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Frau Kommissar zahlte keine Miete

Zwangsräumung Frau Kommissar zahlte keine Miete

Das Ehepaar Hahl hatte guten Grund, die Wohnung in Eckernförde an die Kriminalkommissarin und ihren Ehemann zu vermieten. „Als Polizistin kam sie uns besonders vertrauenswürdig vor“, erinnert sich Gerhard Hahl. Dennoch bescherte ihm die Entscheidung massiven Ärger. Nun wurden die Mieter wegen Betrug verurteilt.

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Mietvertrag unterschrieben, Schlüssel übergeben: Nicht immer ist es so einfach. In einem aktuellen Fall in Eckernförde machten die neuen Mieter einen vertrauenswürdigen Eindruck, blieben aber trotz mehrfacher Aufforderung Miete und Kaution schuldig.

Quelle: dpa

Eckernförde/Kiel. Denn die scheinbar so rechtschaffenden Leute zahlten nie ihre Miete und wurden schließlich vom Amtsgericht in Eckernförde wegen Mietbetrugs verurteilt. Laut Oberstaatsanwältin Birgit Heß ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Kiel gegen das Paar, und auch der Arbeitgeber der Frau, die Landespolizei, prüft den Fall. Aus der Wohnung ausgezogen sind die Mieter immer noch nicht. Am heutigen Montag wollen die Vermieter die Wohnung durch einen Gerichtsvollzieher räumen lassen.

 Gerhard Hahl wandte sich mit seinem Problem an die Redaktion: „Die besondere Verwerflichkeit sehe ich darin, dass die Frau als Beamtin ausgerechnet bei der Kriminalpolizei tätig ist und ich, wie gewiss viele andere Menschen, zu unserer Polizei ein besonderes Vertrauensverhältnis habe.“ Er möchte andere Vermieter warnen. „Mein Ziel ist es mitzuhelfen, solches Vorgehen auch zu Lasten der Öffentlichkeit zu unterbinden – speziell, wenn die Betrüger auf der Seite arbeiten, die genau solche Vergehen bekämpft.“

 Genau genommen war es Gerhard Hahls Frau, die dem Ehepaar auf den Leim gegangen war. Denn sie ist die Inhaberin der vermietenden Firma. Und in dieser Funktion hatte sie nicht nur dem am 1. März 2015 beginnenden Mietverhältnis zugestimmt, sondern ließ das Ehepaar in die 120 Quadratmeter große Wohnung einziehen, bevor die Mietkaution (zwei Monatsmieten) überwiesen war. Doch weder die Kaution noch die Miete in Höhe von 880 Euro wurden je gezahlt, berichtet Hahl. Mit immer neuen Zusagen seitens der Mieter sei mehr als ein halbes Jahr verstrichen, bis die Vermieterin eine fristlose Kündigung aussprach und dann, weil auch daraufhin nichts passierte, durch die Hausverwaltung vor Gericht klagte.

 Kai Thomsen, Direktor des Amtsgerichts Eckernförde, bestätigt: „Gegen die Mieter sind zwei Versäumnisurteile ergangen. Diese ergehen, wenn die Angeklagten nicht vor Gericht erscheinen. Jetzt haben die Vermieter einen Titel gegen die Mieter und können die Wohnung durch einen Gerichtsvollzieher räumen lassen.“ Thomsen klärt aber auch auf, dass der Beruf der Verklagten in diesem Verfahren keine Rolle gespielt habe, dem Gericht noch nicht einmal bekannt war. Daher handele es sich aus Sicht des Amtsgerichts um einen ganz normalen Fall: „So etwas kommt im Mietrecht häufig vor.“

 Da die Mieter trotz des Räumungstitels nicht auszogen, hörte sich das Ehepaar Hahl weiter um und erfuhr bei der örtlichen Polizei, „dass der Ehemann der Kommissarin mindestens noch einen weiteren Vermieter ähnlich geschädigt hatte“. So entschied es, Strafanzeige gegen die Mieter zu stellen. Zugleich trugen sie den Fall dem Arbeitgeber der Kriminalkommissarin vor. Dort wird der Fall „im Rahmen der Strafanzeige geprüft“, so Jürgen Börner, Pressesprecher der Landespolizei. Der Dienstvorgesetzte sei informiert.

 Mögliche disziplinarische Maßnahmen würden aber erst ergriffen, wenn die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft vorliegen. Weitere Auskünfte will Börner in dem laufenden Verfahren nicht geben. Auch Oberstaatsanwältin Heß spricht von einem streng vertraulichen, geheimen Verfahren.

 Für die Vermieterin ist die ganze Angelegenheit derweil recht kostspielig: Elf Monatsmieten plus Kaution blieben die Mieter bisher schuldig. Es folgen nun aber noch die Kosten für den Gerichtsvollzieher und das beauftragte Räumungsunternehmen. Auch die Einlagerung der Möbel für mindestens zwei Monate muss der Vermieter zahlen.

 Und es dürften weitere Kosten entstehen: Ab heute Vormittag können die Hahls zwar wieder in die Wohnung. Aber erst dann wird sich zeigen, in welchem Zustand sie sich befindet und ob nun möglicherweise auch noch eine Renovierung notwendig ist.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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