18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Überfall auf Tankstelle vorgetäuscht?

Amtsgericht Kiel Überfall auf Tankstelle vorgetäuscht?

Ein mehrfach vorbestrafter Dieb und Betrüger als Pächter einer Tankstelle – das ging nicht lange gut im Stadtteil Gaarden. Der 29-jährige Angeklagte, der den Betrieb bis Ende 2012 führte, musste sich am Montag vor dem Kieler Amtsgericht wegen Vortäuschens eines Raubüberfalles verantworten.

Voriger Artikel
Mit der Krankheit hart am Wind
Nächster Artikel
Gegen den inneren Schweinehund

Ab Montag muss sich ein Mann in Kiel wegen Vortäuschens eines Raubüberfalles verantworten

Quelle: dpa

Kiel. Anfang Juli 2010 hatte der Angeklagte vier komplette Tageseinnahmen für Benzin, Diesel und diverse Waren aus dem Verkaufssortiment – insgesamt rund 40000 Euro – nicht an die Zentrale des Mineralölkonzerns abgeführt. Zur Vertuschung soll er einen Überfall inszeniert haben: Ein Stammkunde, der kurz vor Mitternacht tanken wollte, sah ihn hinter verschlossener Tür mit gefesselten Händen um Hilfe rufen und alarmierte die Polizei.

 Die Beamten, die den angeblichen Raub im Gewerbegebiet Stormarnstraße aufnahmen, notierten zahlreiche Ungereimtheiten, unterließen jedoch notwendige Ermittlungen und fielen bei ihrer Zeugenvernehmung durch „allenfalls marginale Erinnerungen“ auf, wie die Richterin monierte. Die belastenden Indizien reichten nicht aus, der Angeklagte war in diesem Punkt freizusprechen.

 Den Beamten war es damals weder gelungen, die Videoaufnahmen der 10000 Euro teuren Überwachungsanlage sicherzustellen, noch die Fingerabdrücke des Pächters und seiner Mitarbeiter zum notwendigen Abgleich der Tatortspuren zu beschaffen. Ebenso wenig untersucht wurde eine angeblich aufgebrochene Hintertür, durch die die Räuber eingedrungen sein sollen.

 Passte das Spurenbild zur Darstellung des mutmaßlichen Opfers des Überfalls? Was geschah bei einem weiteren Raub, von dem ein Beamter mal gehört haben will? Das alles konnte der fünfstündige Prozess gestern nicht ansatzweise klären. „Ich bin fassungslos“, bekannte der Rechtsanwalt des Mineralöllieferanten, der sich Aufklärung in diesem „Ausnahmefall“ erhofft hatte. Bisher verweigere die Versicherung die Begleichung des Schadens, bleibe der Konzern auf rund 60000 Euro Verlust sitzen.

 Einzig die Unterschlagung der teuren Videoüberwachung, einer Kaffeemaschine und eines Kühlschranks war dem Angeklagten am Ende anzulasten: Weil er hierzu im Rahmen eines Deals ein Geständnis ablegte. Zudem räumte er eine Kassenentnahme von 8000 Euro im Dezember 2012 ein. Unmittelbar danach hatte die Tankstellenkette, die im Norden rund 400 Filialen betreibt, dem Pächter fristlos gekündigt.

 Der hatte schon zwei Jahre zuvor für 9000 Euro Werkzeug und Hebebühne für einen Reifenservice bestellt und nicht bezahlt – ein weiterer Fall von Betrug und Unterschlagung, der ebenfalls ins Urteil einfloss. Die 5000 Euro Gesamtstrafe darf der ehemalige Hauptschüler, der heute als Hilfsarbeiter in einer Autowerkstatt jobbt, in 30-Euro-Raten abstottern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3