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Umsonstladen in Schinkel Weitergeben statt Wegwerfen

Christina Austen strahlt. Die 50-jährige Schinkelerin hat ihr Kleid gefunden: rot mit schwarzen Punkten. Marienkäfer? „Nein, ein Flamenco-Kleid“, sagt sie, zuhause habe sie eine Kiste mit Verkleidungen, da komme es jetzt hinzu. Kosten? Keine. Wo gibt es denn das? In Schinkel, und das seit zehn Jahren.

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Christina Austen hat das Passende gefunden: Ein Flamencokleid.

Quelle: Kai Pörksen

Schinkel. 2006 also wurde der Laden aufgrund einer Initiative von Gebhard von Reibnitz gegründet. Die Idee entstand, weil das umgebaute Silo im Gemeindeeigentum sich nicht vermieten ließ und die Gemeindevertretung gerne etwas für Bedürftige schaffen wollte. Bis 2010 halfen 26 Langzeit-Arbeitslose im Wechsel als Ein-Euro-Jobber mit, ein gutes und vielfältiges Sortiment aufzustellen und es an die Menschen zu bringen. Einige wenige Regeln gab es für die Nutzer zu beachten: Nur drei Stücke auf einmal durften mitgenommen werden, und das durfte auch nicht jeden Tag geschehen. Darüber wachten die Mitarbeiter, selten gab es Grund zur Ermahnung.

Doch es waren nicht nur Bedürftige, die sich in dem Angebot von Kleidung, Geschirr, Technik und Büchern umschauten, schnell kamen alle Bevölkerungsschichten, die Lust auf etwas anderes hatten und zuhause aufräumten, für sie Unnützes mitbrachten und etwas anderes wieder mit nach Hause nahmen. So wie Lehrerin Maike Jessen, die an diesem Wochenende mit einem Korb voller Sachen die Treppen in das Dachgeschoss heraufsteigt. Ein Bierkrug, Haushaltsgeräte, eine Zitronenpresse. Schöner Nebenaspekt: „Zuhause Klarheit schaffen und Dinge abgeben, die andere Menschen gut gebrauchen können.“ Gern schaut sie hier nach Kinderbüchern für ihre Schulkinder, und da ist noch manch gutes Exemplar dabei, so wie Wie funktioniert das oder Grimms Märchen.

Seit 2010 fallen die Ein-Euro-Jobber weg, der Laden wird allein durch Ehrenamtler unter der Regie von Uwe von Alften, Vorsitzender des Trägervereins Ökologische Aktion Schinkel, geführt. 650 Stunden kommen im Jahr so zusammen bei 15 Wochenstunden Öffnungszeit und 15 Mitwirkenden. Die 700 Euro Fixkosten finanzieren sich durch die Spenden, die die Nutzer in einen Briefkasten im Laden werfen. Immerhin 800 Kunden im Monat zählt von Alften, besonders begehrt ist Kleidung, Kuscheltiere und Spielzeug, zunehmend kommen auch Flüchtlinge, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen.

Nicht so schön: „Oft werden außerhalb unserer Öffnungszeiten einfach Säcke mit Kleidung vor die Tür gestellt. Es wäre schön, wenn uns die Sachen gebracht werden, wenn wir auch vor Ort sind“, so Alften.

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