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Windkraft ja, aber bitte auf Abstand

Neuwittenbek Windkraft ja, aber bitte auf Abstand

Die Gemeindevertretung Neuwittenbek hat sich am Donnerstag einstimmig und eindeutig in Sachen Windkraft-Ausbau positioniert: Der Mindestabstand, auch zu Streusiedlungen und Einzelhäusern, soll 800 Meter betragen, die städtebauliche Entwicklung darf nicht ausgebremst werden.

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Gut besuchte Gemeindevertretersitzung: Rund 50 Zuhörer verfolgten die Aussprache zum Thema Windkraft-Ausbau.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Neuwittenbek. Es geht um ein Areal nahe der Warleberger Mühle. Dieses Gelände ist im Regionalplanentwurf als potenzielle Windkrafteignungsfläche eingetragen. Die Landeigentümer sollen bereits Besuch von Planern bekommen haben. In der Bevölkerung macht sich Besorgnis breit. Ragen im Nordwesten der Gemeinde bald mehrere 180 Meter hohe Windanlagen in den Himmel? Kerstin und Jürgen Stöben, auf deren Initiative hin am Dienstag eine windkraftkritische Bürgerinitiative gegründet wurde, befürchten massive Nachteile. Als Beispiele nannten sie Turbinenlärm und Gesundheitsgefahren durch Infraschall. In der Folge, so Jürgen Stöben, würden Häuser massiv an Wert verlieren. „Das geht so weit, dass sich Häuser gar nicht mehr verkaufen lassen“, sagte der Immobilienmakler.

 Noch ist seitens des Landes nichts entschieden. „Wir befinden uns noch nicht in einem formalen Verfahren, sondern erst in der Vorstufe“, stellte Amtsdirektor Matthias Meins klar. Dennoch: Verwaltung und Selbstverwaltung sind hellwach, um sich von der Entwicklung nicht überrollen zu lassen. Auf Vorschlag des Bauausschusses wurden zwei Planungsbüros damit beauftragt, Kriterien zusammenzutragen, die bei der Abwägung dazu führen könnten, dass die Windkrafteignungsfläche verkleinert oder gar ganz aus dem Plan gestrichen wird. Meins hatte sich bei den anderen sieben Amtsgemeinden dafür eingesetzt, dass die Planungsbüros für den gesamten Amtsbereich tätig werden. „Obwohl selbst gar nicht betroffen, hat sich auch Schinkel solidarisch beteiligt“, lobte Bürgermeister Wilhelm Radbruch (WdGN) das Nachbardorf.

 Nach Ansicht von Wilfried Johst, SPD-Fraktionssprecher und Vorsitzender des Bauausschusses, hat sich die Geldausgabe gelohnt. „Die beiden von uns beauftragten Planungsbüros haben eine hervorragende Arbeit gemacht“, sagte er. Bürger und Vereine hätten wertvolle Hinweise geliefert. Ob Gefahren durch Eiswurf, brütende Rotmilane, mögliche Beeinträchtigungen für die Naherholung – „das Gutachten hat uns viele gute Instrumente an die Hand gegeben“, sagte Waltraud Meier (SPD).

 Als Trumpfkarte will Neuwittenbek beim Land den F-Plan ausspielen. Auf dem Bonsegrundstück am Gettorfer Weg weist dieser Plan Wohnbebauung aus. Außerdem, so wird argumentiert, habe der Zukunftsplan aufgezeigt, dass es Interesse für eine Bebauung der gemeindeeigenen Schumacherkoppel nahe der Schule gebe. Bei einer Realisierung des Windparks ließen sich bei einer Abstandsregelung von 800 Metern beide Projekte nicht umsetzen. Die Gemeinde wäre damit „für Jahrzehnte“ in ihrer städtebaulichen Entwicklung blockiert.

 Die Gemeindevertretersitzung war von der SPD beantragt worden, um mit den planungsrechtlichen Hinweisen auch eine politische Botschaft an die Staatskanzlei zu senden: Windkraft ja, aber nicht zu Lasten von Mensch und Natur. Fraktionsübergreifend einigte sich die Vertretung auf die Kernforderung, dass es bei der Mindestabstandsregelung keine Zwei-Klassen-Regelung geben darf. Im Klartext: Der 800-Meter-Abstand für Ortslagen soll auch auf Splittersiedlungen und Einzelhäuser angewendet werden. Nach den bisherigen Vorstellungen des Landes sollen für die Letztgenannten 400 Meter reichen. „Ich weiß nicht, was Torsten Albig und Robert Habeck hier reitet“, meinte CDU-Fraktionssprecher Karsten Rusch.

 Die Stellungnahmen der Gutachter und die Resolution der Gemeindevertretung sollen ab Montag auf der Internetseite des Amtes (www.amt-daenischer-wohld.de) einsehbar sein.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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