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"Gorch Fock"-Erfahrener zum ARD-Film

Mit Netzreaktionen "Gorch Fock"-Erfahrener zum ARD-Film

Das ARD-Drama "Tod einer Kadettin" hat kontroverse Diskussionen ausgelöst. Der Spielfilm, "inspiriert" vom ungeklärten Todesfall Jenny Böken, wurde im Netz und von Experten gelobt und kritisiert. Der Kieler Manfred Bösenkötter hat "Gorch Fock"-Erfahrung - und zeigte sich beim Zuschauen irritiert.

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Der ARD-Fernsehfilm "Tod einer Kadettin" zeichnet das Bild einer Marine, in der Mobbing die Regel ist. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich

Quelle: NDR/UFA GmbH

Kiel. Seine Dienstzeit endete 1993: Manfred Bösenkötter (77) kann also frei reden über die Marine. Der Abend vor dem Fernseher beginnt mit Erinnerungen an seine "Gorch Fock"-Zeit. Als Stammsoldat begann er 1961 auf dem Schiff, schlug später die seemännische Laufbahn ein, war bis 1967 selbst Ausbilder auf dem Schiff. "Das war der absolute Knaller für mich", sagt er begeistert.

Foto: Manfred Bösenkötter erinnert sich an seine Zeit auf der "Gorch Fock", auch mit Fotos, die ihn in luftiger Höhe zeigen.

Manfred Bösenkötter erinnert sich an seine Zeit auf der "Gorch Fock", auch mit Fotos, die ihn in luftiger Höhe zeigen.

Quelle: Niklas Wieczorek

Entsprechend gespannt erwartet er den Film. Einige Szenen verwundern ihn gleich zu Beginn, beispielsweise wie lange Hauptfigur Lilly Borchert medizinischen Tests ausweichen kann. Auch ihre körperliche Schwäche fällt ihm auf: "20 Liegestütz sind aber vielleicht auch etwas viel für Frauen", sagt er. Zu seiner Marinezeit waren an Bord nur Männer zugelassen. Dass Borchert tatsächlich auf das Segelschulschiff darf, kann er nicht begreifen: "Nein", entfährt es ihm, "das verstehe ich nicht. Sie war doch untauglich."

Scharfe Töne, aber auch Hilfe an Bord

Ausufernde Feiern der Kadetten hält er in dem Ausmaß, das im Film gezeigt wird, für überzogen: "So eine Gaudi war an Bord gar nicht möglich." Und das Mobbing macht ihn stutzig: Scharfe Anrede sei zwar die Regel gewesen, aber auch gegenseitige Hilfe. Ohne Freunde an Bord habe man aber wenig Chancen gehabt. "Es scheint ja so zu sein, dass sie in den Tod getrieben wurde", so sein Gesamteindruck vom Film. Bösenkötter fand es allerdings schwer der "sprunghaften" Schilderung zu folgen. Auch weil die unterschiedlichen Todesmöglichkeiten gezeigt werden, hinterlässt der Film bei ihm einen "sehr dubiosen" Eindruck.

Bösenkötter schildert, was werdenden Offizieren seiner Meinung nach auf der "Gorch Fock" vermittelt wird: "Es geht weniger um das Handwerk der Seemannschaft, sondern um charakterliche Stärke." Der Einzelne müsse sich zusammenreißen, um gemeinsam und solidarisch zu gestalten. "Man kann solche Werte nicht immer sanft vermitteln. Da stößt man irgendwann an Grenzen und muss auch mal hart sein."

Meist harte Reaktionen auf den Film gab es auch bei Twitter:

KN zum Film

Die KN-Besprechung zum Film lesen Sie hier.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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