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Ein Ort der Inspiration

Alte Mu (Video) Ein Ort der Inspiration

Lange befanden sich die Vereine und Projekte, die sich in der ehemaligen Muthesius Kunsthochschule am Lorentzendamm 8, kurz Alte MU, niedergelassen haben, in einem Graubereich. Die weiteren Nutzungsbedingungen waren ungeklärt. Inzwischen steht aber fest: Die Alte MU darf bestehen bleiben.

Die Muthesius-Kunnsthochschule feierte hier 2007 noch 100-jähriges Bestehen, zog 2012 an den Knooper Weg. Jetzt hat das Land die Gebäude an den Alte-Mu-Verein verpachtet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Sitzgelegenheiten aus alten Europaletten zieren Eingangsbereich und Innenhof. Alles Marke Eigenbau. Im Inneren Cocktailsessel, alte Sofas, Omalampen mit riesigem Schirm. Der Aufbruch liegt in Form von frischer Farbe förmlich in der Luft. "Die Möglichkeit ist eine einmalige", sagt Daniel Müller vom Vereinsvorstand und schwärmt: "Es ist das Beste, was ich jemals gemacht habe."

Nachdem die Kunsthochschule 2012 am Lorentzendamm 8 in Kiel den größten Teil des Gebäudes verlassen hatte, um an ihren neuen Standort am Knooper Weg zu ziehen, zog Müller zunächst mit dem Stadtimkereiprojekt "Kieler Honig" in einen Raum ein. Nur wenige Räume, wie die Keramikwerkstatt, wurden von den Kunsthochschülern "restgenutzt", dadurch waren Strom- und Wasserversorgung sowie Heizung weiter vorhanden. Die perfekte Mischung aus unkomplizierter und zuvorkommender Verwaltung und jugendlichem Macherstreben habe das rege Treiben in den Räumlichkeiten der alten Muthesius Kunsthochschule erst möglich gemacht.

In den letzten zwei Jahren folgten auf die Stadtimkerei rund 30 Projekte. Die Gemeinschaft hat unter diesem Dach einen Ort zum Wachsen und Gedeihen gefunden. Es ist wie eine bunte Wildblumenwiese. Ateliers reihen sich an Werkstätten und Räume von nachhaltigen Start-ups. Es gibt sogar ein Yoga-Studio. Momentan sind ein Drittel der Projekte künstlerisch ausgerichtet, ein Drittel sozial/kulturell und ein Drittel beschäftigt sich mit der Infrastruktur der Alten MU.

Die Stimmung in der Alten MU ist familiär. Jeder grüßt sich auf dem verwinkelten Innenhof der alten Kunshochschule. Die Projekte der Alten MU leben nicht in einer Zweckgemeinschaft. Vielemehr scheinen der enge Austausch und ein freundschaftliches Miteinander hier allen wichtig zu sein. In regelmäßigen Plenarsitzungen tauschen sich die Vereinsmitglieder aus und entscheiden über zukünftige Veranstaltungen und neue Projekte. Träumen und planen Seite an Seite. Alles für eine bessere, konsumkritische Welt. Denn jedes Projekt hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Egal ob das Glückslokal, in dem abgelegte Gegenstände kurzerhand abgegeben werden können und weiterverschenkt werden, oder das Fahrradkinokombinat, das seine Kinoabende über Fahrräder mit Strom versorgt - jeder hat hier seinen eigenen kreativen Beitrag zu einem nachhaltigen Lebensstil. Die Verbindung zwischen Handwerk und Kreativität unter einem Dach ermöglicht den unkomplizierten Austausch von Know-How.

 "Platz wäre noch für mehrere dutzend weitere Projekte", erklärt Müller. Schließlich ist das Gebäude groß genug. In der vom Verein ausgearbeiteten MUtopie träumen die Mitglieder von einem Dorf mitten in der Stadt. Wohnen, Arbeit, Bildung, Kunst und Kultur sollen unter einem Dach vereint werden. Mit der Entscheidung der Stadt, einen Mietvertrag mit kurzfristiger Kündigungszeit von voraussichtlich 14 Tagen abzuschließen, sind die Mitglieder dieser MUtopie ein ganzes Stück näher gekommen. Lange Zeit war nicht klar, wie lange die Projekte noch in der Alten MU bleiben dürfen. Die Verwaltung der Muthesius hatte das Gebäude nur vom Land gepachtet, die Restnutzung war abgelaufen. Zahlreiche Ideen kamen auf. Wohnungsbau, Zwischenbelegung durch das Regionale Berufsbildungszentrum 1 und weitere Möglichkeiten wurden diskutiert. "Eine Verlagerung würde das Aus bedeuten", machte Müller vergangene Woche klar.

Nun bringt der Mietvertrag zumindest vorerst eine Zwischenlösung. Laut Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer habe auch die Stadt ein berechtigtes Interesse an der Nutzung des Geländes. Die Prüfung zur Unterbringung von Schülern des Regionalen Berufsbildungszentrums 1 im Turm der alten Kunsthochschule ist nach Mitteilung der Stadt nach wie vor noch nicht abgeschlossen.

"Die Entwicklungen, die wir an diesem Ort gemacht haben, stehen und fallen mit diesem Ort", sagt Vorstandsmitglied Müller. Das Gebäude habe durch die vielen verschieden großen Räume den perfekten Schnitt für die zahlreichen Projekte, die Lage in der Innenstadt sei nicht nur ideal, sondern wichtig für kreative Projekte, so Müller. Außerdem sei die Entwicklung aus sich selbst heraus gewachsen. Niemand habe bestimmt, dass die Projekte einziehen, erklärt Müller die Besonderheit. Eine gemeinsame Identität ist entstanden. Die Projekte seien hier zusammengewachsen und hätten hier mit der Vereinsgründung die ersten professionellen Schritte gemacht. Trotzdem freue sich der Vorstand erst einmal über die Entscheidung des Landes, die dem Verein auch Planungssicherheit bringt.

 

Veranstaltungen

Die Alte MU soll ein Ort der Begegnung und Inspiration sein, daher sind Veranstaltungen ein wesentlicher Bestandteil bei der Planung. Im neu ausgebauten Musikraum hinter der Galerie Seepferdchen, der Triangel, finden Konzerte statt. Das Glückslokal lädt regelmäßig zu Kleidertauschparties ein. Auch der beliebte Perlentaucherflohmarkt wird hier veranstaltet. Bei den saisonalen Festen präsentieren sich alle Projekte gemeinsam.

Hier eine kleine Übersicht über folgende Veranstaltungen:

Triangel, die Dritte: Konzert in der Galerie Seepferdchen mit Emelie Müller (Singer/Songwriterin) und Fernant Zeste (Blues) am Sonntag, 28. Februar, 17 Uhr, Eintritt frei.

Braukurse bei Lillebräu: Am Sonnabend, 27. Februar, und Sonnabend, 2. April, jeweils um 13 Uhr. Kosten: 85 Euro.

Workshop im Atelier Mümelade: Sonnabend, 5. März, 14-17 Uhr, selbstgebasteltes Memory für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. Kosten: 15 bis 30 Euro.

Sonnabend, 16. Juli: Sommerfest in der alten MU.

Sonnabend, 1. Oktober: Herbstfest in der alten MU.

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Foto: In den ehemaligen Gebäuden der Muthesius-Kunsthochschule bleibt die Kreativität erhalten. Dafür macht sich der Verein Alte Mu stark, hier von links Felix Wenning, Miriam Hansen, Sarah Klawonn, Anne-Lena Cordts, Gazi Sikican und Robin Koerth auf einem Beteiligungsmodell der Bürgerwerkstatt von Michael Päpke.

Die Entwicklung kreativer Ideen auf dem Gelände der ehemaligen Muthesius-Kunsthochschule am Lorentzendamm kann erst einmal weitergehen. Vertreter von Stadt, Hochschule und Wissenschaftsministerium einigten sich auf eine Zwischenlösung für das Areal.

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