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Ein Stück Freiheit fährt immer mit

Eckernförde Ein Stück Freiheit fährt immer mit

Einst war er das Kultmobil der Hippies. Und heute noch umweht ihn ein Hauch von Freiheit. Seit den 50er Jahren rollt der VW Bulli als Erfolgsgeschichte auf den Straßen. Einfach anhalten, wo es schön ist – ohne Aufwand, ohne Firlefanz. „Wohnmobilisten haben halb so viel Spaß wie wir“, sagt Heinz-Günther Schmidt. Er gehört zum Freundeskreis der „Schraubergruftis“, die über Pfingsten zum inzwischen 13. Bulli-Treffen auf dem Campingplatz Hemmelmark eingeladen hatten.

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Kleinbus mit Sympathiefaktor: Christian Reher aus Dassendorf schwört auf seinen T1, Baujahr 1962. „Damit waren wir schon in Norwegen, in der Schweiz und in Italien“, erzählt der Fahrer.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Klappstühlchen stehen vor den Kleinbussen, ein Grill kündet vom gemeinsamen Abendessen am Vorabend, wie selbstverständlich wird ein Kaffee angeboten. „Das ist hier ein familiäres Treffen“, sagt Schmidt. Und so soll es auch bleiben. Groß Werbung wurde in der Bulli-Gemeinde nicht gemacht. Und dennoch haben sich rund 150 Fahrzeuge aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland hier zusammengefunden. Vor 13 Jahren, da standen gerade einmal drei Bullis am Eckernförder Südstrand. Man wollte sich ein nettes Pfingstwochenende machen. Im nächsten Jahr waren es schon 40. Der Südstrand-Parkplatz wurde schnell zu klein, die Fahrer wichen nach Hemmelmark aus.

 Den Bulli gibt es inzwischen in sechs Versionen. Vom T1 aus den Aufschwungjahren nach dem Krieg bis zum aktuellen T6. T steht für Transporter. Der Bulli ist Lastesel für Handwerker aber auch willkommenes Freizeitmobil mit Übernachtungspotenzial. Schmidt und seine Freunde von den „Schraubergruftis“, Michael Schaper, Stephan Peik und Chris Nittel, schwören auf den T3. „Der T3, das ist für mich Freiheit und Mobilität. Reinsetzen, losfahren – und alles ist drin“, sagt Schaper. Nittel, mit 23 Jahren der jüngste im Bunde, ist ebenfalls infiziert. „Freitag hab’ ich erst Tüv bekommen, ich bin froh, dass ich es heute hierher geschafft habe“, erzählt er. Und blickt stolz auf seinen blauen Last-Edition-T3, von dem nur 2500 Stück ausgeliefert wurden.

 Wie man da günstig rankommt? „Das Auto findet dich“, sagt Schmidt. Viermal ist es ihm schon selbst passiert. Zwei Bullis nennt er sein eigen, einer gehört der Tochter, ein weiterer wartet auf die Restaurierung. Echte Bulli-Fans hält nichts auf. Rollstuhlfahrer Martin Stenzel beispielsweise hat seinen T5 behindertengerecht umbauen lassen mit Hebebühne und Handbetrieb. „Eingefahren hab’ ich ihn mit einer Tour zum Nordkap“, sagt der Lehrer und grinst spitzbübisch. „9000 Kilometer.“

 Beim Fahren älterer VW-Transporter kann es allerdings nicht schaden, über gewisse handwerkliche Qualitäten zu verfügen. „Das Meiste kann man mit Bordmitteln machen“, sagt Ingo Pietrek aus Salzgitter. Mit seinem T2 fährt er jeden Herbst in die Alpen, gern auf unbefestigten Strecken. „Das macht der locker mit“, sagt Pietrek. Und wenn nicht? „Der Bulli verzeiht die größten Bastelfehler der Besitzer“, fügt er lachend hinzu.

 Und dann kommt er doch noch: der T1, die erste Ausgabe des Bulli. Christian Reher lenkt ihn mit ruhiger Hand auf den Campingplatz. Vergleichsweise klein wirkt er gegen die anderen Transporter, aber auch uriger und knuffiger. „Da ist schon ein Sympathiefaktor dabei“, sagt Reher. „Die Leute reagieren sehr positiv, wenn sie das Auto sehen.“ Innen drin befindet sich noch die originale Westfalia-Einrichtung. Altrosa Gardienchen schmücken die Fenster. Seit den 90ern befindet sich der Bulli in Familienbesitz. „Wir waren damit schon in Norwegen, in der Schweiz und in Italien“, erzählt der Fahrer. „Wir übernachten gern im Auto.“ Er ist eben unverwüstlich, der Bulli.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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