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Defibrillatoren nicht sofort verfügbar

Tödlicher Taucherunfall Defibrillatoren nicht sofort verfügbar

Am Strand von Surendorf starb vergangenes Wochenende ein Taucher offenbar an einem Herzinfarkt. Camper fragten sich, ob der schnellere Einsatz des Defibrillators (Defi) ihn gerettet hätte. Das Gerät kam zum Einsatz. Es war aber nicht gleich zugänglich – der Normalfall.

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Im Eckernförder Rathaus hängt der Defibrillator in der Eingangshalle und ist während der Öffnungszeiten schnell einsatzbereit.

Quelle: Cornelia Müller

Schwedeneck. Darüber zu spekulieren, warum der 58-Jährige, der mit seinem Sohn unterwegs war, starb, verbietet sich. Am Strand und auf dem Campingplatz der Gemeinde Schwedeneck ist die Betroffenheit immer noch groß. Auch Ärzte hatten den Mann nicht reanimieren können. „Der Defibrillator wurde eingesetzt“, bestätigt Touristikchef Norbert Ehrich. „Aber das Gerät müsste draußen für alle erreichbar angebracht sein“, hatte ein Campinggast aus Kiel gegenüber unserer Zeitung moniert. „Stattdessen wurde überlegt, wer den Schlüssel dazu hat...“

 Fakt ist: Schwedeneck besitzt sogar zwei elektronische Lebensretter für den Strand – keine Selbstverständlichkeit. Beide Geräte und ein Notfallrucksack sind in den Räumen der DLRG stationiert. Diese Station war nicht mehr bemannt. Schlüssel besitzen die Touristik, die zum Unglückszeitpunkt ebenfalls Feierabend hatte, sowie der Platzwart und Nachtwächter des Campingplatzes. So gibt es während der Saison 24 Stunden indirekten Zugang zum Notfall-Equipment. „Anders geht es gar nicht“, sagt Ehrich. „Ein solches Gerät kostet über 1000 Euro und kann nicht ungesichert aufgehängt werden. Es muss ja im Ernstfall funktionieren. Vorsichtshalber positionieren wir den Defi jetzt auf dem Campingplatz.“

 In Strande ist es ähnlich. Hier befindet sich der Defi im Hafengebäude und ist nur zur Bürozeit des Hafenmeisters zugänglich. „Im Winter haben wir ihn auf dem Feuerwehrauto“, erläutert Hafenmeister Tobias Klüter, der selbst Feuerwehrmann ist. „Hinge er draußen, wäre er schon gestohlen worden.“ Auch im übrigen Dänischen Wohld und Eckernförde gibt es etliche „Defis“ in Verwaltungen, Touristinfos, in der Schwimm- oder Turnhallen, Segelclubs, Kirchen, Banken. Nach Dienstschluss ist jedoch kaum ein Gerät sofort verfügbar. Einige Banken in Großstädten schaffen Abhilfe: Ihr Defi hängt in der kameraüberwachten Geldautomaten-Zone.

 Klüter: „Ich rate dennoch jedem Ersthelfer, zuerst den Notruf 112 zu wählen und dann nach dem Defi Ausschau zu halten. Die Rettungsteams haben diese Ausrüstung. Der Defi kann wirklich Leben retten. Aber eine 100prozentige Absicherung wird es nie geben.“

 Nicht immer sind Standorte mit Defibrillator, der das Herz bei Kammerflimmern wieder in Gang setzen kann, gleich erkennbar. Das grüne Zeichen mit weißem Herz ist oft nicht außen am Gebäude zu sehen. Apps fürs Smartphone geben deutschlandweit Standorte an. Vollständig ist aber keine, auch nicht für den Dänischen Wohld und Eckernförde. Das ergab die Probe aufs Exempel.

 Dennoch wertvoll: Man bekommt zusätzlich Verhaltenstipps, den Link zum Notruf und kann Standortdaten senden. Wie Defis funktionieren, erklären sie selbst auf ihrem Display. Die besten Apps für den Norden sind diese: Schleswig-Holstein schockt vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) und die Rot Kreuz Defi App vom Deutschen Roten Kreuz Bayern.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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