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Kartoffeln für den ersten Kopierer

70 Jahre Repro Renard Kartoffeln für den ersten Kopierer

Angefangen hat alles mit einer findigen Idee, die bald zur Vorlage für ein florierendes Geschäft wurde: Am 1. August 1945 eröffnete der Kieler Walter Renard (1918-2014) einen Betrieb zur Herstellung von Lichtpausen und Kopien.

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70 Jahre Repro Renard: Das möchten Hartwig (rechts) und Torben Schlachta zusammen mit ihren Kunden feiern.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Das Familienunternehmen Repro Renard, das er damit begründete, kann mittlerweile auf eine 70-jährige Geschichte zurückblicken. Im Sommer 1945 traf der damals 27-jährige Maschinenbauingenieur Walter Renard einen ehemaligen Dozenten von der Ingenieurschule wieder. Dieser berichtete ihm von einem Problem, das die Lehrtätigkeit so kurz nach dem Krieg enorm erschwerte: Es fehlten Lehrbücher, Tabellen, Zeichnungen, Bilder zur Anschauung. Renard kam ein zündender Gedanke: „Das kann man doch alles kopieren.“ In einer notdürftig wiederhergestellten Wohnung in der Sternstraße, in der er mit seinen Eltern und Großeltern lebte, richtete er sich unter primitivsten Bedingungen eine kleine Werkstatt ein, mit eigener Dunkelkammer im Flur.

 Bei der Anschaffung des ersten Kopiergerätes, das mit Quecksilberdampflampen arbeitete, musste Renard zusätzlich zum Kaufpreis noch mit Naturalien bezahlen und ging kurzerhand auf einem Kartoffelacker „nachsammeln“. Um trotz der ständigen Stromausfälle optimal arbeiten zu können, installierte er in seiner Werkstatt eine Klingel, die ihn zur Not nachts weckte, wenn der Strom wieder da war. Damit er neben Lichtpausen und Fotokopien auch Reproduktionen anbieten konnte, tüftelte sich Renard in Eigenarbeit eine eigene Reprokamera zusammen.

 Nach der Ingenieurschule kamen bald weitere Kunden hinzu. Renard konnte Mitarbeiter einstellen und machte sich als Ausbilder für den Nachwuchs seines noch weitgehend unbekannten Gewerbes stark. Mit dem wachsendem Geschäft wurde die Wohnung in der Sternstraße, in der Renard mit Frau und Kindern ein einziges Zimmer bewohnte, schlichtweg zu eng. 1956 erwarb er das Haus in der Ringstraße 41, wo das Familienunternehmen heute noch zu finden ist.

 Die rasante technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte spiegelte sich immer auch in der Ausstattung von Renards Geschäft wieder. Er selbst war stets darauf bedacht, auf dem neuesten Stand zu sein. So holte Renard 1960 als Erster das elektrostatische Fotokopierverfahren nach Kiel und konnte somit erstmals Trockenkopien anbieten. „Bis dahin wurden Kopien ja auf fotografischem Wege mit Negativ und Positiv hergestellt“, berichtet Gisela Schlachta, Tochter des Firmengründers.

 Seit 1990 führt Renards Schwiegersohn Hartwig Schlachta das Geschäft fort, ebenfalls immer mit dem Blick auf aktuelle technische Entwicklungen. Zum Kerngeschäft von Repro Renard gehört heute nach eigenen Angaben das hochwertige digitale Drucken und Kopieren in Schwarz-Weiß oder Farbe mit bester Fotoqualität. Das Angebot umfasst auch Leim-, Spiral- oder Hardcoverbindungen. Ein Spezialgebiet sind großformatige Drucke wie XXL-Poster, Plakate und technische Zeichnungen. Und der Textildruck deckt alle Bedürfnisse ab von Einzelauflagen bis hin zum kompletten Verein oder der Firma.

 Mit Torben Schlachta, dem Enkel des Firmengründers, steht bereits die dritte Generation in den Startlöchern, um die Familientradition fortzuführen. Das 70-jährige Firmenjubiläum möchte das Repro- Renard-Team feiern: Am Dienstag, 25. August, sind Kunden von 10 bis 18 Uhr auf ein Glas Sekt eingeladen. Zum Jubiläum sind außerdem besondere Aktionen und Angebote geplant.

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