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Keuchhusten ist kein Kinderspiel

Kiel Keuchhusten ist kein Kinderspiel

Das städtische Amt für Gesundheit verzeichnet einen auffällig starken Anstieg von Keuchhusten-Erkrankungen im Kieler Stadtgebiet. Während im gesamten Jahr 2014 nur 39 Fälle der meldepflichtigen Infektionskrankheit bekannt wurden, waren es nach Angaben von Dr.

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Eine Infektion mit Keuchhusten ist auch nach erfolgter Impfung im Kindesalter möglich. Mediziner führen die aktuell hohe Zahl der Erkrankungen von Erwachsenen darauf zurück, dass viele die Auffrischung ihres Impfschutzes vergessen – oder nicht für nötig halten. Damit gefährden sie aber nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Kiel. Angela Wencke, Abteilungsleiterin für Infektionsschutz und Umwelthygiene, im ersten Halbjahr 2015 bereits 53 Fälle. Betroffen seien vor allem Kinder im Kita- und Grundschulalter. Außerdem müsse man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da der typische hartnäckige Husten bei Erwachsenen oft nicht ärztlich abgeklärt werde. „Wir haben uns entschlossen, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, weil Keuchhusten vor allem für Säuglinge und geschwächte Menschen lebensgefährlich sein kann“, sagte Wencke.

 Anders als bei Masern könne die Ansteckung mit Keuchhusten nicht zuverlässig und lebenslang durch eine Impfung verhindert werden. Sie müsse auch im Erwachsenenalter alle paar Jahre überprüft und aufgefrischt werden (siehe unten). Besonders gefährdet seien Säuglinge unter zwei Monaten, die noch zu jung für die Impfung seien. „Sie haben nicht, wie oft angenommen, eine Art Nestschutz durch die Muttermilch.“ Da Säuglinge noch nicht die Kraft hätten, den Schleim abzuhusten, könne es zum Atemstillstand kommen oder zu schweren Komplikationen wie einer Lungenentzündung. „Der einzige wirkliche Schutz für Kinder im ersten Lebenshalbjahr ist der aktive Impfschutz der Kontaktpersonen“, betont Wencke. Das gelte für die Krippe ebenso wie für Großeltern oder Tagesmütter.

 Doch viele Erwachsene nehmen die Auffrischungsimpfung nicht ernst, weil sie irrtümlicherweise von einer klassischen Kinderkrankheit ausgehen. Ohne Auffrischung nach etwa zehn Jahren können Erwachsene jedoch ebenfalls an Keuchhusten erkranken – und andere gefährden. „Wir führen die Zunahme der Keuchhusten-Erkrankungen auch darauf zurück“, sagt Angela Wencke. Keuchhusten ist eine akute, bakterielle Infektion, die zu einer Reizung der Schleimhäute und krampfartigen Hustenanfällen bis hin zu Erstickungsanfällen führen kann. Zu den möglichen schweren Folgeerkrankungen zählen Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Krampfanfälle und Hirnhautentzündung. Der Arzt stellt die Diagnose über einen Rachenabstrich. Die Übertragung des Erregers erfolgt durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen.

 Das Gesundheitsamt empfiehlt, die anstehende Ferien- und Reisezeit für eine Überprüfung des Impfschutzes zu nutzen. Die Impfung wird zumeist als Dreifachimpfung gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten verabreicht. Infomationen gibt es im Gesundheitsamt unter den Telefonnummern 901-2130 und 901-2107 sowie im Internet unter www.kiel.de/Gesundheit und www.impfen.schleswig-holstein.de.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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