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Bürger laufen Sturm

Windparks Bürger laufen Sturm

Renate Sommer sorgt sich. Seit 1977 wohnt die Eckernförderin in der Stadt. Ebenso wie ihre Nachbarn hat sie den Blick auf die unberührte Natur der Goosseewiesen viele Jahre lang genossen. Seit sich dort in einigen Kilometern Entfernung permanent Windmühlen drehen, ist es mit der Idylle jedoch vorbei.

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Viele Eckernförder empfinden die großen Windräder in Holtsee, die über dem Süden von Eckernförde zu sehen sind, als störend.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Der Windpark Holtsee-Altenhof ist zu einer Belastung geworden.

„Wenn der Wind aus südöstlicher Richtung weht, ist ein deutliches Brummen zu vernehmen“, klagt Renate Sommer. Und nachts sorgt das rot blinkende Gefahrenfeuer für einen unruhigen Schlaf. „Das geht ja zu wie auf einem Flugplatz“, meint sie und wandte sich mit ihrem Anliegen unlängst an die örtliche Politik. In der Fragestunde des Bauausschusses wollte Renate Sommer wissen, ob die Stadt etwas von einer Erweiterung des Parks auf dem Gebiet der Gemeinde Goosefeld wisse und ob man gedenke, etwas dagegen zu tun.

Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel konnte in der Sitzung zwar keine konkreten Aussagen treffen, machte jedoch deutlich, dass die Stadt die Planungen sehr kritisch begleite. Man wolle die Landesplanung anschreiben, mit dem Ziel, im weiteren Verfahren beteiligt zu werden, kündigte er an. Ob die Stadt damit Erfolg haben wird, muss zumindest bezweifelt werden, denn selbst die Gemeinden, in den Windparks geplant sind, haben nur einen ganz geringen Einfluss.

Für Uwe Satriep, Bürgermeister von Goosefeld, ist das Thema derzeit kein Thema. „Wir befassen uns gar nicht damit“, erklärte er auf Nachfrage. 2013 sei seine Gemeinde aufgefordert worden, mögliche Standorte für Windkraftanlagen zu benennen. Der einzige Standort, der hierfür in Frage gekommen wäre, habe sich in der Nähe des Gutes Hoffnungsthal gefunden. Und weil dieser seinerzeit abgelehnt worden sei, habe man keinen Grund gesehen, das Thema erneut anzupacken.

Auch Gunnar Bock, Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee und damit hauptamtlich zuständig für die Gemeinden im direkten Umland von Eckernförde, bedauert die geringe Einflussnahme der Kommunen. In der Gelbflächenmarkierung des Landes werden bislang etwa sieben Prozent der Fläche für Windparks in Betracht gezogen. Aufgrund zahlreicher Einsprüche und Bedenken soll die Fläche auf etwa zwei Prozent der Landesfläche reduziert werden. Allerdings laufen die Planungen noch. Vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2016 soll das öffentliche Beteiligungsverfahren eingeleitet werden. Erst dann ließen sich konkrete Aussagen über mögliche Standorte im Umland von Eckernförde treffen. Derzeit sind Flächen in Erweiterung des Windparks Holtsee in Richtung Lehmsiek, im Bereich des Schnaaper Sees (Gemeinde Windeby) sowie im Bereich Mohrberg/Hemmelmark (Gemeinde Barkelsby) in der Regionalplanung vorgesehen. Ob das so bleibt, ist völlig offen. Die Gemeinden, so Bock, könnten deshalb zurzeit auch nur wenig machen.

Mit einer Windkraft-Entscheidung für die Region Schwansen rechnet der Amtsdirektor allerdings schon früher, sprich in den kommenden Wochen. Dann soll geklärt sein, ob es bei der Halbinsel Schwansen um einen charakteristischen Landschaftsraum handelt. Ein Gutachten wird entsprechend Aufschluss über die weiteren Planungen des Landes in dieser Region geben.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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