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Jenny Böken: Wahrheit bleibt im Nebel

"Gorch-Fock" als ARD-Film Jenny Böken: Wahrheit bleibt im Nebel

Auch knapp neun Jahre nach ihrem Tod auf der "Gorch Fock" ist der Fall "Jenny Böken" noch nicht gelöst. Unter dem Titel "Tod einer Kadettin" hat die ARD einen Film gedreht, der sich an den Ereignissen in der Unglücksnacht zumindest orientiert. Die KN-Redaktion hat ihn bereits gesehen.

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So sieht nach Darstellung der Filmemacher der Alltag an Bord der "Johann Kinau" aus, wie die "Gorch Fock" in dem ARD-Drama heißt.

Quelle: ARD

Kiel. Als sich Lilly Borchert im Abspann abwendet, blenden diese Zeilen auf: „Dieser Spielfilm ist inspiriert von einer wahren Geschichte. Er erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Geschehnisse authentisch wiederzugeben.“ Das Drama „Tod einer Kadettin“ von Grimme-Preisträger Raymond Ley ist der Versuch, mit dem Streben und Sterben von Lilly Borchert das Schicksal der Kadettin Jenny Böken nachzuzeichnen. Doch als Spielfilm muss er eine Paraphrase sein – die Wahrheit bleibt weiterhin im Nebel.

Der Film beginnt mit dem Tod

Der Film beginnt mit einem Schrei und dem Sturz ins Wasser: Es ist ein tragischer Unglücksfall gewesen – so urteilte in der Realität die Justiz im Fall Jenny Böken. Die 18-jährige Marine-Schülerin geht in der Nacht auf den 4. September 2008 in der Nordsee über Bord des in Kiel beheimateten Segelschulschiffes „Gorch Fock“. Wie und wieso, das konnte nie ein Ermittler aufklären. Ihre Leiche wird eineinhalb Wochen später entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat das Verfahren im Januar 2009 eingestellt, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe lässt 2014 keine Beschwerde der Eltern zu, 2016 weist das Oberverwaltungsgericht Münster eine Entschädigungsklage ab. Letzte Instanz, letztes Urteil zu Jenny Böken. Was bleibt, sind Fragen zu Umständen, Lehren und der Geschichte ihres Todes.

Die ARD-Botschaft lautet: Mobbing ist Marine-Alltag

Für Aufsehen sorgte, dass Bökens Eltern Ende 2014 die Rechte an dieser Geschichte an das Filmunternehmen Ufa verkauften, basierend auf ihrer Schilderung in Dana Kujacinskis Buch „Unser Kind ist tot“. Daran orientierte sich das Ehepaar Hannah und Raymond Ley für Drehbuch und den Film „Tod einer Kadettin“. So verfolgt der Journalist Hartmut Kerber (Miroslaw Baka) an Bord nur vordergründig das Ziel, den Tod näher aufzuklären. Vielmehr arbeitet sich der Film am Marine-Milieu ab. Die Botschaft dabei: Hier herrscht Schlimmeres als ein raues Klima. Hier zählt Stärke mehr als Verständnis. Unter dem Deckmantel der Teamarbeit herrscht erbarmungslose Disziplin. Schikane und Mobbing, frauenfeindliche Sprüche dominieren, es gibt sexuelle Übergriffe. Angesichts der jüngsten Bundeswehr-Skandale ein drängendes Thema. Durch diese Schule will sich Lilly Borchert kämpfen, um anschließend mithilfe der Bundeswehr Medizin zu studieren.

Nur selten fokussiert sich der Film

„Tod einer Kadettin“ wirft Fragen zur Psychologie und dem Innenleben der Marine auf. Dass der indisponiert wirkende Journalist Kerber in mystischem Nebel mögliche Todesumstände abwägt, ist konstruiert und unwesentlich. In wenigen Szenen fokussiert sich dieser Film: Kerber erinnert sich mehrfach an sein Gespräch mit Borchert. Maria Dragus tanzende Augen sehnen sich nach dem Horizont, während sie von Leistung und der Angst zu versagen spricht – in einem Milieu, in dem sie nicht alleine bestehen kann.

Die ARD sendet am Mittwoch um 20.15 Uhr

„Tod einer Kadettin“ ist am Mittwoch, 5. April, um 20.15 Uhr, in der ARD zu sehen. Im Anschluss um 21.45 Uhr folgt die Dokumentation „Der Fall ,Gorch Fock’ – Die Geschichte der Jenny Böken“.

Die Handlung des Spielfilms "Tod einer Kadettin" basiert auf dem Fall Jenny Böken.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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