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Vorschuss oder Geld für neue Stühle?

Amtsgericht Kiel Vorschuss oder Geld für neue Stühle?

Der seltsame Umgang eines Lohnsteuerhilfe-Vereins mit seinen Finanzen beschäftigt derzeit das Kieler Amtsgericht: Ein ehemaliges Vorstandsmitglied (46) soll im Dezember 2012 vom Vorsitzenden (45) einen Umschlag mit 3000 Euro Bargeld erhalten haben.

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Kiel. „Als Vorschuss für meine unterbezahlte Mitarbeit“, behauptet der jetzt wegen Untreue angeklagte Buchhalter. „Für die Anschaffung neuer Stühle“, sagt der Geldgeber.

 Am Donnerstag beim Prozessauftakt stand Aussage gegen Aussage. Der inzwischen aus dem Vorstand entlassene Angeklagte dreht den Spieß um, setzt den Vorsitzenden mit seiner Behauptung ins Zwielicht. Der geriet bei seiner Vernehmung in Erklärungsnot, unter welchen Bedingungen er dem Angeklagten das Geld aushändigte.

 Zwar bestätigen beide Kontrahenten, die Summe sei im Pkw des Zeugen gegen Quittung übergeben worden. Der Angeklagte will dort einen Beleg ohne Eintrag des Verwendungszwecks unterschrieben haben. Eine Kopie der Quittung bei der Akte weist dagegen als Zweck „Ausgaben für Besucher- und Bürostühle“ aus.

 Hatte der Vorsitzende seinen in Geldnot geratenen Stellvertreter damals diskret mit einem Darlehen aus der Vereinskasse bedacht? Der Zeuge weist die Behauptung des Angeklagten entschieden von sich. Doch nach so langer Zeit ist er nicht ganz sicher, ob er die unterschriebene Quittung später um weitere Angaben ergänzte.

 Wie glaubhaft ist die Geschichte mit dem geplanten Stuhlkauf? Der Zeuge räumt ein, Barauszahlungen in solcher Höhe seien im Verein absolut unüblich. Doch sein damaliger Stellvertreter habe beim Büromöbelkauf handeln wollen, und das gehe nun mal besser mit Bargeld. Obwohl am Ende keine teuren Stühle gekauft wurden, will der Zeuge den Fehlbetrag in der Kasse erst viel später bemerkt haben.

 Der Richter scheint genervt, runzelt die Stirn, hakt nach. Offen ist bisher die Frage, warum ein Verein, dem es nach Aussage seines Vorsitzenden „richtig schlecht“ ging, 3000 Euro in neue Stühle investiert. Seltsam mutet auch an, dass auf dem aktuellen Werbeflyer des Vereins im Internet die Widersacher immer noch einträchtig als Teampartner vom Gruppenfoto lächeln. Ihr erklärtes Motto: „Mit uns sparen Sie bares Geld!“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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