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Es wird wieder nass im Moor

Felm Es wird wieder nass im Moor

Unkenrufe, Froschquaken, Vogelstimmen: Im Stodthagener Wald bei Felm ist das Frühlingskonzert vielstimmiger denn je. Die 320.000 Euro teuren Biotopmaßnahmen der Stiftung Naturschutz des Landes zeigen sechs Monate nach deren Abschluss erste Wirkung.

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Birken umsäumen den See im Kaltenhofer Moor. Auch im Wald von Stodthagen rechnen die Biologen damit, dass sich der Moorbirkenwald ausdehnt. Das gesamte Gebiet lässt sich auf trockenen Wegen gut durchwandern.

Quelle: Cornelia Müller

Felm. Das Kaltenhofer Moor und die Feuchtgebiete wachsen, die Amphibienpopulation nimmt weiter zu. Bestaunen lässt sich das von den höher gelegten Wanderwegen. Am Freitag, 29. Mai, kann man bei einer geführten Nachtwanderung außerdem den Laubfröschen auf Brautschau lauschen.

Das ursprüngliche Wald- und Moorgebiet mitten im Dänischen Wohld, in dem Amphibien, Schlangen, Vögel, Fledermäuse und Insekten einst wie im Paradies lebten, wurde jahrhundertelang systematisch entwässert, damit der Mensch durch Ackerbau und Viehzucht sein Auskommen hat. Dabei blieb es bis vor wenigen Jahren – zum Verdruss der Naturschützer. Hätte man alle Entwässerungsgräben und Drainagen, die das einstige Waldmoor von Stodthagen trocken gelegt hatten, jedoch dicht gemacht, hätte sich der Rückstau von Regenwasser auf tiefer gelegene Felder und Weiden ergossen. Die Bewirtschaftung wäre dann langfristig unmöglich geworden.

Die Stiftung Naturschutz unter Federführung des Umweltministeriums, die 130 Hektar Moor- und Waldflächen sowie angrenzende Weiden erworben hatte, entwickelte deshalb ein ausgeklügeltes Gewässermanagement, das jetzt allen hilft. Eine unterirdische Regenwasserleitung führt inzwischen den Niederschlag von den Wirtschaftsflächen ab, während sich auf dem Stiftungsland das natürliche Gleichgewicht einer einzigartigen Feuchtbiotop- und Moorlandschaft entwickelt. Im November 2014 waren diese Arbeiten abgeschlossen. „Es ist wunderbar zu erleben, wie sich binnen Monaten wieder kleine Tümpel im Wald entwickeln. Auch der ehemalige Ringraben um den Wald mausert sich zu einem wertvollen stehenden Gewässer“, zieht der Biologe Christian Dolnik von der Stiftung eine erste Bilanz. Er war Flächenmanager für das Naturschutzprojekt.

Langfristig wird sich in den feuchten Senken von Stodthagen wieder Moorbirkenwald sowie Erlen- und Eschenwald entwickeln. Viele der heutigen Bäume werden absterben und die Grundlage für neuen Lebensraum sein. Insekten und seltene Pilze können sich ansiedeln. Auf Lichtungen mit Moorheide erwarten die Biologen eine Vielfalt von Tag- und Nachtfaltern, die auf offene Moorflächen angewiesen sind. Zusammen mit dem sich anschließenden Kaltenhofer Moor, ursprünglich einmal ein atlantisches Hochmoor, und seinem kleinen See wachsen so auf kleinem Raum zwei unterschiedliche Moorlandschaften zu einem vielfältigen Naturraum zusammen.

Schon ist spürbar, dass sich das Gebiet zwischen Felm und Kaltenhof als Heimat von Gras-, Moor- und Laubfröschen sowie verschiedener Unkenarten stabilisiert. Um sie bei der Partnersuche in Aktion zu erleben, muss man sich in der Dämmerung oder Dunkelheit auf den Weg machen. Dabei hilft die Stiftung Naturschutz am Freitag. Treffpunkt für die Führung ist um 21.30 Uhr am Eingang zum Stodthagener Wald (vom Felmer Ortsteil Krück aus den Stodthagener Weg bis zum Parkplatz fahren). „Allerdings sollten Sie Gummistiefel oder sehr festes Schuhwerk anziehen und unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen“, rät Dolnik, der mit einem Kollegen dabei sein wird. „Eine Regenjacke für alle Fälle ist auch hilfreich.“ Ob die Wanderer tatsächlich auch die giftgrünen Laubfrösche auf Brautschau an den Tümpeln am Waldrand zu sehen bekommen, hängt vom Wetter ab. Die besonders lauten, aber winzigen Froschkönige mögen nämlich eher laue Nächte. Die Führung ist kostenlos, Spenden sind willkommen.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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