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Gute Ideen fürs ganze Leben

Alte Mu Gute Ideen fürs ganze Leben

„Lauter Leute, die Träume leben.“ Umweltminister Robert Habeck(Grüne) war erkennbar angetan vom Klima, das die Alte Mu prägt, als er am Mittwochabend einige Projekte besuchte, die aus dem Ideenwettbewerb „Yooweedoo“ hervorgegangen sind und sich langsam, aber sicher etablieren.

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Umweltminister Robert Habeck (Grüne) müht sich mit dem Lastenrad des Vereins Tretwerk.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Des Ministers Eindruck trügt nicht: Offensichtlich macht es gute Laune, wenn Leute etwas tun, mit dem sie Sinn verbinden. „Yooweedoo“, das ist eine Erfolgsgeschichte, die an der Uni Kiel entstand und inzwischen bundesweit zum Vorbild geworden ist. Gesellschaftliche Probleme unternehmerisch lösen, dazu Ideen finden, sie zu Projekten entwickeln und diese Projekte am Ende tatsächlich verwirklichen: Das ist die Formel des am Geographischen Institut unter Federführung von Prof. Christoph Corves entwickelten Wettbewerbs. Bei der Premiere vor fünf Jahren gingen daraus sechs Preisträger hervor, in diesem Jahr bei anhaltend steigender Tendenz 33.

„Das Gefühl, etwas verändern zu können, ist wesentlich“, begründet Corves dieses Konzept, das an der Uni Kiel gelebt und gelehrt wird. Inzwischen gibt es gar eine „School of Sustainability“ mit verschiedenen Master-Studiengängen, sodass die Zukunftsmacher jährlich 500 Studierende erreichen. „Damit sind wir komplett am Limit“, sagt Corves, der überdies in ganz Deutschland unterwegs ist, um das Prinzip zu erklären. Fest an Bord sind inzwischen Partnerhochschulen aus Tübingen, Vechta und etlichen anderen Städten, der Wettbewerb selbst hat ebenfalls bundesweiten Status errungen und gilt als größter seiner Art.

Blickt Corves auf die kleine Ahnengalerie der früheren Preisträger, so befindet sich bereits der eine oder andere Stolz der Familie darunter: Etwa das Projekt Goldeimer, das 2012 mit einer Bachelor-Arbeit begann und jetzt eine GmbH mit drei festen Beschäftigten ist. Das Geschäftsmodell: Festival-Toiletten für Fans, die ihr Geschäft nachhaltig verrichten und es mit Sägespänen geruchsneutral kompostieren lassen wollen. Die My Boo GmbH fertigt Bambusräder mit vier Mitarbeitern, das Kieler Craftbeer Lillebräu hat bisher zwei feste Jobs geschaffen. Habeck sprach aber auch mit „Yooweedoo“-Leuten, die nicht so straff unternehmerisch ticken. „Ein Tauschladen?“, fragte er, als er das Glückslokal betrat und musste sich von Nina Lage-Diestel ein bisschen korrigieren lassen: „Wir beschenken uns gegenseitig.“ Für wenige Euro im Monat kann man Mitglied im Verein werden, dafür darf man regelmäßig Geschirr, Bücher, Kleidung oder sonst etwas mitnehmen, das andere nicht mehr haben wollten. 500 Mitglieder sind nach etwa zwei Jahren dabei, was zwar nicht für Gehälter reicht, wohl aber für die Finanzierung der Raumkosten. Unter dem Motto Werk statt Konsum gibt es derweil bei einem anderen Verein Raum, Werkzeuge, Material und oft auch Tipps, um selbst Sachen aus Holz zu fertigen. Spenden ergänzen hier ebenso wie beim Verein Tretwerk das Ehrenamt. Nur dass dieser, wie der Name schon andeutet, Lastenfahrräder verleiht, die sich großer Nachfrage erfreuen.

Ob eine gute Idee zu einem Unternehmen führt oder nicht, das ist auch aus Sicht von Habeck nicht so wichtig. Entscheidend ist für ihn: „Wer so etwas gemacht hat, nimmt etwas mit, egal ob er irgendwann in einer Bank, einer Schule oder einem Ministerium arbeitet.“

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