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Mülltrennung als Exportschlager

Ägypterin im FÖJ Mülltrennung als Exportschlager

Mehr Kontrast geht eigentlich nicht: Die 19-jährige Ägypterin Rana Negm wuchs in Alexandria auf. Über vier Millionen Einwohner, überall Autos, Gewusel, Müll. Dann kam sie nach Schleswig-Holstein, um ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu machen - und fand hier ihre Lebensaufgabe.

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Hat in Schleswig-Holstein ihre Lebensaufgabe gefunden: Die 19-jährige Rana Negm aus Ägypten ist schwer beeindruckt von der deutschen Mülltrennung, den vielen Recyclingideen und dem Pfandsystem. Später will sie in ihrer Heimat helfen, das dort herrschende Müllproblem in den Griff zu bekommen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Doch der Kulturschock blieb aus. Mit zwei großen Koffern und einem Rucksack kam Rana Negm frisch nach dem Abitur im August zunächst nach Plön. Der Zufall hatte sie dorthin gespült. In Ägypten besuchte sie eine deutsche Schule, weil die in ihrem Land den besten Ruf hat. Ein Lehrer brachte sie dann auf das Ökologische Jahr und lieferte gleich Kontaktadressen mit. Da sie noch nie einen Naturpark gesehen hatte, fiel die Wahl auf Plön. „Als ich abends am Bahnhof abgeholt wurde, dachte ich, ich bin im Wald. Überall war es so dunkel und still“, sagt die junge Frau. 5700 Kilometer trennten sie da von zu Hause. Doch das Heimweh war schnell vergessen. Vermittelt durch die Ökologischen Freiwilligendienste Koppelsberg in Plön half sie beim Naturpark-Haus und den dortigen umweltpädagogischen Angeboten. „Da wurde mir bewusst, was bei uns in Ägypten alles falsch läuft“, sagt sie. „Ein Pfandsystem für Plastikflaschen kennen wir beispielsweise überhaupt nicht. Dabei wäre das so einfach. Alle würden bei uns sammeln, weil es ja Geld zurückgibt. Das ist total motivierend.“

 In ihrem Heimatland sei Müll ein großes Problem. „Es gibt viele arme Leute, die zerpflücken die Müllhaufen, um noch verwertbare Plastikteile zu finden, die sie dann an ein Recycling-Unternehmen verkaufen können. Aber dadurch wird es erst richtig chaotisch.“ In jedem Supermarkt werde jedes einzelne Produkt in Plastik eingepackt. Keiner bringe zum Einkauf einen eigenen Beutel mit. Je länger sie in Deutschland ist, desto mehr wird das Thema Müll zu ihrem Thema. Als sie als FÖJlerin zur Kieler Forschungswerkstatt wechselt, sammelt sie bei einer Aktion Abfall an den Stränden. „Zu Hause habe ich das Mittelmeer vor der Tür“, sagt sie. „Und es ist gar nicht schön, was da alles angeschwemmt wird.“

Studium in Regensburg

 Inzwischen ist für sie klar: Sie will irgendwann einmal helfen, Ägyptens Müllproblem in den Griff zu bekommen. Wenn Rana Negm Ende Juli mit ihrem Freiwilligen Jahr fertig ist, soll es zum Studium nach Regensburg gehen. „Dort kann ich Kultur und Medienwissenschaften miteinander verbinden“, sagt sie. „Nach der Uni möchte ich dann in einer Organisation arbeiten und die Mülltrennung in Ägypten voranbringen.“ Als sie im Februar für zwei Wochen zurück in die Heimat fliegt, fängt sie damit schon mal an. Ohne eigene Einkaufstasche lässt sie ihre Eltern nicht einkaufen gehen. Und an jeder Ecke bückt sie sich, um Müll aufzuheben. „Meine Freundinnen versuchten mich zu überzeugen, dass es zurzeit wichtigere Probleme in Ägypten gibt“, sagt Rana Negm. „Aber es ist doch so leicht, einfach ein bisschen achtsamer mit der Umwelt umzugehen.“

 Aus der jungen Schulabsolventin ist in den vergangenen Wochen und Monaten eine Frau mit einer Vision geworden. Sie träumt von sauberen Straßen und sauberen Stränden. „Anfangen müssen wir mit der Mülltrennung“, sagt die 19-Jährige. „Und wir müssen lernen, dass man aus Abfall auch Energie und neue Rohstoffe gewinnen kann.“ Noch lande in Ägypten alles in einer Tonne und werde anschließend ins Meer gekippt oder verbrannt. „Mein Land ist so schön. Die Menschen sind freundlich, und es ist immer warm. Wenn irgendwann der Müll von den Straßen und Stränden verschwindet, ist es noch viel, viel schöner“, sagt sie im Gehen. Die Arbeit wartet. In der Kieler Forschungswerkstatt am Botanischen Garten auf dem Uni-Gelände werkelt sie gerade an einem Informationsfilm. Worum es da geht? Natürlich um die Vermüllung der Meere. Was denn sonst?

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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