25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Ärger um erhöhte Heizkosten

Mieter sind sauer Ärger um erhöhte Heizkosten

Zehn Mietparteien in dem dreigeschossigen Neubau des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens (GWU) in der Rendsburger Straße 62 in Eckernförde sind sauer wegen hoher Heizkosten. Jetzt machen sie ihrem Unmut öffentlich Luft.

Voriger Artikel
Einmaleins der Feuerwehren gebüffelt
Nächster Artikel
Pariser Charme gemixt mit Klängen aus Nashville

Inge Schudie und Doris Rautenberg (vorn von rechts) sind wie viele weitere Bewohner des GWU-Hauses in der Rendsburger Straße verärgert über unerwartet hohe Energiekosten.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Eckernförde. Anspruch und Wirklichkeit klaffen mitunter auseinander. Als Doris Rautenberg 2013 ihren Mietvertrag unterschrieb, war sie froh, eine barrierefreie Wohnung gefunden zu haben, die zudem noch wenig Energie verbrauchen sollte. Doch die erste Abrechnung, die ihr ins Haus flatterte, war eine unangenehme Überraschung. Auch im zweiten Jahr musste sie draufzahlen.

 20 Euro waren laut Vertrag als monatlicher Abschlag für Heizung und Warmwasser veranschlagt. Doris Rautenberg (59), die eine 60-Quadratmeter-Wohnung bezog, war zufrieden. In ihrer vorigen, größeren Wohnung, einem Altbau, hatte sie 50 Euro (ohne Warmwasser) zahlen müssen. Doch die Ernüchterung im GWU-Neubau kam nach der Betriebskostenabrechnung der ersten vier Monate: 90 Euro sollte sie nachzahlen. Auf 23 Euro wurde sie hochgestuft, freiwillig zahlte die inzwischen skeptisch gewordene Mieterin gleich 45 Euro. Und dennoch: Die nächste Abrechnung fürs Jahr endete unterm Strich mit einer Nachzahlung von 139 Euro.

 Das sei happig, sagt Doris Rautenberg. Sie bekomme nur eine kleine Rente wie viele andere Mieter auch. Nach ihrer Kenntnis mussten einige sogar mehrere hundert Euro nachzahlen. Alte Leute seien den Tränen nahe gewesen. Ähnliche Erfahrungen hat Inge Schudie (67) gemacht. Sie zahlt inzwischen 64 Euro monatlich für Heizung und Warmwasser. Dabei heize sie so gut wie gar nicht, nur sporadisch im Badezimmer. Gleichzeitig zahlt sie im Jahr 260 Euro mehr an Stromkosten als in ihrer alten Wohnung – trotz energiesparender Haushaltsgeräte und LED-Beleuchtung. Schudie erklärt sich das durch Lüftungsanlagen in den Wohnungen, die rund um die Uhr laufen.

 Mit Passivhaus-Standard hatte das GWU geworben, mit einem Heizenergieverbrauch von nur 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. Doch teilt Doris Rautenberg den Gesamtwärmeverbrauch des Hauses durch die Wohnfläche, kommt sie aktuell auf 89 Kilowattstunden. Inklusive Warmwasser – dennoch liegt nach diesen Zahlen der Verbrauch deutlich höher. GWU-Geschäftsführer Stephan Seliger räumt auf Anfrage ein, dass es bei der ersten Kalkulation einen Fehler gegeben haben könne. „Wir brauchen noch eine technische Information und melden uns dann bei den Mietern.“

 Ein Rechtsanwalt, dem eine der Abrechnungen für Heizung und Warmwasser vorgelegt wurde, kommt ferner zu dem Schluss, dass die Heizkosten zu 100 Prozent nach der Wohnfläche umgelegt worden sind und nicht laut Heizkostenverordnung sowohl nach Quadratmetern (30 Prozent) als auch tatsächlichem Verbrauch (70 Prozent). Bei energieeffizienten Gebäuden kann laut Seliger auf eine individuelle Verbrauchserfassung aus Kostengründen verzichtet werden. Er will jetzt aber prüfen lassen, ob Wärmemengenzähler für die einzelnen Wohnungen nachgerüstet werden.

 Für Mieter wie Doris Rautenberg ist das ein schwacher Trost. Zumal es noch Baumängel gebe wie Undichtigkeiten an Balkontüren oder bei Regen überlaufende Balkone. „Man hat uns etwas versprochen und das ist nicht eingehalten worden“, kritisiert sie. Auf mehrfache Schreiben an das GWU habe es keine adäquaten Erklärungen gegeben. Seliger sagt dagegen, dass diverse persönliche Gespräche geführt worden seien.

 2013 hatte das GWU mit den niedrigen Verbrauchskosten geworben und dafür etwas höhere Mieten kalkuliert (KN berichteten). Ändere sich die aktuelle Situation nicht, so Rautenberg, könnte das Unternehmen vielleicht neu über die Miethöhe nachdenken.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3