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Die Not fordert sie auch heute noch

Sozialdienst katholischer Frauen Die Not fordert sie auch heute noch

"Die Not fordert uns auch heute noch“, sagt SkF-Vorstandsmitglied Maria Schwarte. Vor einem Jahrhundert von sieben Frauen gegründet, ist der Sozialdienst katholischer Frauen mittlerweile zu einer Kieler Instanz geworden. Über 200 Mitarbeiter engagieren sich an vier Standorten des Vereins.

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Im Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder kümmerten sich katholische Frauen seit 1916 um alleinstehende Mädchen und Frauen sowie ihre Kinder. Diese kamen aus ländlichen Gebieten im Osten und waren den Gefährdungen der Hafenstadt Kiel oft nicht gewachsen.

Quelle: Sozialdienst katholischer Frauen

Kiel. Kiel im Jahr 1916. Zahlreiche Menschen ziehen vom Land in die Stadt, darunter viele junge Frauen. Sie erhoffen sich hier Arbeit und Geld. Doch ihre Flucht führt auch zu Entwurzelung, Obdachlosigkeit und Ausbeutung bis hin zur Prostitution. „Im 1. Weltkrieg herrschten in Kiel in sittlicher Beziehung derartig unhaltbare Zustände, dass etwas dagegen getan werden musste“, notiert Clara Banniza später in einem Bericht. Sie war die erste Vorsitzende des Katholischen Fürsorgevereins für Mädchen, Frauen und Kinder in Kiel, dem heutigen Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Er feiert in diesem Sommer sein 100-jähriges Bestehen.

„Da sein – Leben helfen“ ist ihr Motto. Der Verein ist Träger des St. Antoniushauses in Kiel-Elmschenhagen, des St. Answerushauses in der Stadtmitte sowie von zwei Außenstellen in Flensburg und Neumünster. Er betreut längst nicht mehr nur Mütter und ihre Kinder, sondern auch junge Erwachsene und Menschen mit Behinderung.

Erst wurden Mitglieder händeringend gesucht

Dass der SkF einmal zu einer erfolgreichen Kieler Institution werden würde, zeichnete sich bei seiner Gründung noch nicht wirklich ab. Zwei Mal musste die Gründerin des Zentralverbandes, Agnes Neuhaus, von Dortmund nach Kiel kommen, ehe sich hier genügend Frauen für einen Ortsverein fanden. Und auch später war der Verein gezwungen, sich durchzukämpfen. „Es ist beeindruckend, wie pragmatisch und mutig die Frauen die Geschichte gemeistert haben“, sagt Maria Schwarte.

Während des Zweiten Weltkriegs wird das St. Antoniusheim in der Muhliusstraße vollständig zerstört, die Kinder kommen bei Nonnen in Eutin unter. Die Nachkriegszeit ist geprägt von schlechter Versorgung und Krankheit. Anfang der 1950er-Jahre folgt dann der Neubau in der Muhliusstraße. Mit der Zeit verändert sich vieles: In den 1960er-Jahren nimmt das St. Antoniusheim zunehmend behinderte Kinder auf. Der Platz wird immer enger, und so plant man ein größeres Gebäude in Elmschenhagen. 1977 wird hier das neue St. Antoniushaus eingeweiht. Es bietet Pflege- und Wohnmöglichkeiten für Mütter und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung. Das alte Gebäude in der Muhliusstraße heißt heute St. Answerushaus. Es ist Sitz des Vereins, Beratungsstelle und Kita.

Der Bedarf steigt an

Aber eines hat sich auch heute, 100 Jahre nach der Gründung, nicht geändert: Es mangelt nach wie vor an Geld und Platz beim SkF. „Wir werden immer größer, denn der Bedarf ist da“, sagt Vorstandsmitglied Maria Schwarte. Gemeinsam mit ihren Vorstandskolleginnen Elisabeth Schilling und Renate Linders berichtet sie zum Beispiel von der Behindertenbetreuung. Ein Ausflug an den Strand werde da schnell zur Herausforderung: „Die Sitze des Fahrzeugs müssen für die Rollstühle umgeklappt werden, wir brauchen bestimmte Lebensmittel, Hygieneartikel. Da kann es schon mal eine Stunde dauern, bis man an der Ostsee ankommt.“ Zum Jubiläum wünscht sich der Verein deshalb keine Blumen, sondern lieber Spenden für einen neuen Bus und einen barrierefreien Umbau des St. Answerushauses.

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