11 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Dieselpest ausgetrickst

Yacht Tankstelle Strande Dieselpest ausgetrickst

Die Pest an Bord: Bootseigner können ein Lied davon singen. Pilze und Bakterien fühlen sich wohl im Treibstoff, wenn er einen höheren Wasseranteil hat. Das verstopft die Technik, und der Motor streikt. Thomas Langer von der Yacht Tankstelle Strande sagt der Dieselpest den Kampf an.

Voriger Artikel
Ein Mann auf der B76 schwer verletzt
Nächster Artikel
Ein Geheimnis der Wand gelüftet

Thomas Langer von der Yacht Tankstelle Strande ist froh. Er hat einen Lieferanten gefunden, der ihm wieder „normalen“ Dieseltreibstoff liefert. Beim Volltanken wird die „Pest“ nicht mehr mitgeliefert.

Quelle: Cornelia Müller

Strande. „Endlich Schluss mit dem Schleim“, sagt der Leiter der einzigen Tankstelle für Sportboote im Raum Kiel. „Ich bekomme jetzt endlich Sprit ohne Biodiesel-Anteil. Da bildet sich weniger Kondenswasser. Da hat die Pest kaum eine Chance.“ Zufrieden lugt er aus dem Kabuff auf dem Ponton an Steg 6 im Hafen von Strande, als gute Kunden vor der schwimmenden Tankstelle festmachen: britische Marinetaucher, die zur Ausbildung in der Strander Bucht sind. „Voll bitte!“, heißt es. Die Besatzung versorgt sich im Mini-Shop gleich noch mit Eis, Süßigkeiten, Softdrinks und Zeitungen. Kunden, die randvoll tanken und bei der Gelegenheit einkaufen, waren rar in den letzten Jahren. Langer: „Die Leute holen sich einen Kanister voll an einer Autozapfsäule und segeln oder fahren ihr Motorboot nach Dänemark. Da tanken sie die volle Ladung Marine-Diesel ohne Bio-Zusatz. Und wir gucken in die Röhre.“

 Mikroorganismen im Diesel wachsen um so schneller, je höher der Wassergehalt ist. Bis zu 200 Milligramm pro Kilogramm Sprit sind erlaubt. Biodiesel darf bis zu 500 Milligramm enthalten, kann darüber hinaus aber bis zu 5000 Milligramm binden, ohne dass das Wasser sofort ausfällt. Fein verteilte Tröpfchen stören den Automotor nicht. „Aber Segler nutzen ihren Motor nur sparsam oder wenn es nicht anders geht. Also steht der Diesel lange im Tank, das Wasser setzt sich unten ab“, erläutert Langer. „Der Pilz wächst darin und bildet einen schwarzen Schleimpfropf. Beim Starten setzt er Filter und Leitungen zu. Deshalb kippen Sportbooteigner zusätzlich ein spezielles Pflanzengift in den Tank, das wir auch an den Tankstellen verkaufen. Allerdings sind einige Keime inzwischen resistent geworden. So hat sich das Problem noch verschärft.“

 Der Tankstellenchef hat die Konsequenz gezogen. „Ich habe lange nach einer Firma gefahndet, die mir wieder den klassischen Diesel liefern kann“, sagt er. „Der ist etwas teurer, sodass auch der Kunde mehr zahlt. Aber die Kosten wiegen die für den Treibstoffzusatz auf. Und das Thema Resistenz ist vom Tisch.“ Nun fehlt Langer nur noch knackiges Sommerwetter zum Glück. „Denn nur dann gehen Skipper und Chartercrews auf den Törn, für den man ordentlich Sprit bunkert.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3