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Friedensarbeit mit Gong und Gebet

20 Jahre Interreligiöses Gebet Friedensarbeit mit Gong und Gebet

Im Interreligiösen Arbeitskreis kann man erleben, wie sachlich und offen der Kreis mit rund 20 Mitgliedern unterschiedlichster Konfessionen und spiritueller Herkunft das Hauptthema des Treffens angeht: die Gestaltung des Jubiläums „20 Jahre Interreligiöses Gebet in Kiel“.

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Mitglieder des Interreligiösen Arbeitskreises haben gemeinsam die Veranstaltung am Sonntag in der Pumpe vorbereitet, zu dem auch alle Interessierten eingeladen sind.

Quelle: Susanne Blechschmidt

Kiel. Und wie fair auch das Thema „Einheit in der Vielfalt“ diskutiert wird, das kurzzeitig als Motto im Raum steht. Im Anschluss zeigt sich die Neu-Kielerin Francisca Ritter, seit einem Jahr Pfarrerin der Christengemeinschaft, beeindruckt: „Ich war zuvor Pfarrerin in Nürnberg und Hamburg, aber so eine interreligiöse Arbeit, die geprägt ist von freudigem Interesse, anderes kennenzulernen, ohne jede Absicht zu kritisieren oder umzustimmen, habe ich noch nicht erlebt“, lobt sie. „Diese Art ist sehr besonders.“

 Nun wird das runde Jubiläum des Interreligiösen Gebets, das Kiel in den langen Jahren seines Bestehens auch überregional einen guten Ruf als vorbildliche Stadt in der Integrationsarbeit eingebracht hat, unter der Überschrift „In der Verschiedenheit einander begegnen“ im Rahmen der Interkulturellen Wochen gefeiert – und zwar am morgigen Sonntag, 9. Oktober, in der Kieler Pumpe. Rund 100 Gäste haben sich angesagt, darunter der evangelische Propst Thomas Lienau-Becker und sein katholischer Kollege Propst Leo Sunderdiek. Ebenso Vertreter des städtischen Referats für Migration, die die interreligiöse Arbeit regelmäßig unterstützen. Mit großer Spannung erwartet wird auch der Besuch von Walter Blender, dem Vorsitzenden des Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Schleswig-Holstein sowie Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland.

 Wie stets bei den jährlich drei interreligiösen Gebeten ist aber auch jeder andere Interessierte willkommen in dem mit bunten Tüchern geschmückten Raum, die Brigitte Schirren von der Bahá’i-Gemeinde Kiel mit religiösen Motiven bemalt hat, sowie am großen Büfett. Nach einer Einleitung vom Mitbegründer des Interreligiösen Gebets, Klaus Onnasch, und der Koordinatorin des Arbeitskreises, Annette Pinkwart (Brahma Kumaris), bringen Mitglieder der Religionsgemeinschaften von der Al-Hadi-Moschee bis zum Zen-Kreis Kiel Gebete und Symbole ein als Beiträge für den Frieden in der Welt – nur unterbrochen durch Gongschläge und das Entzünden einer Kerze.

 Dieses Ritual gehörte von Anfang an zur Gestaltung der Begegnungen dazu. „Wir wollten die Treffen bewusst so gestalten, dass die Verschiedenheiten der Traditionen und Vorstellungen nebeneinander stehen bleiben und wahrgenommen werden. So kann es zu einer Begegnung in der gegenseitigen Achtung voreinander kommen“, ist man heute mehr denn je beim Arbeitskreis überzeugt. Von dem ursprünglich einmal ins Auge gefassten Ziel einer „Einheit“ hat man sich derzeit jedenfalls eher wieder entfernt. Um so wichtiger sei es, gerade jetzt an den einmal vereinbarten Grundsätzen wie „Frieden, Weitherzigkeit und Geschwisterlichkeit“ vor allem auch im Hinblick auf die Partnerschaft Kiels zum türkischen Antakya/Hatay festzuhalten, so Klaus Onnasch. Sein aktuelles Eingeständnis allerdings: „Die weltpolitische Situation ist schwierig, und es ist nicht leicht, die Konflikte auszuhalten. Da waren wir vor Jahren schon einmal weiter.“

 Als Auswirkung der politischen Entwicklung in den arabischen Ländern und insbesondere in der Türkei hat sich das Klima auch in Antakya, dem historischen Antiochien, nach aktuellen Berichten verändert; das öffentliche Leben sei für manche Menschen schwieriger geworden. Umso nachdrücklicher wollen der Interreligiöse Arbeitskreis und auch der Arbeitskreis Brückenbauen die mit Kieler Spendenhilfe gebaute Schule für syrische Flüchtlingskinder in der Region Hatay weiter fördern ebenso wie das Friedenshaus in Antakya als Treffpunkt für Einheimische, Pilger und Touristen. „Gerade jetzt ist die Zusammenarbeit notwendig“, mahnen die Mitglieder des Arbeitskreises.

 Gegenwärtig halten manche muslimische Verbände sich deutlich zurück, sich gemeinsam zu treffen – vor einigen Jahren war das im Interreligiösen Arbeitskreis kein Problem. Erleichtert begrüßt der Arbeitskreis die Information, dass Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar kurzfristig nach Antakya gereist sei, um dort Gespräche zu führen (ein Bericht dazu folgt). Denn die Sache ist noch längst nicht für alle so sonnenklar wie für Butenkieler Klaus Packeisen, der aus Australien gerade zu Gast in der Heimat ist: „Was ihr hier macht, ist ultimative Friedensarbeit.“

Stadtrundfahrt zum Kennenlernen

Feier 20 Jahre Interreligiöses Gebet am Sonntag, 9. Oktober, ab 12 Uhr, Galerieraum in der Pumpe, Haßstraße 22, Kiel.

Interreligiöse Stadtrundfahrt am Sonntag, 16. Oktober, 13 bis 18 Uhr. Fünf Stationen: Jüdische Gemeinde, Brahma Kumaris, Zen-Kreis, Schule des Goldenen Rosenkreuzes, Al-Hadi-Moschee. Teilnahme: 5 Euro. Restkarten bei der Tourist-Information, Neues Rathaus, Andreas-Gayk-Straße 31. Treffpunkt um 12.45 Uhr bei der Jüdischen Gemeinde, Jahnstraße 3.

Interreligiöser Stammtisch am 10. November, 18.30 Uhr, Café Godot, Gutenbergstraße 18, Kiel.

Mitglieder im Interreligiösen Arbeitskreis: Ahmadiyya Muslim Jamaat, Al-Hadi-Moschee, Bahá’i-Gemeinde Kiel, Türkisch-Islamischer Kulturverein Diyanet, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kiel/Baptisten, Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein, Jüdische Gemeinde Kiel, Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes, Katholische Kirchengemeinden im Dekanat Kiel, Raja Yoga Meditationszentrum Brahma Kumaris und Zen-Kreis Kiel. Unterstützt wird der Arbeitskreis durch das Referat für Migration der Landeshauptstadt Kiel.

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