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Wulfsteert stellt Betrieb ein

Eckernförde Wulfsteert stellt Betrieb ein

Die Kirchengemeinde St. Nicolai steht unter Kostendruck. Nicht nur rückläufige Mitgliederzahlen – wie generell in der Nordkirche – auch zwei Gemeindehäuser mit Sanierungsbedarf belasten den Etat. Jetzt zieht der Kirchengemeinderat die Notbremse.

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Das Gemeindehaus Wulfsteert wird zum 1. September geschlossen. Die weitere Zukunft der Immobilie ist offen.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. In der Gemeindeversammlung Mittwochabend in der St.-Nicolai-Kirche informierte er über den Beschluss, dass ab 1. September der Betrieb im Gemeindehaus Wulfsteert eingestellt wird. Eine endgültige Entscheidung über die Immobilie ist damit noch nicht getroffen. Unter den anwesenden Gemeindemitglieder war dieser Schritt dennoch umstritten.

Der Kirchengemeinderat legte die Zahlen offen: Er errechnete ein strukturelles Defizit im Haushalt von 80.000 Euro. Wenn dies nicht verkleinert werde, verbleibe kommendes Jahr kein Geld mehr in der Ausgleichsrücklage. Insgesamt stehen in verschiedenen Rücklagen noch 600.000 Euro zur Verfügung. Laut Pastor Dirk Homrighausen hatte die Gemeinde schon Pläne geschmiedet, Wulfsteert als Gemeindezentrum auszubauen. Doch bei Kosten von fast 700.000 Euro habe der Kirchenkreisrat abgewinkt. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung hatte ergeben, dass sich ein Neubau nicht rechne.

Jetzt will die Kirchengemeinde eine „kreative Denkpause“ einlegen. Um langfristige Perspektiven ohne finanziellen Druck entwickeln zu können, entschied sich der Gemeinderat, den Betrieb für das teuerste der beiden Gemeindehäuser, den Wulfsteert, bis auf weiteres einzustellen. Dort untergebrachte Gruppen sollen mit ihren Aktivitäten in andere kirchliche Gebäude verlagert werden: das zweite Gemeindehaus Brookhörn, die St.-Nicolai-Kirche, das Langlohaus, das Grünen Haus. Die dem Wulfsteert-Haus benachbarte evangelische Kindertagesstätte läuft weiter. „Wir stehen zu unserer Kita“, betonte Homrighausen.

In der Fragerunde gab es kritische Stimmen zu einem möglichen Aus für den Wulfsteert. Die Parkplätze, die Busanbindung, der barrierefreie Zugang sowie die Nähe zu Kindergarten und Schule wurden als Pluspunkte für das dortige Gemeindehaus angeführt. „Wir sind schon siebenmal umgezogen“, monierte eine Vertreterin des Missionskreises. Das zurückgetretene Gemeinderatsmitglied Bernd Kuczynski warb für eine kleine Sanierungslösung und schlug vor, alternativ zum Wulfsteert das Langlohaus zu veräußern. Andere Stimmen warnten vor einem Rückzug der Kirche aus einem Bereich mit „sozialem Brennpunkt“. Pastor i.R. Erhard Seredszus sah einen Neubau am Wulfsteert gefordert. „Wir brauchen ein richtiges Gemeindehaus.“

„Wir nehmen die Stimmung ernst“, sagte Pastor Homrighausen. Er verwies aber auch darauf, dass die Wulfsteert-Immobilie höhere laufende Kosten verursache als Brookhörn. Gleichzeitig wolle es die Gemeinde vermeiden, am Personal zu kürzen. Das Gemeindeprogramm, das auch viel Nachwuchsarbeit umfasst mit Kita, Kinderkirche, Kinderchören und Familiengottesdienstes, soll ungehindert weiterlaufen. Die Betriebseinstellung am Wulfsteert bezeichnete Dirk Homrighausen noch nicht als Aus für das Gemeindehaus. Der Gemeinderat hat eine Projektstudie zum Wulfsteert in Auftrag gegeben, die Anfang August vorliegen soll. Ziel sei es, so der Pastor, von „zu großen Strukturen“ auf „angemessene Strukturen“ zu kommen, um nicht Immobilien, sondern die inhaltliche Arbeit vermehrt in den Fokus zu rücken. Derzeit gehören 6371 Mitglieder (August 2014) der Gemeinde St. Nicolai an. 2012 waren es noch 6724. Homrighausen: „Diesen Trend müssen wir stoppen.“

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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