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Die Konten von Patienten im Visier

Amtsgericht Die Konten von Patienten im Visier

Gleich zwei Frauen mussten sich am Dienstag vor dem Kieler Amtsgericht in getrennten Prozessen wegen Computerbetrugs verantworten. Beide hatten als Haushaltshilfe für schwerbehinderte Herzpatienten das Konto ihres Arbeitgebers um rund 3000 Euro erleichtert. Die erste Angeklagte (51) wurde freigesprochen, die zweite (30) schuldig gesprochen, verwarnt und zur Wiedergutmachung verpflichtet.

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Eine Angeklagte spielte mit Erfolg auf Zeit.

Quelle: hfr

Kiel. Im ersten Fall spielte die mutmaßliche Serienbetrügerin mit Erfolg auf Zeit: Die Ladung zum ersten Prozessanlauf im März 2015 hatte die 51-Jährige ignoriert. Gestern sollte der Termin nachgeholt werden. Doch vor vier Wochen starb der herzkranke Geschädigte, dem sie während dessen Klinikaufenthalten die Katze versorgt, die Wäsche gewaschen und Einkäufe erledigt hatte.

 Schon vor zwei Jahren hatte der Geschädigte Strafanzeige gegen die Haushälterin erstattet: Die Kielerin, der er EC-Karte samt PIN-Nummer anvertraute, sollte nur 50 Euro Aufwandsentschädigung für sich abheben. Nach Aktenlage zog sie aber in zwölf Fällen Beträge bis 200 Euro aus dem Geldautomaten. „Ich habe mich nicht bereichert“, widersprach die große schlanke Brünette mit dem auffälligen Silberschmuck hoch erhobenen Hauptes. Die Konsequenz: ein Freispruch.

 Ganz anders das Verhalten der jüngeren Angeklagten (30), die zwei Jahre lang einen Schlaganfallpatienten in dessen Wohnung betreut hatte, bevor sie im April 2014 seine EC-Karte für eigene Zwecke einsetzte. Schon beim Wiedersehen im Gerichtsflur sprach die Mutter von zwei Kindern den Rollstuhlfahrer an, bat ihn um Entschuldigung: „Es stimmt, ich habe dein Vertrauen missbraucht, dir die EC-Karte geklaut und Geld abgehoben.“

 Im Prozess berichtete der Zeuge, die Angeklagte sei kurz vor den Geldabhebungen mit grün und blau geschlagenem Gesicht und einer Messerverletzung am Rücken bei ihm erschienen. Die Alleinerziehende war damals mit einem Drogenabhängigen zusammen, der sie verprügelt, eingesperrt und vergewaltigt haben soll. Die nicht vorbestrafte 30-Jährige berief sich auf ein ärztliches Attest und Fotos ihrer Verletzungen. Inzwischen sitzt der mutmaßliche Schläger hinter Gittern – wegen anderer Straftaten.

 Im Fall der geständigen Angeklagten ließen Staatsanwalt und Richterin Milde walten. Die offenbar einsichtige Schwangere wurde lediglich schuldig gesprochen und verwarnt. Wenn sie sich während der zweijährigen Bewährungszeit nichts weiter zuschulden kommen lässt und den Schaden in Monatsraten à 35 Euro wiedergutmacht, wird die Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro (100 Tagessätze à zehn Euro) nicht vollstreckt.

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