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Marschieren und musizieren

Marchingband-Festival Marschieren und musizieren

Wenn rund 350 Menschen in Uniform im Gleichschritt Musik machen, dabei aber in verschiedene Richtungen laufen, ist das rein militärisch betrachtet ein Desaster. Doch die fast 3000 Besucher in der nicht ganz ausverkauften Sparkassen-Arena hatten am Sonntag beim Marchingband-Festival genau daran ihre helle Freude.

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Nach zwei Jahren Pause waren sie wieder zu Gast in Kiel: Marchingbands aus sieben Nationen zeigten am Sonntag bei der „Musikparade“ ihre musikalische Bandbreite von Pop über Folklore bis Schlager.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Denn bei der „Musikparade“ zeigten Marchingbands aus sieben Nationen, dass Musik im Gleichschritt abseits ihrer militärischen Wurzeln auf durchaus unterhaltsame Abwege Richtung Showbranche führen kann.

Sandro Kaiser ist zwar kein Soldat, sondern Schichtleiter in einer Fabrik für Computer-Chips. Militärisch klingt allerdings der Name der einzigen deutschen „Musikparade“-Formation, in der er die Tuba spielt: „Marsch- und Drillkontingent Oberlichtenau“. Ein Zufall sei der martialische Name nicht, sagt der athletische Sachse aus der Oberlausitz: „Denn wir müssen nicht nur musikalisch, sondern auch körperlich topfit sein.“

Das sind die 67 Mitglieder des Drillkontingents offenbar auch. Zwei Mal schon holten sie bei Marchingband-Weltmeisterschaften im holländischen Kerkrade eine Goldmedaille. Das Problem beim gleichzeitigen Marschieren und Musizieren erklärt Sandro Kaiser so: „Die Schritte müssen zwar zackig sein, aber die Töne trotzdem geschmeidig klingen.“ Etwa ein Jahr Training mit drei bis vier Terminen in der Woche sei nötig, um ein 15 Minuten-Programm inklusive Choreographie perfekt in Beine und Köpfe zu bekommen. „Insofern geht’s eben nicht ganz ohne Drill.“

Hier sehen Sie Bilder vom Marchingband-Festival in der Sparkassen-Arena in Kiel.

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Während sich die Mitglieder der sächsischen Marchingband die Synchronität von Musik und Bewegung in ihrer Freizeit antrainieren, ist die dafür nötige Disziplin bei anderen Formationen der „Musikparade“ elementarer Bestandteil ihres Jobs. Denn die Musiker der britisch-schottischen „Royal Airforce Waddington Pipes & Drums“ sind ebenso Berufssoldaten wie die Mitglieder des Repräsentationsorchesters der weißrussischen Armee oder des Militärorchesters der Nationalen Brigade I aus Moldawien.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wollen sie nicht nach Humtata-Gleichschritt klingen. Und das tun sie auch nicht. Die Ukrainer haben sogar eine separate Band (in Uniform) mit Schlagzeug, Bass und E-Gitarre mitgebracht, um ihren Bläserkollegen bei ihrer Schreit-Choreographie ordentlich Dampf zu machen.

Doch so ganz außen vor bleibt die sorgenvolle politische Aktualität trotz des großen Unterhaltungswertes der Show dann doch nicht, als Musiker des Zentralorchesters der ukrainischen Armee „Kein schöner Land in dieser Zeit“ anstimmen. Und dabei vielleicht an ihre Kameraden in der Heimat denken, die jetzt sicher andere Sorgen haben.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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