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Von Anfang an eine besondere Schule

50 Jahre EBG Von Anfang an eine besondere Schule

50 Jahre – das ist für Kieler Schulen kein großes Jubiläum. Beim Ernst-Barlach-Gymnasium liegt die Sache etwas anders. Denn diese Schule hat in der Bildungsgeschichte des Landes eine besondere Rolle eingenommen.

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Solveig, Antonia, Zoe, Finja und Johanna (vorn, von links) sowie Sabine und Andre Hohn (hinten) nutzten den Tag der offenen Tür am Ernst-Barlach-Gymnasium für einen Familienausflug. Finja und ihre Freundin Zoe Gieseler gehen hier gerne zur Schule. Was sie am liebsten mögen? „Sport und die Pausen.“

Quelle: Frank Peter

Kiel. Warum das so war – das war am Wochenende beim Festakt im Schloss, aber auch beim Tag der offenen Tür in der Schule immer wieder Gesprächsthema. Die Schülerschaft hat geackert für diesen Tag der offenen Tür. Vom Blumenschmuck über Kaffee und Kuchen bis zu einer Musik-Revue durch fünf Jahrzehnte haben die 794 Schüler und ihrer Lehrer alle Register gezogen. Besonders willkommen sind an diesem Tag aber auch die Ehemaligen. Sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und finden sich ohne Probleme zurecht in ihrer alten Schulen. „Es hat sich kaum etwas verändert, sogar der Musikraum liegt noch wie damals im Keller“, sagt Hans Hansen, der die Anfänge der Schule vor 50 Jahren miterlebt hat: „Damals war dieses Schulgebäude noch in Bau, und der Unterricht musste an der Elsa-Brandström-Schule stattfinden, die gleichzeitig meine Grundschule war.“

Erst gab es einen Stuhl zu wenig

Silke Hiebner, heute selbst Lehrerin, gehörte 1967 zum ersten Sextaner-Jahrgang, der in dem Schulgebäude am Charles-Roß-Ring eingeschult wurde. „Wir waren fünf Sextanerklassen und ich weiß noch, dass in meiner Klasse 43 Kinder waren, aber es gab nur 42 Stühle. Also musste ein Schüler erstmal am Lehrerpult sitzen.“ Aber auch in den höheren Klassen herrschte reger Andrang: Viele Schüler wechselten von anderen Schulen. Einer davon war Thomas Lange. „Die Schullandschaft war damals in konservativer Hand. Das Barlach-Gymnasium hatte den ersten Direktor im Land, der sich offen zur SPD bekannte. Das sprach sich schnell herum.“

Der 62-jährige Redakteur hat den Wechsel nie bereut. „Das Klima war am Barlach deutlich liberaler. Dort gingen ja auch viele Lehrer in den 60ern bewusst hin. Ich erinnere mich an so großartige Pädagogen wie den Deutsch- und Geschichtslehrer Toni Eckert, der mit uns ,Sexfront’ von Günther Amendt gelesen hat. Das löste einen Proteststurm bei den Eltern aus. Aber Eckert blieb standhaft. Das hat uns imponiert.“ Auch die damaligen Sportlehrer Bruni Brammann (71) und Gerd Welz (71) bestätigen das. „Das freiheitliche Denken war uns wichtig, dafür stand das Ernst-Barlach-Gymnasium von Anfang an“, sagt Bruni Brammann.

Erster musisch-künstlerischer Zweig

Das Ernst-Barlach-Gymnasium fand aber noch aus einem zweiten Grund Beachtung: Es war das erste öffentliche Gymnasium mit einem musisch-künstlerischen Zweig im Land und brachte schnell Schüler mit außergewöhnlichen Leistungen hervor: etwa jenen Cellisten, der als Schüler mit den Berliner Philharmonikern auftrat, aber auch die regelmäßigen Sieger bei Wettbewerben wie Jugend musiziert.

Dass sich das soziale Miteinander auch auf die Leistungen positiv auswirkt, zeigt eine Zahl, die die Besucher am Tag der offenen Tür bei einer Rallye herausfinden sollten: 95 Prozent der Schüler schaffen im Schnitt das Abitur. Lob für die Schule gab es deshalb auch beim Festakt am Vorabend im Kieler Schloss von Ministerpräsident Torsten Albig: „Jede Schülerin und jeder Schüler ist anders. Daher brauchen wir eine möglichst reiche Auswahl an Schulformen. Das Ernst-Barlach-Gymnasium ist mit seiner musisch-künstlerischen Ausbildung dabei seit 50 Jahren vorbildlich und unverzichtbar.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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