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Viel Leidenschaft für einen Haufen Wolle

Spinnerei in Felm Viel Leidenschaft für einen Haufen Wolle

Man muss es so klar sagen: In Felm spinnen sie. Und zwar regelmäßig in einer Gruppe, am ersten Mittwoch im Monat, im Dörpshus. Denn das Spinnen bietet vielfältige Möglichkeiten, sich kreativ auszuleben.

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Sabine Bauer zeigt Garn mit speziell gewickelten Coils (auf den Fingerspitzen) sowie Wolle, in die sie zerschnittenen Stoff eingearbeitet hat.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Felm. Und es entspannt. Ein Besuch bei den Spinnerinnen, nicht nur aus Felm.

 Nach und nach trudeln sie gegen 18.30 Uhr ein, aus Kiel, Rieseby oder Gettorf. Bringen ihr Spinnrad mit ins Dörpshus. Und etwas Leckeres fürs Büfett. Denn die Spinnrunde macht es sich immer so richtig nett. Der Austausch steht bei den Treffen im Mittelpunkt – über Techniken, Vorbereitungsarbeiten, das Färben, aber auch Privates. Und fast beiläufig im Stimmengewirr bewegen sich viele Hände hin und her, wippen die Füße, drehen sich Spinnräder.

 „Das sieht ja schön aus“, sagt jemand und beugt sich über den Tischläufer, den Ronja Hamann gewebt und mit Ostereierfarbe pastellig-grün gefärbt hat. „Mein Erstlingswerk“, sagt die 42-jährige Felmerin, die sonst ausschließlich spinnt: „Weil es lustig und entspannend ist.“ Das fertige Garn gibt sie anderen, wie ihrer Mutter Monika Hamann. Die häkelt gerne – dank des Handarbeitsbooms gibt es mittlerweile sehr interessante Muster. Manche in der Gruppe umhäkeln auch Gläser und ähnliches.

 Neben der Leidenschaft fürs Spinnen eint viele die Faszination für das Material. „Man weiß, welche Wolle man hat“, sagt zum Beispiel Barbara Schumacher aus Gettorf. „Man bekommt ein Gefühl für die verschiedenen Schafrassen“, erklärt auch Gertrud Marquardt. Kurz oder lang, glatt oder kraus: Das Ausgangsmaterial kann sehr unterschiedlich sein.

 Christel Kirst aus Kiel spinnt jeden Tag. Das Handwerk hat für sie auch eine haptische, sinnliche Dimension, erklärt sie. Die Kielerin schätzt den Geruch von frischem Schafvlies, das Wollwachs (Lanolin) mit heilender Wirkung enthält. Selbstgesponnenes sei „nicht so perfekt wie das von Maschinen“, sagt Christel Kirst: „Es behält eine Lebendigkeit.“ Die Kielerin experimentiert mit Pflanzenfarben, zum Beispiel von Schilf oder Dahlie. „Jede Wolle hat ihre eigene Sprache“, findet auch Tochter Miriam Kirst. Ihr Sohn Anton (12) hat sich das Spinnen sogar selbst beigebracht.

 Seit 2011 wird in Felm gesponnen, zur Gruppe gehören 30 mehr oder weniger regelmäßige Teilnehmer. Petra Hofstetter und Sabine Bauer aus Felm gaben den Anstoß für die Treffen, die mit fünf Frauen starteten. Hofstetter bringt sich aus dem Urlaub schon mal einen Sack Wolle von Schafen mit. Doch sie mag nicht nur den Umgang mit dem Material: „Man erholt sich auch vom Stress des Alltags“, sagt sie. Das loben auch andere, wie Schäferin Anke Mückenheim aus Rieseby: „Ich bin kein Mensch, der abends die Hände in den Schoß legt.“

 Sabine Bauer fasziniert beim Spinnen die Gestaltung von der Faser bis zum Endprodukt. „Man kann die Wolle genau so spinnen, wie man sie haben möchte.“ Dabei entsteht weit mehr als handelsübliches Garn. So können die vielen borstigen Grannenhaare einer Heidschnucke bei einem Sitzpuff zum Beispiel als Strukturelement wirken, erklärt Bauer: „Für Kleidung würde man sie aber herauskämmen.“

 Zurzeit liegen Verlaufsgarne im Trend, erklärt die Felmerin. Dabei werden Farben am Spinnrad miteinander verzwirnt, um harmonische Übergänge zu erzeugen. Manche Schafrassen haben Locken: Diese Wolle erzeugt interessante Effekte, wenn man die Locken um einen Faden herumspinnt oder heraushängen lässt. Alles, was vom Standard abweicht, sei Artyarn, erläutert Sabine Bauer. Der Begriff geht auf die englischen Wörter für Kunst und Garn zurück. Sie zeigt ein Garn, in das sie ein zerschnittenes Hemd eingeflochten hat. „Man kann auch mit Muscheln oder Federn arbeiten.“ Beim Coils-Spinnen erzeugen unterschiedlich dicke Wicklungen tolle Strukturen. In Felm spinnt einfach jede, wie sie will.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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