23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Von Hundeschreckern und Schalensteinen

10. Tag der Archäologie in Kiel Von Hundeschreckern und Schalensteinen

Manchmal darf der Umgang mit Fundstücken kreativ sein. So hielt es Arjen Spielwinkel, Mitglied der Detektorgängergruppe des Archäogogischen Landesamtes Schleswig-Holstein, mit dem Lauf einer sogennanten Taschenpistole aus dem 19. Jahrhundert. Er vervollständigte die Waffe mit selbst gegossennem Messingabzug und Holzgriff.

Voriger Artikel
Martin Rütter: Belehren gefällt keinem
Nächster Artikel
Ordentlich Futter für die grauen Zellen

Detektorgänger Arjen Spießwinkel gung kreativ mit dem von ihm gefunden Lauf einer Taschenpistole aus dem 19. Jahrhundert um und ergänzte die selbst die nicht mehr auffindbaren Teile.

Quelle: Rainer I. Krüger

Kiel. Er vervollständigte die Waffe mit selbst gegossennem Messingabzug und Holzgriff. Die Pistole war damit am Sonntag einer der Blickfänge auf dem zehnten Tag der Archäologie in Audimax der Kieler Uni. 150 Besucher waren zum Jahrestreffen der Altertumsforscher gekommen. Ihnen der erläuterte der 35-jährige Spießwinkel bereitwillig, wozu die volkstümlich auch als Hundeschrecker bezeichnete Pistole benutzt wurde. „Sie diente zur Selbstverteidigung, um bei Angriffen Hunde oder aber auch Räuber abzuwehren.“ Auch warum er den Lauf auf diese Weise ergänzen konnte“, konnte erläutern. „Weil ich es nicht auf einem historischen Schlachtfeld entdeckt habe, gilt es nicht streng als archologisches Fundstück, so dass bearbeiten zulässig ist“, erkärte er.        

Doch nicht nur auf Schaustücke, sondern auch auf Menschen richteten sich die Blicke. So Barbara und Jens Meyer (beide 78) aus Preetz. Beide haben das gerade erschienene  Verzeichnis der Schalensteine in Schleswig-Holstein erstellt. Dafür verlieh ihnen die Landesministerin für Justiz, Kultur und Europa Anke Spoorendonk (SSW)  die höchste Auszeichnung, die es für ehrenamtliche Helfer und Unterstützer der Altertumsforschung in Schleswig-Holstein gibt. Auch Birger Kühl (62) aus Schleswig erhielt am Sonntag beim Treffen im Audimax der Kieler Uni als Vorsitzender des Slesvig Roklubs eine Goldene Schaufel.

Jens Meyer gestand ein, dass es verschiedene Theorien darüber gibt, wofür die Vertiefungen in den Findlingen – die sogenannten Schalen – genutzt wurden. Vom Zerkleinern von Muscheln bis zum Herstellen von Werkzeugen sei Vieles denkbar. Fest steht jeoch, dass seien Frau und er den Bestand der Schalensteine in Schleswig-Holstein erfasst und in ihrer Publikation aufgeführt haben. „Über 300 Steine haben wir uns selbst angesehen“, berichtete Meyer. Der Leiter des Archäologischen Landesamtes Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim würdigte vor gut 150 Besuchern „Disziplin, Durchhaltevermögen und Mut“ der beiden beim Verwirklichen ihres Projekts. Das Interesse der Meyers hatte ein 1,50 mal 1,30 Meter großer Schalenstein geweckt, den sie 2009 in ihrem Garten aufstellten. In Person von Birger Kühl wurde der dänische Ruderklub in Schleswig als Gastgeber für Archäologen gewürdigt. Durch das kostenfreie Bereitstellen von Unterkünften und Arbeitsräumen sorgte Kühl laut von Carnap-Bornheim bei mehreren Projekten für „optimale organisatorische Rahmenbedingungen“. Für ihre Bachelorarbeit „Die Holzkohlenfunde des ertbøllezeitlichen Fundplatzes Strande“ bekam die Kielerin Annika Britta Müller (25) den mit 700 Euro dotierten Archäologiepreis der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein.

Gedanken waren auch in Paris

Ehrungen waren jedoch nicht alles. Natürlich kam Spoorendonk auch auf die Terrorangriffe in Paris zu sprechen und drückte das Mitgefühl für die Menschen aus. In diesem Zusammenhang hob sie die Bedeutung des 10. Tags der Archäologie „als Ausdruck unserer Werte“ hervor. Es sei Anlass, „sich mit dem kulturellen Erbe zu befassen und zu identifizieren“. 

Von Carnap-Bornheim ließ das Jahr 2015 Revue passieren. „Schmerzvoll“ sei ihm das Verfahren für die Aufnahme von Danewerk und Haithabu in die Unesco-Weltkulturerbe-Liste in Erinnerung geblieben. Das Gesuch im Rahmen des internationalen Projekts „Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“ mit vier weiten Staaten war im Sommer abgelehnt worden. „Nun müssen wir nochmal ansetzen“, sagte er. Wie geplant ist, erläuterte der Projektbeauftragte Matthias Maluk. „Wir wollen versuchen 2016 auf die nationale Vorschlagsliste zu kommen. 2017 könnte dann ein neuer Antrag eingereicht werden.“

Eine „bemerkenswerte Grabung“ stellte Dr. Donat Wehner vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni vor. 2010 begannen Forscher die 1737 eingeebnete frühgotische Kirche St. Catharina auf der Steilküste in Schwedeneck freizulegen. Das Besondere daran: „Sie ist die einzige vollständig ausgegrabene Pfarrkirche Schleswig-Holsteins.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3