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Vollgas bis zum Schluss

Schließung Opel-Ohms Vollgas bis zum Schluss

Das graue Novemberwetter spiegelt die Stimmung im Gettorfer Autohaus Ohms wider. „Es ist tragisch für die Mitarbeiter und unsere Kunden“, drückt Geschäftsleiter Wolfgang Radke seine Betroffenheit über das Ende des Traditionsunternehmens aus.

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„Schade, dass es soweit gekomen ist “, bedauert Ohms-Geschäftsleiter Wolfgang Radke das Aus des Traditionsunternehmens.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Der Opel-Händler im Gewerbegebiet Eichkoppel stellt den Geschäftsbetrieb zum 11. Dezember ein. Gleichwohl ist das Terminbuch voll: „Die Werkstatt ist bis zum letzten Arbeitstag ausgebucht“, berichtet der 57-Jährige, „wir nehmen keine Termine mehr an.“ Der Autohandel gehe bis zum Schluss weiter.

Eine kurze Rückblende: Das Autohaus Ohms wurde nach einem mehrere Jahre laufenden Insolvenzverfahren an einen Investor verkauft. Der Käufer erhielt im September in einer Gläubigerversammlung den Zuschlag (wir berichteten). Das Rennen machte das Gettorfer Jaguar House Kuntz. Der langjährige Ohms-Partnerbetrieb Lensch & Bleck in Neumünster, selbst Opel-Händler, hatte das Nachsehen. „Dabei wollten sie unser Autohaus kaufen und komplett mit dem vorhandenen Personal übernehmen“, sagt Radke.

Was wird nun aus der Belegschaft? Von ursprünglich 47 Voll- und Teilzeitkräften gehen dem Geschäftsleiter zufolge einige Mitarbeiter in den Ruhestand, sieben haben den Betrieb bereits wegen einer neuen Stelle verlassen. Er selbst arbeite künftig bei der Firma Lensch & Bleck. Aber etwa die Hälfte der Belegschaft habe noch keine neue Beschäftigung. „Doch die Stimmung unter den Mitarbeitern ist bemerkenswert loyal“, lobt der Osdorfer, „alle bringen das anständig zu Ende, keiner lässt sich krankschreiben.“ Ein Großteil der Belegschaft arbeite schon länger als 30 Jahre bei Ohms.

Verkaufsberater Hermann Grotkopp bringt es immerhin auf gut 27 Jahre im Betrieb. „Es tut schon weh“, sagt der Tüttendorfer mit Blick auf den Abschied von liebgewonnen Kollegen und Kunden. „Ab und zu bekommt man ein kleines Trostpflaster geschenkt“, erzählt der 51-Jährige, der einen neuen Job in Aussicht hat. Auf seinem Schreibtisch liegen kleine Aufmerksamkeiten wie Schokolade, die ihm Kunden schenkten. Sein Chef zeigt den Brief eines treuen Autokäufers, der dem Ohms-Team Dank und gute Wünsche für die Zukunft ausspricht.

„Schade, dass es so weit gekommen ist“, bedauert Radke diese Übernahme. Im Insolvenzverfahren hat das Autohaus Ohms nach seiner Ansicht seine „Daseinsberechtigung“ durchaus bewiesen. „Es war ein funktionierender Betrieb, der wahrscheinlich wieder aufgeblüht wäre“, sagt er. Bei einem Zuschlag für Lensch & Bleck wäre der Gettorfer Opel-Standort nach seiner Überzeugung erhalten geblieben. Nun bekomme der Partnerbetrieb seine Neuwagen zurück.

„Bis zum Jahresende gibt es noch viel zu erledigen“, sagt Radke. Werkstatt reinigen und Akten in Container einlagern sind nur zwei Beispiele. Denn Ende Dezember übernehme der Investor die Immobilie sowie die Geschäftsausstattung von Tischen und Stühlen bis hin zur Hebebühne. Bis die Lichter bei Ohms ausgehen, läuft der Betrieb weiter. „Es kommen nach wie vor Unfallwagen zu uns“, erzählt Grotkopp. Autos werden verkauft. Als „unwirklich“ beschreibt Radke die Vorstellung, dass die Firma bald schließt. Er ist 31 Jahre dabei. „Ich danke Kunden und Mitarbeitern, dass sie uns die Stange gehalten haben.“

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