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Eine neue Stadt in der Stadt

50 Jahre Kiel-Mettenhof Eine neue Stadt in der Stadt

Während der Kieler Woche 1965 fiel mit der Grundsteinlegung das offizielle Startsignal: Wegen der Wohnungsnot in Kiel sollte ein neuer Stadtteil mit einem alten Namen, aber moderner Skyline entstehen: Mettenhof. Geplant war das gesamte Areal für 40000 Einwohner und eine Autobahn. Doch es kam anders. Eine Serie beleuchtet die Entwicklung der kleinen Stadt in der Stadt. Heute: Rückblick auf die Anfänge.

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Mettenhof aus der Flugperspektive, hier der Jütlandring: Erst zwei Jahre jung, präsentierte sich der Stadtteil noch als Quartier mit viel Beton und Stein. Er war zum Teil im Schnellbauverfahren mit Fertigteilen entstanden.

Quelle: Magnussen

Kiel. Der Name Mettenhof stammt vom ehemaligen Meierhof von Hans-Heinrich von Kielmannsegg, Besitzer von Gut Quarnbek, der ihn 1676 nach seiner Frau Metta benannte. Von der alten Anlage ist nichts mehr erhalten. Aber der Name in seinen Abwandlungen wie Mettbürger, Manhattan-Hof oder M-Town spiegelt bis heute die Facetten einer spannenden Quartiersentwicklung wider.

 Bei der Grundsteinlegung gab der damalige Oberbürgermeister Hans Müthling (SPD) dem Stadtteil, den die Neue Heimat für eine Investititonssumme von 275 Millionen Mark errichtete, drei Wünsche mit auf den Weg: „Gesundheit, Lebensfreude und ein glückliches Kiel“. Gebaut wurde rund um Alt-Mettenhof auf einer Fläche von 20 Hektar, die die Stadt 1937 als Baulandreserve gekauft hatte. Dazu kam eine kleine, 1963 von Melsdorf eingemeindete Siedlung mit 526 Einwohnern. Im September 1966 zogen Susi und Johann Holz, die aus Pommern stammten, als erste Mieter von Neu-Mettenhof in eine 2,5-Zimmer-Wohnung ein. Das Paar hatte bis dahin in einer Einzimmerwohnung am Vieburger Gehölz gelebt, in der es sich das WC mit einer anderen Familie teilen musste. Etwa 12 000 Wohnungen fehlten in Kiel.

Typisch für die 60er-Jahre war, sagt Bürgermeister und Stadtplanungsdezernent Peter Todeskino, eine autogerechte Trabantenstadt zu bauen, nach der Leitlinie, Wohnen und Arbeiten, Verkehr und Freizeit voneinander zu trennen. Mit fatalen Folgen: Waren die Wohnungssuchenden am Anfang noch froh darüber, ein Dach über dem Kopf zu haben, beklagten sie sich bald über fehlende Infrastruktur: „Kein Laden, kein Friseur, keine Schule, kein Bäcker, kein Arzt, keine Apotheke ... nur Matsch und Baustellen.“ Noch 1972, als in Mettenhof bereits 10 000 Menschen wohnten, schrieb die Presse von einer Fehlplanung auf dem Reißbrett. Der erste Supermarkt zog bis 1972 in eine Tiefgarage, sechs Schulklassen kamen in einem Pavillon, Pappschule genannt, unter. Zehn Jahre lang dauerte es, bis 1975 die ersten Bauabschnitte Jütlandring, Aalborgring und das Zentrum am Skandinaviendamm mit dem Oslo- und dem Göteborgring abgeschlossen waren. Wahrzeichen des heute bevölkerungsreichsten Stadtteils mit fast 20 000 Einwohnern wurde das mit 100 Metern höchste Hochhaus Kiels, der sogenannte Weiße Riese.

 Aber auch die Bürger drückten dem Stadtteil ihren Stempel auf: 1973 verhinderten sie, dass eine Autobahn mitten durch Mettenhof gebaut wurde. Und dass drei Bauernhöfe erhalten blieben, ist ebenfalls auf Privatinitiativen zurückzuführen. 1975 wurde das Bildungszentrum Mettenhof als damals landesweit größter Schulneubau fertiggestellt, 1977 entstand das erste ökumenische Kirchenzentrum in Norddeutschland.

 Doch mit wider Erwarten sinkenden Bevölkerungszahlen wuchsen die Probleme. Leerstand, ausbleibende Sanierung, hohe Arbeitslosigkeit und zeitweise eine hohe Kriminalitätsrate: Bis heute muss Mettenhof mit einem schlechten Ruf kämpfen, obwohl sich längst vieles entspannt hat. Den größten Innovationsschub erfuhr der Stadtteil seit Ende der 90er-Jahre, als Fördermittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ nach und nach eine „vergleichsweise hervorragende Infrastruktur“ entstehen ließen, so Todeskino. Der Nachsteuerungsprozess der Stadt sei vielerorts gut gelungen: So wurde der Marktplatz umgestaltet, statt der Autobahn wurde ein neuer Grüngürtel vom Kirunaweg zum Bergenring gezogen, die Region um den Heidenberger Teich mit Fördermitteln umfangreich neu gestaltet. Der Bürgermeister spricht von einer Erfolgsgeschichte: Mettenhof habe einen „großen Wohlfühlfaktor“, hohen Freizeitwert, viel Grün und eine gute Mischung von Hoch-, Mehr- und Einfamilienhäusern. Ein Stadtteil, in dem viel in Bewegung ist.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Während der Kieler Woche 1965 fiel mit der Grundsteinlegung das offizielle Startsignal: Wegen der Wohnungsnot in Kiel sollte ein neuer Stadtteil mit einem alten Namen, aber moderner Skyline entstehen: Mettenhof. Geplant war das gesamte Areal für 40000 Einwohner und eine Autobahn. Doch es kam anders. Eine Serie beleuchtet die Entwicklung der kleinen Stadt in der Stadt. Heute: Bildung und soziale Infrastruktur.

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