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Konstante der Stadtgeschichte

400 Jahre Warleberger Hof Konstante der Stadtgeschichte

Es ist ein besonderer Geburtstag für ein besonderes Haus: Der Warleberger Hof wird 400 Jahre alt und ist damit das älteste Wohnhaus in Kiel.

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Doris Tillmann leitet das Stadtmuseum im Warleberger Hof, das auch an drei weiteren Ausstellungsorten Einblicke in Geschichte Kiels gibt: im Schifffahrtsmuseum, im Depot auf dem Wissenschaftspark und an der Museumsbrücke Seegarten.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vorträge, Sammlungen, Aktionen und ein neues Buch mit aktuellen Forschungsergebnissen spiegeln die wechselvolle Geschichte des heutigen Stadtmuseums wider, das im Wortsinn eine Zeitlang Leichen im Keller aufbewahrte. Zerstörungen und politische Entscheidungen haben dazu geführt, dass die Stadt nur an wenigen Orten Spuren ihrer Historie festmachen kann. Der Warlebeger Hof ist das fünftälteste Gebäude in der Landeshauptstadt – nach der Nikolaikirche, Teilen des Klosters, Gewölberesten des historischen Rathauses im heutigen Lokal „Hemingway“ und dem Fundamentsockel des Kieler Schlosses. Der Rantzaubau des Schlosses ist dagegen gut 50 Jahre jünger als der Warleberger Hof.

Der Name kam vom späteren Besitzer

Seine Blütezeit erlebte der Adelshof in der Epoche der Frühen Neuzeit, als der schleswig-holsteinische Landadel etwa 70 Residenzen in Kiel bezog. „Kiel war eine kleine Stadt mit lediglich 2000 bis 2500 Einwohnern, aber mit großer Bedeutung“, führte Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann als heutige Hausherrin aus: Die Adligen betrieben auch über die Grenzen Europas hinaus Handel, der traditionelle Kieler Umschlag bot ihnen einen Wintermarkt mit der Möglichkeit zu Geldgeschäften. Erster Besitzer und Bauherr des Warleberger Hofs war der Amtsschreiber Christoph Martens, doch seinen Namen erhielt das Haus von seinem späteren Besitzer Henning von Thienen auf Warleberg, der das Haus 1686 erwarb. Als sich der Landadel Anfang des 19. Jahrhunderts aus Kiel zurückzog, nachdem die Gutswirtschaft an Bedeutung verloren hatte, ging das Gebäude 1839 an die Universität über. Sie war es, die dort ihre Sammlung der Völkerkunde, Zoologie, Medizingeschichte, das Hebbel- und Theatermuseum unterbrachte. Der noch aus dem Mittelalter stammende Gewölbekeller mutierte zum „Leichenkeller“, denn dort zog die Anatomie ein.

Kiel war längst Großstadt

1909 stand das Haus vor dem nächsten großen Einschnitt: Die Stadt, die durch die Marine und den Reichskriegshafen längst zur Großstadt geworden war, beschloss, der Straßenbahn in der Dänischen Straße mehr Platz zu verschaffen: Der Warleberger Hof musste für diese Pläne weichen und wurde um fünf Meter zurückgebaut. Diesen Umbau überstand das Gebäude im Gegensatz zu den anderen Freihöfen jedoch ebenso wie die immensen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges durch Bombardierungen. Die Universität, die große Schäden zu beklagen hatte, verkaufte den Warleberger Hof an die Stadt. Seit 1970 beherbergt er das Stadtmuseum. Die in den 1960er-Jahren eingebaute, edle Innenausstattung mit Teppichen und Wandmalereien stamme jedoch nicht aus dem Adelsbesitz, sondern aus wohlhabenden Bürgerhäusern in der Altstadt, betont Tillmann: „Das Haus selbst, in dem wechselnde Ausstellungen zur städtischen Kulturgeschichte gezeigt werden, ist unser wichtigstes Exponat.“

Ein weiteres Kapitel in der Jahrhunderte alten Geschichte legte die Komplettsanierung der Jahre 2009 bis 2011 offen: Beim Ausheben der Aufzugsschächte stießen Bauarbeiter auf Fundamentbalken, die anhand von Jahresringen auf das Jahr 1278 datiert werden konnten – 36 Jahre nach der Stadtgründung. Erst seitdem weiß man, dass die Keller viel älter sind als das Haus.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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