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Verliebt ins Büchermachen

Kursus in Eckernförde Verliebt ins Büchermachen

Ein eigenes Buch in vier Stunden, das ist das Ziel dieser Übung. Gemeint ist allerdings nicht das Schreiben eines Textes, sondern ganz banal die handwerkliche Umsetzung, ein Buch als solches herzustellen.

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Fertig: Beate Ohrt aus Eckernförde hat es geschafft. Es soll ein Rezeptbuch für ihren Sohn werden.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Leichter gesagt als getan, merken die neun Damen im Lesesaal der Stadtbücherei. Doch sie haben eine gute Lehrerin. Patricia Hansen-Wagner, 33 Jahre alt, ist freie Künstlerin und ins Büchermachen verliebt. „Ich mag das Intime und Persönliche an Büchern“, schwärmt sie. Guter Nebeneffekt: Ihre Buchkunstwerke sind handlich und klein und lassen sich so leicht transportieren bei Umzügen oder für Ausstellungen. „Ich bin keine ausgebildete Buchbinderin“, stellt sie klar, aber sie könne zeigen, wie jeder so ein kleines Kunstwerk zu erstellen lerne. Sie hat bei Jürgen Partenheimer Künstlerbücher entworfen und gelangte so über ein Stipendium in die USA an die Road Island School of Design in Providence.

 Doch an diesem Sonnabend werden dünne Bretter gebohrt, schließlich soll alles in übersichtlicher Zeit fertig sein und mit nach Hause genommen werden. Vor der Kür kommt die Pflicht. Mucksmäuschenstill ist es in den ersten 90 Minuten, denn dieser widmen sich die neun „Schülerinnen“ im Alter von 13 bis 71 Jahren. Gudrun Wölky ist das Vernähen der Seiten sehr gut gelungen. Mit einer krummen und stabilen Nähnadel hat sie die Seiten miteinander verbunden, jetzt gilt es, die drei offenen Kanten mit dem Cuttermesser zu begradigen.

 Wölky ist das zweite Mal dabei, schon im vergangenen Jahr hatte sie sich für diesen Kursus angemeldet. Und man sieht, dass sie an die Sache etwas professioneller herangeht als die anderen Teilnehmerinnen. „Die Naht soll man sehen“, stellt sie klar, bei ihr bleibt der Buchrücken deshalb offen.

 Die Kür: Auf einem Seitentisch werden die Papiere ausgesucht, mit denen die Einbände der Bücher geschmückt werden sollen. Im DIN A5-Format werden Pappen ausgeschnitten, mit Leim bestrichen, auf die schließlich das Schmuckpapier aufgelegt wird. „Da muss man schon sehr genau arbeiten“, sagt die Kursleiterin, die ihre Teilnehmerinnen mehrfach ermahnt, den Leimtopf wieder zu verschließen und die Papierschnipsel wegzuräumen. Sie eilt von Frau zu Frau, denn immer wieder tauchen Fragen auf. „Eineinhalb Zentimeter rundum Platz lassen“, ruft sie.

 Die Zeit rennt, nur noch eine Stunde, und es ist noch viel zu tun. Hektik kommt auf. Papiere kleben dort, wo sie nicht kleben sollen. Schwierig ist der Buchrücken. Doch Beate Ohrt (67) aus Eckernförde hat es perfekt hinbekommen. Braun mit Punkten ist ihr Einband. „Das wird ein Rezeptbuch für einen meiner Söhne“, berichtet sie. „Das wird mein Buch für kleine Geheimnisse“, sagt hingegen Gudrun Wölky mit einem Lächeln. Auch Veronika Ottawa (71) ist zufrieden mit ihrem Werk. „Nun habe ich großen Respekt vor einem gut eingebundenen Buch“, sagt sie. Ein altes Märchenbuch hatte sie einmal zu Hause, mit Golddruck und dickem Leder, doch das ist längst weitergegeben. Und auch Maren Nebert (65) hat es geschafft. „Ich weiß noch nicht genau, wofür“, sagt sie auf die Frage nach dem Verwendungszweck. Einfach so wollte sie es einmal probieren.

 Am Ende wird der Zeitrahmen doch etwas gesprengt. In vier Stunden ist es halt kaum zu schaffen. Mit dem Ergebnis sind die Teilnehmer zufrieden und tragen jeweils ihr Kunstbuch mit nach Hause.

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