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Spiegel der Zeit um 1915

Nagel-U-Boot Spiegel der Zeit um 1915

Schon 1915 hatte es Verbindungen zwischen der damals Kaiserlichen Marine und türkischen U-Boot-Fahrern gegeben. Das belegt eine Plakette auf dem „Isern Düker“, einem hölzernen U-Boot-Relief, in das seinerzeit gegen eine Kriegsspende handgeschmiedete Nägel eingeschlagen wurden. Jetzt sind erstmals auch die arabischen Schriftzeichen auf der mit einem Halbmond verzierten Plakette entziffert.

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Ein Nagel für jede Kriegsspende: Auf dem Rahmen des eisernen U-Bootes haben zahlreiche Gruppierungen ihre Namen hinterlassen.

Quelle: Heimatgemeinschaft

Eckernförde. Die Heimatgemeinschaft Eckernförde, deren neu gegründete AG „Foto-Dokumentation“ jetzt die insgesamt 95 angebrachten Spender-Schildchen auf dem „Nagel-U-Boot“ abfotografierte, bat dafür das Asien-Afrika-Institut der Hamburger Universität um Hilfe. Bei der Übersetzung der arabischen Schriftzeichen auf der Stifter-Plakette der „Offiziere der Kaiserlich-Ottomanischen U-Boot Schule“ stellte sich heraus, dass sie wörtlich die deutschen Zeilen wiedergeben. Zusätzlich sind die Namen von sechs türkischen Offizieren festgehalten. Nach Ansicht der Turkologie-Wissenschaftler ist eine Plakette dieser Art einmalig in Deutschland.

 Für die Heimatgemeinschaft hat Werner Tippel sämtliche 95 Stifter-Plaketten auf dem Nagel-U-Boot im Detail abfotografiert. Sie zeichnen laut Heinrich Mehl, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, ein einzigartiges Bild der Eckernförder Gesellschaft in der Zeit zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Vermerkt sind nach Angaben der AG nicht nur alle Schulen und Geldinstitute der Stadt. Auch Handwerker vom Sattler bis zum Schneider, Traditions-, Sport- und Bildungsvereine wie die Gilden, die Freiwillige Turner-Feuerwehr und der Allgemeine Bildungsverein Borby sowie der Detaillistenverein (Besitzer von „Tante-Emma-Läden“) haben sich hier verewigt.

 Nicht fehlen durften in der Ostseestadt natürlich die Fischer, vertreten durch den Verein der Waadenbesitzer, den Ersten Fischerei-Verein von 1830 und den Verein der Fischindustriellen. Eine noch größere Rolle spielten bei den Kriegsspenden die militärischen Vereinigungen, darunter die Mittelschwansener Kampfgenossen, der Flottenbund Deutscher Frauen und die Flotten- und Kriegsvereine. Das Foto-Team stieß aber auch auf skurrile Vereinsnamen wie „Schafskopf-Klub Germania“, „Club Central“ oder „Schummer Klub“. Noch ein Rätsel ist zudem die Beschriftung „L.a.Str. 1915“. Vielleicht verbirgt sich dahinter die Loge „Leuchte am Strande“. Mitarbeiter der damaligen Torpedo-Versuchs-Anstalt (TVA) haben auf dem „Isern Düker“ ferner ein Torpedo-Modell hinterlassen.

 Das „Nagel-U-Boot“ hing 1915 über den Rundbogen-Toren des Eckernförder Rathauses auf dem Weg zwischen Kirchplatz und Rathausmarkt. Wer für die Finanzierung des Ersten Weltkriegs spendete, insbesondere für die Pflege von Verwundeten, durfte einen Nagel in das Eichenholz schlagen. Hunderte Nägel bedeckten das Boot, in dessen Fahne Prinz Heinrich seinerzeit persönlich eine Münze einschlug. Heute hängt der „Isern Düker“ (Eiserne Taucher) im Stabsgebäude des Marinestützpunktes.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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