19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Bürger besichtigten Unterkunft

80 Wohncontainer Bürger besichtigten Unterkunft

160 Flüchtlinge werden ab Mitte Juni in 80 Wohncontainern auf dem Parkplatz Tempest in Kiel-Schilksee untergebracht. Am Freitag konnten sie besichtigt werden.

Voriger Artikel
Initiativen in der „Alten Mu“ können aufatmen
Nächster Artikel
Eine Entscheidung fürs Leben

Knapp 100 Besucher folgten der Einladung der Stadt zur Besichtigung der Flüchtlingsunterkunft auf dem Parkplatz Tempest in Schilksee.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ein kleiner Vorflur und zwei Räume. In einem stehen vier Betten, zwei Schränke und eine mobile Heizung. Zwei Deckenleuchten spenden Licht. Nebenan besteht die Einrichtung aus einem Tisch und vier Stühlen mitsamt Kühlschrank und einem Set Kochgeschirr. So sieht die Grundausstattung eines Wohncontainers für Flüchtlingsfamilien aus, die in etwa drei Wochen in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Parkplatz Tempest in Schilksee unterkommen werden.

 Am frühen Freitagabend lud Sozialdezernent Gerwin Stöcken mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung und des Christlichen Vereins Kiel zum Tag der offenen Tür in die Unterkunft ein. Knapp 100 Bürger folgten der Einladung.

 Darunter waren Befürworter und Kritiker. „Wir haben sie heute eingeladen, damit sie eine Vorstellung haben, wie die Leute hier wohnen sollen“, sagte Stöcken zur Begrüßung. Dazu hatten die Verantwortlichen zwei fertig eingerichtete Wohncontainer geöffnet. Insgesamt werden auf dem Parkplatz 97 Container aufgestellt. 80 Wohncontainer bieten Platz für etwa 160 Flüchtlinge, die hauptsächlich aus den Unterkünften am Schusterkrug und am MFG-5-Gelände kommen sollen, erklärte Arne Leisner vom Amt für Wohnen und Grundsicherung der Stadt Kiel. Stöcken und Leisner sagten, dass vor allem Familien in Schilksee untergebracht werden sollten, deren Kinder im Grundschulalter sind. So könnte die ortsansässige Grundschule besser ausgelastet werden, und „der Stadtteil hätte auch etwas davon“, erläuterte Stöcken. 56 der Container sind für Familien und 24 für geflüchtete Männer vorgesehen. Zwei Männer teilen sich dann jeweils einen Container. Die übrigen Räumlichkeiten werden für Büros, Gemeinschaftsräume, Küchen und sanitäre Anlagen genutzt.

 Ursprünglich sollte die Container-Siedlung bereits im Januar von Flüchtlingen bezogen werden. Die Planungen wurden in Schilksee von Beginn an von unterschiedlichen Stimmungen begleitet. Ende November des vergangenen Jahres gründete sich die Bürgerinitiative „Willkommen in Schilksee“, die den Flüchtlingen bei diversen Themen unter die Arme greifen will. Gleichzeitig haben viele Schilkseer bis zuletzt über Unterschriftenaktionen ihren Unmut über die Unterkunft geäußert.

 Norbert Dickow, Architekt und Bauingenieur, hätte sich auf anderen Flächen eine nachhaltige Bauweise gewünscht. „Der Zwang und die Dringlichkeit, die noch im Oktober bestand, ist doch jetzt nicht mehr da“, kritisierte er. Rentner Norbert Jacobi störte sich an der verschärften Parkplatzsituation: „Nicht nur zur Kieler Woche, sondern auch an normalen Wochenenden ist der Parkplatz stark frequentiert. Bald geht hier gar nichts mehr.“

 Leisner bekräftigte, dass im Stadtteil genügend Parkplätze zur Verfügung stehen würden. „Es kann nicht sein, dass wir hier Menschen die Unterbringung verwehren, weil bestimmte Parkplätze nicht genutzt werden können“, erläuterte Stöcken. Eine nachhaltige Bauweise sei in der Kürze der Zeit nicht realisierbar gewesen, ergänzte der Sozialdezernent: „Wir hatten es von September bis vor vier Wochen mit einer solch großen Menge an Menschen zu tun. So schnell kriegen wir das nicht hin.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Flüchtlinge
Foto: Noch keine Entscheidung zur Zuweisungspflicht für Flüchtlinge: Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt.

Schleswig-Holstein will, dass Flüchtlinge im Land zwischen den Meeren heimisch werden. Ihre Integration wird Jahre dauern und eine dauerhafte Herausforderung bleiben, sagt Minister Studt. Eine Wohnortpflicht gebe es aber bisher noch nicht.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3