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Kunst ausgegraben: Bewährung

Alter Botanischer Garten Kunst ausgegraben: Bewährung

Sie schlichen nachts in den Alten Botanischen Garten und gruben zwei bronzene „Wegzeichen“ der Kieler Künstlerin Susan Walke aus. Beim Abtransport im Pkw gerieten die Diebe in eine Polizeikontrolle und durften mit ihrem angeblichen Sperrmüll unbehelligt weiterfahren. Nun verurteilte eine Strafrichterin die Kunstfrevler.

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Edda Hinrichsen und Reinhard Laszig vom Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens ärgern sich über die geklaute Eisenpforte. Die Täter sind noch nicht gefunden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Nämlich wegen besonders schweren Diebstahls und gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu Geld- und Bewährungsstrafen.

Das einschlägig vorbestrafte Diebestrio aus Malente war am Abend des 3. Oktober 2014 im Pkw angereist, darunter zwei Brüder. Der ältere (31) und ein weiterer Komplize (44) haben jeweils mehr als 20 Vorerkenntnisse im Strafregister. Entsprechend versiert verteidigten sich die hafterfahrenen, im Kern geständigen Täter vor dem Amtsgericht. In die Landeshauptstadt wollen sie gefahren sein, um Sperrmüll zu suchen. Dabei wollen sie ganz zufällig am Straßenrand ihr Tatwerkzeug entdeckt haben – einen Spaten.

 Ebenso ungeplant sei man an den Tatort im Schwanenweg gelangt, gab der ältere Bruder zu Protokoll: Man habe unterwegs viel Bier getrunken und mal pinkeln müssen. Da habe sich die Parkanlage angeboten. Am Teichufer habe man „Schrott“ herumstehen sehen und ausgebuddelt.

 Im Publikum des Gerichtssaals sitzt die Erschafferin des Kunstwerks und hört sich die Geschichten mit wachsender Fassungslosigkeit an. Die Kielerin hatte die drei Bronzestelen 1990 als Examensarbeit an der Muthesius Kunsthochschule entworfen und gießen lassen. Ihre „Wegzeichen“ stellte sie dem Förderverein des Alten Botanischen Gartens als Dauerleihgabe zur Verfügung. Seitdem war das grüne Juwel im Stadtteil Düsternbrook am Ufer des kleinen Teiches um eine Attraktion für kunstsinnige Besucher reicher. Auch die Vorsitzende des Fördervereins, Edda Hinrichsen, betont die Schmerzlichkeit des Verlustes.

 Bildhauerin Susan Walke stöhnt leise auf, als der Drahtzieher des Trios vor der Richterin wortgewandt berichtet, man habe das „Eisenteil“ zum Schrotthändler gebracht – für ganze zehn Euro. Die Behauptung des angeblich erfahrenen Wertstoffsammlers stellt im Prozess niemand infrage. Tatsächlich beziffern Metallhändler den reinen Materialwert der 80 Kilo schweren Bronzescheibe auf bis zu 600 Euro.

 Die Anklage berücksichtigt die künstlerische und handwerkliche Leistung und beziffert den Schätzwert der Stele auf 7000 Euro. Das Stück ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Doch Künstlerin Susan Walke hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Bronzescheibe noch nicht eingeschmolzen wurde. Für die Wiederbeschaffung in unversehrtem Zustand hat sie 500 Euro Belohnung ausgesetzt.

 Die Diebe hatten am Tatort noch ein zweites Wegzeichen ausgegraben, es jedoch am Gartentor Ecke Düsterbrooker Weg liegen lassen. Es passte offenbar nicht mehr in ihren VW Golf. Sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängte nun die Richterin gegen die Haupttäter, die als Auflage 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten müssen. 500 Euro Geldstrafe wegen Beihilfe soll der jüngere Bruder (23) zahlen, der während der Aktion nur im Auto gewartet haben will. Vier Monate später hatten am Alten Botanischen Garten erneut Metalldiebe zugeschlagen: Anfang Februar stahlen wie berichtet Unbekannte das Eisenportal, das der Kunstschmied Kurt Lange mit einem zehn Meter langen Zaunabschnitt 2010 im Auftrag des Fördervereins gefertigt hatte.

 Ein halbes Jahr später wurde das Portal ersetzt und von Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer eingeweiht. Es ist jetzt mit einem Spezialriegel gesichert.

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