Sie signalisieren es schon, wenn sie keine Lust haben“, sagt Kirchhoff. Es handele sich um Würgeschlangen, weil die Giftigen in Schleswig-Holstein verboten seien.

Unterdessen bestehe der Spaß für die Halter eher im Beobachten und Pflegen der Tiere, sagt Weber. Zumal es sich bei Vogelspinne, Schlange & Co. nicht gerade um Kuscheltiere handelt. „Viele Leute sagen Igitt“, ist Kirchhoff natürlich bewusst. Eine Arbeitskollegin mache einen großen Bogen um seine Wohnung.

Spinnenphobien – also Angststörungen – sind durchaus Thema im Terrarienkreis. „Wir haben vermehrt Anfragen von Psychologiestudenten der Kieler Uni“, berichtet der erste Vorstand.

Lisa und Julius haben keine Angst. Im vergangenen Jahr streichelten sie sogar die 3,80 Meter lange und 25 Kilo schwere Tigerpython-Dame „Frau Stromberg“. „Sie hatte einen friedliebenden Charakter“, sagt Kirchhoff, „leider ist sie nach einer Krankheit verstorben.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3