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Leise rattert das Spinnrad

Eckernförde Leise rattert das Spinnrad

Angst davor, sich an der Spindel zu stechen und in einen Jahrhundertschlaf wie Dornröschen zu fallen, haben die 24 Damen nicht, die sich am Wochenende zum Spinncafé in Eckernförde treffen. Und die zwei Herren, die mitmachen, offenbar auch nicht.

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Monika Hamann (links) und ihre Tochter Ronja teilen die Leidenschaft für das Hobby Spinnen.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Die Eckernförder Tagesstätte für Menschen mit Behinderungen des Heilpädagogiums an der Ostsee, Die Eckernförderer, ist Ort des ungewöhnlichen Treffens. Der Hintergrund: Die Tagesstätte hält selbst fünf Schafe vor Ort und 18 weitere auf einer Weide, und deren Wolle wird mit den Nutzern der Einrichtung, wie die dort betreuten zwölf Männer und Frauen heißen, verarbeitet. „Die Tierpflege ist ein Teil des Angebots persönlichkeitsfördernder Maßnahmen“, so Leiter Thorsten Schumacher.

 Dazu gehört auch die Eigenentwicklung und Produktion von Spinnrädern, und die finden großen Anklang. Zum Beispiel bei Monika und Ronja Hamann aus dem mecklenburgischen Malchow. Leise rattern ihre in Eckernförde produzierten Spinnräder vor sich hin, die Rohwolle gleitet durch die Finger der 64-Jährigen und ihrer Tochter (41). Sie haben es sich im Garten der Einrichtung gemütlich gemacht, sitzen in Stühlen, genießen die Sonnenstrahlen und freuen sich über ihr Hobby. „Spinnen entspannt, und gleichzeitig kommt noch etwas Sinnvolles dabei raus“, freut sich Monika Hamann.

 Neben ihnen sitzt Karin Handl. Sie kommt vom Bodensee und hat einem der Männer, Hans von Malottke, das Spinnrad abgeluchst. Von Malottke (77) produziert selbst Räder und hat ein spezielles Reisespinnrad entwickelt. „Damit habe ich als Rentner angefangen, und meine Frau meinte nur: ,Du spinnst wohl’“, sagt er und lacht. Zwischen den Damen und den Spinnrädern fühlt er sich wohl. Die älteste Teilnehmerin ist, wie die Hamanns, aus Mecklenburg angereist. Edith Kahl, 85 Jahre alt, trägt wie viele hier einen extra gestrickten Socken, um mit dem rechten Fuß den direkten Kontakt zur Maschine zu haben. Ihr Spinnrad kommt aus Polen, und wenn sie Lust hat, packt sie es auf ihr Fahrrad und besucht ihre Spinngruppe in Schwerin, um zusammen etwas zu produzieren. „Wir zeigen dann, was aus einem Faden entstehen kann“, sagt sie und zeigt ein Knäuel gesponnener Wolle, weich und angenehm anzufassen. „Vom Hund“, sagt sie verschmitzt – es ist die Wolle eines Chow Chows. Verarbeiten könne man alles, sagt sie, neben Wolle und Seide auch Bambus oder Algen. Aber darauf komme es nicht an. Hauptsache, da sind sich alle einig, man komme miteinander ins Gespräch.

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