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„Odae concertantes“: Fest und Askese

350 Jahre CAU Kiel „Odae concertantes“: Fest und Askese

Die Studentenkantorei der CAU Kiel hat Augustin Pflegers „Odae concertantes“ mit Neuer Musik verbunden. Entstanden ist dabei eine frisch klingende Sicht auf das Auftragswerk des Hofkompositeurs.

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Die Studentenkantorei bei einem Konzert.

Quelle: Axel Nickolaus (Archiv)

Kiel. Am 5. Oktober 1665 wurden sie – und seither wohl jetzt erstmals wieder zum 350. Jubiläum der CAU Kiel – am historischen Ort, in der Kieler Nikolaikirche, uraufgeführt: die „Odae concertantes“ des Gottorfer Hofkompositeurs Augustin Pfleger. Die Studentenkantorei unter der Leitung von UMD Bernhard Emmer nebst Vokalsolisten, Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters und des Ensembles reflexion K hoben das Werk des barocken Kleinmeisters nach dreieinhalb Jahrhunderten wieder aus der Taufe.
 
Festlich singt Augustin Pfleger in seinen sechs Oden, wovon vier hier zu hören sind, ein Loblied auf die Kaiser und Fürsten, die der Kieler „Alma mater“ damals Legitimation und Würde gaben. Zugleich konventionell, um nicht zu sagen wenig originell in unseren heutigen Ohren, zur Zeit Schütz’ und noch nicht Bach dennoch recht modern. Wie nähert man sich solcher musikalischer „Lobhudelei“ für Fürsten des beginnenden Absolutismus in heute universitär freidenkerischeren Zeiten?
 
Die Studentenkantorei hat dazu mit dem Neue-Musik-Projekt chiffren zusammengearbeitet, das dem Eckernförder Komponisten Gerald Eckert sein „chute de clarté“ in Auftrag gab, das nun neutönend asketisch Pflegers festlichen Oden in die Parade fährt – um solche „Übermalung“, wie Eckert sie nennt, etwas zu garstig zu bezeichnen. Entstanden ist eine frisch klingende Sicht auf das Auftragswerk des Hofkompositeurs.
 
Wo Pfleger virtuos alle seinerzeit verfügbaren Register von Madrigal, Motette, Bicinium und auch geistlicher Musik (sein „Veni sanctus spiritus“ und „Te Deum“ runden das Programm ab) zieht, um besonders festlich zu klingen, verlegt sich Eckerts Antwort aufs Asketische. Ein dumpfes, buchstäblich rauschhaftes Grollen, als wenn die Vorzeit über drei Jahrhunderte herüber echot, eröffnet das Konzert und wispert immer wieder zwischen Pflegers Festivitäten. Musikalischer Urgrund, leise, der sich steigert zum perkussiv explosiven Wirbel und zurückgeht auf die zarten Flageoletts von Celli und Flöte. Eckert steigert Pflegers Komposition, indem er sie überlagert, und führt sie auf das asketische Material zurück: den barocken Ursprung der damals neuen, heute verblasen wirkenden Dur-Moll-Tonalität und damit auf die moderne Klanggestaltung des Obertonspektrums.
 
Doch die Moderne – das macht die Ur- und Wiederaufführung deutlich – gründet in einer gemeinsamen Besinnung auf das barocke Klangideal. Und nicht zuletzt darauf, was die „Universitas“ zu Kiel heute noch ausmacht: Sich asketisch besinnen und von da aus festlich weiter schreiten.

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