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Am Limit: Feuerwehr schlägt Alarm

Feiertage Am Limit: Feuerwehr schlägt Alarm

Der Berufsfeuerwehr steht die heißeste Zeit des Jahres bevor. Die Feiertage und der Jahreswechsel sind traditionell die Phase, in der die Zahl der Notrufe nach oben schnellt. Waren es früher brennende Bäume und Adventskränze, sind es heute meist medizinische Notfälle.

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OB Ulf Kämpfer mit Rüdiger Henschel und Amtsleiter Thomas Hinz (von links) in der Leitstelle der Feuerwehr Kiel.

Quelle: Frank Behling

Kiel.  „Wir spüren im Rettungsdienst eine deutliche Zunahme. Leider haben wir nicht genügend Personal, um gerade in der Leitstelle optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen“, beklagt Feuerwehr-Amtsleiter Thomas Hinz.

 Jeweils sechs Kollegen betreuen pro Schicht in der Leitstelle am Westring die Stadt Kiel sowie die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Plön. Insgesamt 33 Kräfte arbeiten in vier Schichten. „Die Anforderungen an die Kollegen steigen immer weiter, besonders zur Weihnachtszeit. Inzwischen sind wir am Limit der Belastbarkeit angekommen“, sagt Thomas Hinz. Die sechs Disponenten und der Schichtführer kämen kaum zur Ruhe. „Es ist phasenweise so eng, dass ich nicht mal nach einer schlimmen Situation, wie beispielsweise bei der telefonischen Hilfe zur Reanimation von Kindern, den betreffenden Kollegen einfach mal für eine Stunde rausnehmen kann“, erklärt Hinz im Gespräch mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der der Berufsfeuerwehr am Westring und der Ostwache in Gaarden einen Besuch abstattete.

 Auch am Mittwoch blinkten die roten Warnleuchten für eingehende Notrufe im Minutentakt. „Wir haben heute deutlich mehr zu tun. Die Menschen werden älter, und die Zahl der Notfallerkrankungen steigt“, sagt Schichtleiter Rüdiger Henschel. Hinzu kommt die Gruppe der Menschen, die gerade über Weihnachten den Notruf aus Einsamkeit wählen oder einen Suizid androhen. „Auch diesen Menschen müssen wir am Telefon helfen, das kostet nun einmal alles Zeit“, sagt Hinz. „Ruhe gibt es in einer Schicht nicht“, sagt Disponent Karsten Berlau, als Oberbürgermeister Kämpfer zu ihm auf den Arbeitsplatz schaut und sich die vielen Bildschirme erklären lässt.

 „Gegenspieler“ der Feuerwehr bei der Bewertung der Arbeit sind die Krankenkassen, die einen Teil der Kosten des Rettungsdienstes tragen müssen. Die Kassen erkennen nur an, was sich in exakten Zeiteinheiten und mit kalkulierbaren Kostenpunkten belegen lässt – beispielsweise einen Krankentransport von einem Ort zum anderen. Wenn aber ein Disponent über zehn oder 15 Minuten mit einem Suizidgefährdeten spricht oder Eltern Tipps für die Sofortmaßnahmen bei einem Unfall mit einem Kind gibt, ist das schwer in kalkulierbare und abrechnungsfähige Zahlen zu fassen. „Hier haben wir abweichende Positionen bei der Bewertung“, so Hinz.

 Während des Weihnachtsbesuchs des Oberbürgermeisters ging gut ein Dutzend Notrufe ein. „Das ist schon beeindruckend. Wir in Kiel sind froh über die Arbeit, die Sie für unsere Stadt leisten“, sagte Kämpfer und bedankte sich bei den 400 Mitarbeitern der Kieler Feuerwehr mit Kuchen, Keksen und Kaffee für die anstehenden Schichten. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar hatte sich zuvor bei den Beamten der vier Polizeireviere sowie des Wasserschutzpolizeireviers für die Arbeit und Einsatzbereitschaft bedankt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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