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Alte Mu Kiel Raum für Experimente

Manchmal braucht es ungewöhnliche Wege, um neue Ansätze zu finden. Ein richtiges Wegenetz mit 24 Projekten hat sich seit zwei Jahren in der Alten Mu (frühere Muthesius-Kunsthochschule) entwickelt. Welche Ideen sie für Kiel haben, das zeigten die Kreativen gemeinsam mit der Muthesius-Kunsthochschule und dem Projekt Zukunftsmacher.sh während ihres gut besuchten Sommerfestes unter dem Motto „Karussell der Ideen“.

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Möchten die alte Mensa zu neuem Leben erwecken: (von links) Leo, Thorsten, Julian, Daniel, Hannes, Jan und Tassos. Zurzeit übernehmen sie das Catering für Veranstaltungen wie das Sommerfest am Sonnabend.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Wie eine kleine Stadt in der Stadt haben sich die 80 Kreativen in den Flachbauten der Alten Mu eingerichtet. Noch einige wenige Räume sind frei. „Schön wären Projekte aus den Bereichen Technik, Medizin, Philosophie oder nachhaltige Energien,“ sagt Liegenschaftsbetreuer Daniel Müller. Bis Ende des Jahres werkeln dort noch alle betriebskostenfrei, danach seien Kosten weit unter dem Marktpreis geplant. „Im Moment warten wir jedoch erst auf die Information der Stadt, ob wir hier überhaupt weitermachen dürfen“, sagt Müller. Als ein Impulswerk bezeichnet er die Gemeinschaft. Sie wurde „von einigen anfangs als chaotisch und mit vermülltem Außengelände bezeichnet, wird mittlerweile aber aufgeschlossen betrachtet“, sagt er. Die Resonanz von außen werde immer positiver.

 Die Kreativen stellen bereits eine Vielfalt von Projekten auf die Beine, zum Beispiel Lillebräu-Bier, Honig-Produktion, Hochbeete-Bau in der Werk-Statt, eine Bürger-Werkstadt oder die alte Mensa, die wieder genutzt wird und wachsen soll. „Wir sind in Vorleistung gegangen und verkaufen auf Events wie dem Sommerfest Speisen und Getränke, um die Infrastruktur zu verbessern“, erklärt Geograph Julian Niehaus. So kam bislang schon Geld für einen Herd und eine Spülmaschine zusammen.

 Tabea Everling, Myriam Lemberger und Anne-Lena Cordts sind Raumstrateginnen und möchten Kiel attraktiver machen. Ihr neues Projekt als Gruppe „Raumstation“: Sie möchten eine Seite des verglasten Fußgängertunnels über den Ziegelteich vor dem Sophienhof mit Holzplanken auslegen und dort in Pflanzenkästen nutz- und essbare Pflanzen setzen. Einen Fan konnten sie schon gewinnen: „Bürgermeister Peter Todeskino war begeistert. Nun sollen wir Pläne entwickeln und im Ortsbeirat vorstellen“, erklärt das Trio. Vorstellbar wäre eine Umsetzung ab Oktober.

 Für Nachhaltigkeit setzen sich Larissa Jaeger und Raphael Ganzenmüller mit dem „Kieler Tretwerk“ ein, ein weiteres gefördertes Projekt für Nachhaltigkeit. Zwei Lastfahrräder, mit denen je 180 Kilogramm transportiert werden können, stellt ihre Gruppe gratis an der Umsteiger-Radstation am Bahnhof und an der Mensa 1 an der Uni zur Verfügung. Gebucht werden können die Lasträder online über kielertretwerk.org.

 Arne Zerbst, Präsident der Muthesius-Kunsthochschule, lobte die Gemeinschaft in der alten Mu als „Labor für gesellschaftliche Experimente – und das sollte auch so bleiben“. Auch Ministerpräsident Torsten Albig, Schirmherr des Projekts Zukunftsmacher.sh., betonte, dass die Projekte wichtig seien, „um über die Zukunft neu und anders zu denken“. Die Gruppe solle weitermachen, aber es sei zu hinterfragen, ob das an diesem Ort oder an einem anderen, gewollten und politisch getragenen Ort sei. „Ich denke nicht, dass sich ein solches Gewächs verpflanzen und an einem anderen Ort synthetisch entwickeln lässt“, hielt Christoph Corves von Zukunftsmacher.sh dagegen. Aber vielleicht fände sich ja doch ein Kompromiss, die Dinge in Kiel zu kombinieren.

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