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Mit der Sonne in den Tag starten

Strandyoga in Eckernförde Mit der Sonne in den Tag starten

Um vier Uhr raus aus den Federn – zum Yoga am Strand von Eckernförde. Verrückt? „Nein, ein super Tagesstart mit der Sonne“, sagt Evelyn Horsch-Ihle. Die Yogalehrerin und Psychotherapeutin trifft sich mit anderen Frauen 40 Tage lang vor Sonnenaufgang am Kurstrand zum Üben.

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Strandyoga mogens um 4.45 Uhr: Vor Sonnenaufgang treffen sich die Frauen unter Leitung von Evelyn Horsch-Ihle zum Schwimmen und Kundalini-Übungen bei aufgehender Sonne. 40 Tage dauert die Aktion. Auch bei Wind und Regen wird nicht gekniffen. Dann finden die Übungen in der Konzertmuschel statt.

Quelle: Cornelia D. Müller

Eckernförde.  Ich bin Morgenmuffel. Aber Yoga ist mir lieb. Das ist, sich selbst wiederzufinden, wenn der Terminkalender die Regentschaft zu übernehmen droht. Die Einladung zum Strandyoga, das um 4.45 Uhr beginnt, macht mich neugierig. Und die Veranstalterin ermuntert: „Auch Journalistinnen sind herzlich willkommen.“

 Der Selbstversuch beginnt merkwürdigerweise ohne Weckerklingeln. Wohl aus Angst zu verschlafen bin ich um vier Uhr wach, obwohl nur vier Stunden Schlaf hinter mir liegen. Also Wecker aus, Tee kochen, duschen. Oder soll ich mir das schenken? „Einige Teilnehmerinnen schwimmen vorher. Dann muss man aber früher da sein“, klingt es mir noch im Ohr. Nein, das muss ich nicht auch noch haben.

 Als ich um 4.40 Uhr die Isomatte auf den feuchten Sand rolle und mich im winterlichen Joggingoutfit niederlasse, trocknen sich die anderen vier gerade ab. Ja, sie waren in der Ostsee! Dass wir uns duzen, ist schnell geklärt. Evelyn führt kurz in ihre Yoga-Praxis ein. Weil dies kein Kursus und offen für alle ist, sind öfter Neue dabei. 20 Tage Strandyoga im Juni und all die Yoga-Tage im August liegen schon hinter den anderen. „Wir machen dynamische Kundalini-Übungen. Dabei wird euch warm. Und bitte nur so weit gehen, wie es gut tut“, erläutert sie. „Kundalini heißt im Yoga die Lebensenergie, die in der Wirbelsäule aufsteigt und Körper wie Geist durchflutet. Die regen wir heute an.“

 Gegrätscht stehen, den Blick in den Himmel, der über dem Wasser jetzt türkis und rot zu leuchten beginnt, die Arme ausgebreitet. Eine der ersten Übungen verlangt, den Oberkörper im schnellen Rhythmus kontrolliert nach links und rechts mit gestreckten Armen zu senken. Der bewusste Atemrhythmus scheint entgegengesetzt. Im Liegen schütteln wir die Beine in der Luft parallel nach vorn. Von oben bis unten durchgerüttelt sitzen wir mit gekreuzten Beinen und spüren die Vibration durch das Gewebe wandern. Die Sequenz Feueratem macht ihrem Namen Ehre. Danach ist es leicht, den Wahnsinnsanblick, wie sich der Sonnenball gelb-orange heraufschiebt und den Himmel in gleißendes Gelb-Blau taucht, „mit allen Zellen aufzunehmen“. Die Abschlussentspannung im Liegen ist ein Übergang vom Kribbeln bei abgeschaltetem Denkapparat zum wohligen Zufriedenheitsgefühl. „So kann der Tag beginnen“, ist mein erster sich regender Gedanke.

 Es ist nach 6 Uhr und hell. Jogger laufen grüßend vorbei, jemand geht baden. Wir sitzen zu viert noch zusammen und blinzeln in die Sonne. Was für mich heute ein bisher einmaliges Erlebnis ist, ist für Ingeborg aus Eckernförde „ein Lebensbedürfnis“. „Ich komme seit Jahren mit vier Stunden Schlaf aus“, berichtet sie. „Ich bin tief entspannt, wenn ich schlafe. Die übrigen Stunden, wenn andere nur noch leicht schlafen, nutze ich für bewusste Entspannung, Yoga und Meditation. So habe ich auch eine schwere Krankheit überwunden.“ Marion aus Fahrdorf ist 2015 erstmals dabei. Keinen Tag hat sie ausgelassen. Die aktive Sportlerin hat „ein neues Lebensgefühl entdeckt“. „Ich durchbreche damit auch meinen Leistungswahn beim Laufen“, sagt sie strahlend. Die Joggingschuhe zieht sie jetzt nur an, um beschwingt zum Auto zurückzukehren.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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