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Trickbetrüger bestreitet Tat

Amtsgericht Kiel Trickbetrüger bestreitet Tat

 Ein 40-jähriger Trickbetrüger bestreitet den Vorwurf, eine Seniorin mit einem Vorwand um ihre Schmuckschatulle und ihr Portemonnaie erleichtert zu haben. Der Fall beschäftigt jetzt das Kieler Amtsgericht. Nächste Wochen werden die Zeuginnen verhört.

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Ein Trickbetrüger bestreitet seine Tat vor dem Kieler Amtsgericht.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Kiel. Als die 95-jährige Seniorin am Exerzierplatz aus dem KVG-Bus stieg, spielte ein Trickdieb den selbstlosen Helfer: Unter dem Vorwand, er könne ihren klapprigen Rollator reparieren, begleitete er die Demenzkranke am Nachmittag des 30. Juli 2014 in ihre Wohnung in der Wörthstraße und entwendete in einem unbeobachteten Moment ihre Schmuckschatulle und ein Portemonnaie.

„Ich kenne die Frau nicht“, behauptet der einschlägig vorbestrafte Kieler, der am Mittwoch als mutmaßlicher Täter wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vor dem Strafrichter saß. Der selbstbewusste 40-Jährige brüstet sich zwar mit seinen Vorstrafen: „Ich bin super bekannt hier in Kiel, jeder Polizist kennt mich.“ Den Tatvorwurf bestreitet er jedoch ungeachtet belastender Indizien.

Dass das hochbetagte Opfer inzwischen verstorben ist, weiß der Angeklagte noch nicht. „Ich bin sofort bereit zur Gegenüberstellung“, sagt er. Vermutlich hätte sich die Witwe ohnehin nicht an den Täter erinnert, der ihr rund 20 persönliche Schmuckstücke – Ringe, Ohrstecker, Armbänder und Halsketten überwiegend aus Gold – sowie 70 Euro Bargeld gestohlen hatte.

Aufklärung erhofft sich die Staatsanwältin von zwei jüngeren Zeugen: Als die 95-Jährige den Täter in die Wohnung ließ, traf er dort auf die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes. Zudem soll eine Nachbarin den schlanken, mittelgroßen Mann beim Betreten des Hauses beobachtet haben.

Ihre Beschreibung des Täters als dunkelhäutigen Südländer passt auf den Angeklagten, von dem sich prompt ein Fingerabdruck in der Wohnung der Bestohlenen fand. Außerdem soll der geschiedene Kieler dort einen (falschen) Namen samt Telefonnummer auf einem Notizzettel hinterlassen haben.

Der Schnipsel stammt von einem wöchentlichen Speiseplan des Stadtklosters, das die 95-Jährige regelmäßig mit Essen auf Rädern belieferte. Das Papier pflegte die Frau anschließend zu kleinen Zetteln für ihre Einkaufslisten zu zerschneiden. Laut grafologischem Gutachten war es wahrscheinlich der Angeklagte, der ihn beschrieben hat. Er räumte gestern ein, Namen und Telefonnummer eines alten Schulfreunds darauf notiert zu haben. Allerdings nicht am Tatort.

„Ich kenne viele Kriminelle“, erklärt der 40-Jährige dem Richter. Von denen hätte leicht einer den Zettel dorthin legen können, um ihm etwas anzuhängen. „Nette Geschichte“, meint die Staatsanwältin. In den nächsten Wochen will das Amtsgericht den Prozess noch einmal von vorne aufrollen – diesmal mit den Zeuginnen.

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