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Erinnerungen an die "U Hai"

U-Boot-Tragödie vor 50 Jahren Erinnerungen an die "U Hai"

Es war eine der größten Tragödien in der Nachkriegszeit der noch jungen Bundesmarine. Heute vor 50 Jahren sank vor Helgoland das Unterseeboot „U Hai“. 19 Mann seiner Besatzung kamen dabei zu Tode, nur einer überlebte.

Eckernförde. Das 1. U-Boot-Geschwader erinnert am Mittwoch in Eckernförde mit einer Kranzniederlegung an das Unglück vom 14. September 1966. Es herrscht stürmisches Wetter, als ein Verband aus dem Tender „Lech“, dem Sicherungsboot „Passat“ und den drei U-Booten „U3“, „U Hecht“ und „U Hai“ die Nordsee Richtung Schottland überquert. „U Hai“ – an der Spitze laufend – ist außer Sicht geraten, denn „U Hecht“ hat in der schweren See eine Leine in die Schraube bekommen und muss geschleppt werden. Damit beginnt eine Verkettung unglücklicher Umstände.

 „U Hai“ hat den Kontakt zum Verband verloren, als in der aufgewühlten Nordsee Wasser durch einen fehlerhaften Schnorchel in den Maschinenraum eindringt. Das Desaster wird aufgrund des starken Seegangs zu spät bemerkt, das Unterseeboot wird hecklastig, läuft voll und beginnt schnell zu sinken. Der Kommandant gibt den Befehl „Alle von Bord!“, doch nur 13 Mann schaffen den Ausstieg. Einer von ihnen ist der Smut Peter Silbernagel.

 Da dem Abreißen der Funkverbindung bei dem schweren Wetter keine besondere Bedeutung beigemessen wird, läuft die Suche nach „U Hai“ mit erheblicher Verzögerung an. Die Überlebenden, die in der Nordsee treiben, kühlen langsam aus. Nur Silbernagel schafft es wie durch ein Wunder. Nach 13 Stunden im Wasser wird er von dem britischen Fischtrawler „St. Martin“ lebend geborgen. Die folgende, groß angelegte Rettungsaktion kommt für seine Kameraden zu spät. Das Unterseeboot wird wenige Tage nach dem Unglück von einem Schwimmkran aus 50 Metern Tiefe geborgen.

 Bei einem Besatzungstreffen 2006 in Gammelby erinnert sich Silbernagel im Gespräch mit unserer Zeitung an die dramatischen Stunden nach dem Untergang: Mit vier Kameraden schließt er sich im Wasser zusammen. Doch niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, dass kein Notruf mehr abgesetzt werden konnte. U-Hai wird nicht vermisst. Als die Nacht hereinbricht, ist er wenige Stunden später allein. Erst im Morgengrauen kommt mit den englischen Fischern die Rettung. „Als ich erzählte, ich käme von einem U-Boot, hat mir keiner geglaubt“, berichtet der ehemalige Smut, der damals 23 Jahre alt war.

 Dass sich ein solches Unglück mit den heutigen U-Booten der Deutschen Marine wiederholen könnte, hält Fregattenkapitän Arndt Henatsch, Fachbereichsleiter am Eckernförder Ausbildungszentrum U-Boote (AZU), für relativ unwahrscheinlich. Die Marine habe ihre Lehren aus dem Untergang von „U Hai“ gezogen, sagt er. Damals wurde beispielsweise das Schulungspersonal verstärkt, um die praktische Seeausbildung mit dem Durchspielen von Szenarien wie Feuer, Wassereinbruch oder Ruderklemmer wieder aufzunehmen.

 Verfügte die Besatzung von „U Hai“ nur über spartanische Tauchretter, gehört heute eine umfangreiche technische Sicherheitsausrüstung zum U-Boot. Schnell ausstoßbare Rettungsinseln, Überlebensanzüge mit bis zu 24 Stunden Kälteschutz, automatische Seenotfunkbojen und Notfunkgeräte sind ebenso Standard wie periodische Wartungen und Prüfungen. „Wenn man sich an die Regeln hält, ist das U-Boot aus meiner Sicht inzwischen das sicherste Verkehrsmittel der Welt“, so Henatsch.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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