2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Wenn das Buch Rücken hat ...

Alterserscheinungen Wenn das Buch Rücken hat ...

Menschen und Bücher – zumal, wenn sie in einem gewissen Alter sind – haben oft ein gemeinsames Problem: Rücken. Weil aber Bücher im Gegensatz zu den Menschen nicht nur in die Jahre, sondern gern auch mal in die Jahrhunderte kommen, können sich bei ihnen noch etliche andere Alterserscheinungen zeigen.

Voriger Artikel
Stöcken bedauert den Fall zutiefst
Nächster Artikel
Auf sechs Bürger kommt ein Parkplatz

Ein klarer Fall für Sylvia Blüggel (links) und Jasmin Fritz: Dieses Buch hat Rücken.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Für mitleidende Bibliophile bietet das Antiquariat Diderot deshalb am morgigen Sonnabend erstmals eine Problembuch-Beratung an. „Kann man da was machen?“ Immer wieder kommen Kunden mit ihrem lädierten Lieblingsbuch zu Jasmin Fritz und stellen ihr diese Frage. Und ja, so weiß sie, meistens kann man tatsächlich was machen. Sofern man die entsprechende Kompetenz hat. Da wiederum kommt Sylvia Blüggel ins Spiel. Sie ist gelernte Buchbinderin, im Restaurierungszentrum Gaarden selbstständig mit ihrem Ein-Frau-Betrieb „Sunny Road Books“ und vertraut mit allem, was Bücher zusammenhält – oder sie über kurz oder lang zur Lose-Blatt-Sammlung degenerieren lässt.

Erstmals sitzt Sylvia Blüggel nun am Sonnabend von 10 bis 14 Uhr im Diderot in der Gutenbergstraße 5, um gemeinsam mit Antiquarin Fritz kostenlos leidende Literatur zu beäugen. „Die Schwachstelle ist tatsächlich der Rücken“, weiß die Buchbinderin und betont, dass sich dieses Manko seit Jahrhunderten nicht geändert habe. Der schmale Streifen zwischen vorderer und hinterer Falz ist einfach stark beansprucht und kann außerdem nur bedingt stabil gefertigt werden, weiß die Fachfrau: „Würde man den Rücken total fest machen, ließe sich das Buch nicht mehr aufschlagen.“

Problembuch-Beratung

Lose Blätter sind derweil nicht nur ein Schrecken von Lehrern, sondern auch ein Graus für Bücherfreunde. Auch dazu kann es bei älteren Werken immer wieder kommen, bis hin zum trostlosen Umstand, dass sich das Buch ganz in seine einzelnen Seiten auflöst. Doch Hilfe ist möglich. „Zu retten ist fast alles, die Grenze setzt meistens das Geld“, sagt Sylvia Blüggel. Definiert wird diese Grenze dabei höchst unterschiedlich. So mancher Kunde lässt selbst dann ein Buch sanieren, wenn das teurer wird als ein gut erhaltenes gebrauchtes aus dem Antiquariat zu kaufen, weiß Jasmin Fritz: „Das ist einfach Liebhaberei, besonders dann, wenn man ganz persönliche Dinge mit einem bestimmten Buch verbindet.“

Wie die Problembuch-Beratung am Freitag angenommen wird, darauf sind die beiden Kielerinnen sehr gespannt. Die Besucher des seit knapp drei Jahren von der ausgebildeten Buch- und Kunstantiquarin Jasmin Fritz betriebenen Geschäfts in der Gutenbergstraße haben vorab jedenfalls großes Interesse an dieser speziellen Sprechstunde bekundet. Und auch wenn der Andrang am Anfang doch nicht so groß sein sollte, wird das Expertinnen-Duo künftig regelmäßig immer am ersten Sonnabend im Monat von 10 bis 14 Uhr seine Beratungsdienste anbieten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3