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Frische Ideen und neue Pläne

Alte Muthesius-Kunsthochschule Frische Ideen und neue Pläne

Mitten in der Stadt ein „Dorf“ für kreative Köpfe und ihre frischen Ideen: Das wollen zwei Initiativen und sogar das Land, dem das Areal des alten Standorts der Muthesius-Kunsthochschule mit rund 5000 Quadratmetern bebauter Fläche am Lorentzendamm gehört.

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Blick in die Zukunft: So könnte nach Vorstellung von zwei Initiativen das Areal am Lorentzendamm aussehen, wo früher die Muthesius-Kunsthochschule ihr Domizil hatte. Außer einem Wohnturm sollen dort auch begrünte Dächer auf den mit Brücken verbundenen Pavillons entstehen.

Quelle: Drej Design

Kiel. Derzeit führen Land, Stadt und die Initiativen Gespräche, wie es mit der „alten Mu“ weitergehen soll. Denn nach dem Umzug der Hochschule in neue Räume (Legienstraße) läuft ihr Mietvertrag für das frühere Domizil zum Ende der Jahres aus.

 Derweil bastelt der Verein „Alte Mu Impuls-Werk“ schon eifrig an einer MUtopie. Zentrale Idee dabei: Grafiker, Handwerker, Künstler, Unternehmer oder IT-Spezialisten arbeiten Tür an Tür, entwickeln durch die räumliche Nähe neue Ideen für ihre Projekte, profitieren voneinander und arbeiten möglicherweise auch zusammen. „Auf diese Weise würde der kreative Geist, der hier am alten Standort der Muthesius-Kunsthochschule jahrzehntelang herrschte, erhalten bleiben und der Stadt weiter wertvolle Impulse liefern“, erklärt Felix Wenning, Projektmanager bei „Zukunftsmacher“ und Vorstandsmitglied des Vereins „Alte Mu“.

 Innovativ sind auch die Ideen für die künftige Gestaltung des Areals: begrünte Dächer, ein Wohnturm mit rund 50 Wohnungen für Studenten oder/und Flüchtlinge, Verarbeitung selbst angebauter Produkte in einer Mensa, kleine Windanlagen, ein „Recycling-Baumarkt“ oder Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

 Bei der Finanzierung dieser visionären Pläne setzt der Verein auf ein Genossenschaftsmodell, dessen Feinheiten derzeit diskutiert würden. Felix Wenning denkt dabei an eine „wirklich demokratische Form“. Dabei könne jeder Bürger Genossenschaftsanteile von voraussichtlich 500 Euro pro Stück erwerben. Im Unterschied zu Aktienpaketen spiele es beim Mitspracherecht keine Rolle, wer wie viele Genossenschaftsanteile besitzt.

Chance nicht verpassen

 Für das Land könnte das Konzept ein „Baustein für einen dynamischen Wissens- und Wirtschaftsstandort“ sein. „Viele Städte haben inzwischen Kreativräume geschaffen. Kiel sollte diese Chance nicht verpassen“, sagte auf Nachfrage Wissenschafts-Staatssekretär Rolf Fischer, der mit der Stadt über die Zukunft der Landes-Liegenschaft verhandelt. „Ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung gibt.“

 Die Landesregierung strebe eine Übergangsvereinbarung für zwei bis drei Jahre an. Fischer kann sich einen Mix zwischen Wissenschaft, Kunst und kreativer Ökonomie auf dem Gelände der alten Mu „gut vorstellen“. Städte wie Berlin hätten vom „Labor“-Charakter solcher Komplexe enorm profitiert. „Eine attraktive Universitätsstadt braucht auch ein attraktives Umfeld für Ideen, junge Kreative und Unternehmensgründer. Die alte Mu als Ideenschmiede – das wäre ein toller Impuls für die Landeshauptstadt. Deshalb wird das Land jeden realisierbaren Vorschlag unterstützen.“

 Die Stadt favorisiert derzeit aber offenbar eine andere Lösung: So verwies Oberbürgermeister Ulf Kämpfer auf einen Beschluss des Bauausschusses. Zielsetzung dabei sei es, den Standort „einer überwiegend wohnbaulichen Entwicklung zuzuführen“. Die Nutzungen in dessen Nachbarschaft dürften aber „nicht störend“ sein.

 Zudem seien das Amt für Schulen sowie die städtische Immobilienwirtschaft auf der Suche nach geeigneten Räumen, um während der Bauphase des Regionalen Berufsbildungszentrums I den Unterricht sicherzustellen. Alle in Frage kommenden Räume im Stadtgebiet würden geprüft, darunter auch die der Alten Muthesius-Kunsthochschule. Eine Entscheidung für eine solche Zwischennutzung des Areals sei aber noch nicht gefallen.

 Gleichwohl „freue“ sich der OB über vielfältige Aktivitäten der Initiativen und besuche am Sonnabend das „Alte-Mu-Benefiz-Winter-Festival“, wo er auch einen Einblick in deren Konzept erhalten solle.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Nach dem Olympia-Debakel wagt man in Kiel ja schon gar nicht mehr zu träumen. Oder doch? Zwei Initiativen tun es jedenfalls und haben das Land überraschenderweise auf ihrer Seite. Ihre Idee klingt in der Tat vielversprechend: eine Art Branchen verbindende Zukunftswerkstatt für kreative Köpfe vom Tischler bis zum Grafiker auf einem Gelände mit kreativer Tradition.

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