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Geteilte Verantwortung, volle Elternfreude

10000. Urkunde überreicht Geteilte Verantwortung, volle Elternfreude

Eva-Maria König und Bastian Schmahl aus Kiel haben gerade die Sorgeerklärungen für ihr gemeinsames Kind unterschrieben, das in zwei Monaten geboren wird. Stadträtin Renate Treutel überreichte den beiden die 10000. Sorgerechtsurkunde der Stadt Kiel.

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Bastian Schmahl (32) und Eva-Maria König (34) erwarten ihre gemeinsame Tochter im Oktober.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Es war uns wichtig, dass ich direkt das Sorgerecht habe, wenn ich Vater werde“, sagt Bastian Schmahl. Die Stimmung ist feierlich, als die beiden die Sorgeerklärung unterzeichnen und Frauke Jeschke vom Jugendamt den Stempel daruntersetzt. Der 32-jährige Kindheitspädagoge und die 34-jährige angehende Grundschullehrerin sind seit fünf Jahren ein Paar, Ende Oktober erwarten sie ihr erstes gemeinsames Kind. Heiraten wollen sie deswegen aber erst einmal nicht. „Wir haben darüber geredet, verschieben es auf später. Wenn wir beide nicht mehr in der Ausbildung sind und uns dann auch eine schöne Feier leisten können“, sagt Eva-Maria König.

 Dieser Gedanke entspricht einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend, den auch Renate Treutel, Stadträtin für Bildung, Jugend und Kreative Stadt, beobachtet. „Immer mehr Paare bekommen gemeinsam Kinder, sehen aber keinen Grund, zu heiraten.“ Eine Sorgerechtsbeurkundung ermöglicht es unverheirateten Paaren seit 1998, dass beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht für ihr Kind erhalten. Das Kindschaftsrechtsreformgesetz hat die Grundlagen hierfür geschaffen. In Bezug auf das Sorgerecht haben unverheiratete Eltern seitdem die gleichen Rechte wie verheiratete. „Diese Änderung ist auch für die Kinder wichtig. Früher wurden solche Kinder als uneheliche Kinder bezeichnet, heute sind sie einfach Kinder unverheirateter Eltern, die aber beide alles unterschreiben dürfen und die gleichen Rechte haben“, erläutert Treutel. Ohne die von beiden Partnern beantragte elterliche Sorge, fällt das Sorgerecht bei der Geburt jedoch weiterhin automatisch an die Mutter.

 In der Landeshauptstadt ist die Zahl der Sorgeerklärungen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Während im Jahr 2000 noch rund 371 Paare das gemeinsame Sorgerecht für ihr Kind beantragten, waren es 2010 schon 722. Im Jahr 2015 haben sogar 957 Paar eine Sorgeerklärung unterschrieben, bis Juli dieses Jahres hat das Jugendamt schon 642 gezählt. „Wir schätzen, dass wir in diesem Jahr auf eine ähnliche Zahl kommen wie 2015“, sagt Eva Jordan, Abteilungsleiterin Rechtliche und Wirtschaftliche Jugendhilfe im Jugendamt. Ihre Abteilung ist für die Unterzeichnungen der Erklärungen zuständig. Gerade beim ersten Kind, würden Eltern zu ihnen kommen, um eine Sorgeerklärung zu unterzeichnen. „Vor dem zweiten Kind entschließen sich dann doch viele Paare, zu heiraten.“ Wie viele das sind, kann die Jugendamtsmitarbeiterin aber nicht sagen. Darüber gibt das Sorgerechtsregister keine Auskunft.

 Die Sorgeerklärung hat keine Auswirkungen auf die Wahl des Nachnamens des Kindes. Den können die Eltern nach der Geburt unabhängig davon festlegen. Bei dieser Frage haben sich Eva-Maria König und Bastian Schmahl schon entschieden. „Unsere Tochter soll meinen Namen tragen“, sagt Eva-Maria König. Da seien sich beide sofort einig gewesen. Nur über den Vornamen grübeln beide noch. „Wir dachten die ganze Zeit, es wird ein Junge. Aber jetzt wird es doch ein Mädchen – und da haben wir uns noch auf keinen geeinigt.“

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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